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SPD und Linke rufen zur Sternfahrt auf : Quer durch Jamel radeln - gegen rechts

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Die Linken und die SPD rufen am 1. Mai zu einer Sternfahrt nach Jamel auf: Eine durch und durch politische Veranstaltung, die zeigt, wie schwer sich Politik und Verwaltung im Kampf gegen rechts tun.

svz.de von
erstellt am 23.Apr.2013 | 01:38 Uhr

Jamel | Eine Fahrradtour nach Jamel. Am 1. Mai. Das wäre ein schöner Ausflug für die ganze Familie. Wäre, wenn das Dörfchen Jamel in Nordwestmecklenburg nicht eine Hochburg von Neonazis wäre. Deswegen ist die Aktion von Linken und der SPD eine durch und durch politische Veranstaltung und eine die zeigt, wie schwer sich Politik und Verwaltung im Kampf gegen rechts tun.

"Wir wollen ein Zeichen setzen mit der Aktion", sagt Stefan Baetke (SPD). Seit einigen Jahren organisieren Parteien, Vereine und Verbände der Region eine Sternenfahrt nach Gressow. Auf dem Weg dorthin ist der Halt in Jamel Pflicht. "Wir durchqueren Jamel" heißt die Aktion deshalb auch.

"Es gibt Dörfer, in denen das Wählerpotential der NDP hoch ist", sagt Baetke. Jamel ist eines davon. Knapp 40 Einwohner zählt das Dorf, die Hälfte davon sind Neonazis. Ein Wegweiser in Jamel wies nach Braunau, dem Geburtsort von Adolf Hilter. "Dorfgemeinschaft Jamel - frei-national-sozial", so sehen die Neonazis das Dorf.

Dieser undemokratischen, menschenverachtenden Gesinnung dürfe man nicht das Feld überlassen. Mit dieser Botschaft auf dem Gepäckträger starten die Radler am 1.Mai. Ein schwieriges Vorhaben. Das weiß Stefan Baetke. Denn wie soll die rechte Gesinnung aus den Köpfen der Leute verschwinden? Auf diese Frage, sagt er, habe er auch noch keine richtige Antwort gefunden. In Grevesmühlen versuchen sie mit dem Aktionsbündnis "Grevesmühlen ist bunt" den Neonazis die Stirn zu bieten. Der Tag der Vereine wurde im vergangenen Jahr zusammen mit dem Fest der Vielfalt gefeiert. "Es ist unheimlich schwierig", sagt Baetke.

Willkommen in der Realität - und die sieht so aus: Tür an Tür mit Neonazis leben. Birgit Lohmeyer und ihr Mann erleben das täglich. "Jamel war schon immer das Schandfleck der Region", sagt Birgit Lohmeyer. Die Familie wurde mehrfach für ihr Engagement gegen rechts ausgezeichnet.

"Viele wissen nicht, wie sie mit der Präsenz der Rechten umgehen sollen", sagt die Schriftstellerin. "Die Bereitschaft etwas dagegen zu unternehmen, muss erst noch durchdringen." So würden rechte Graffitischmierereien nicht schnell genug oder gar nicht entfernt, sagt Birgit Lohmeyer. "Das geht nicht." An dieser Stelle vermisse sie das Bewusstsein von Ämtern und Behörden schnell aktiv zu werden.

Mangelnde öffentliche Unterstützung kann die Familie nicht beklagen. So scheint es zumindest auf den ersten Blick. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) habe die Schirmherrschaft für das Festival "Jamel rockt den Förster" übernommen. "Aber was nützt uns das, wenn es nicht gelebt wird", fragt Birgit Lohmeyer. Denn Sellering sei noch nicht einmal nach Jamel gekommen.

Am 1. Mai startet die Sternenfahrt um 9.30 Uhr auf dem Wismarer Marktplatz und um 10 Uhr in Grevesmühlen vor der Kirche und in Proseken vor der Gaststätte "Störtebeker". Von 11 bis 14 Uhr findet anschließend auf dem Sportplatz in Gressow ein Familienfest statt.

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