Bürgerinitiative : Protest gegen neue Gülle-Lagune

Werner Zierke initiierte die Unterschriftensammlung.
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Werner Zierke initiierte die Unterschriftensammlung.

Unterschriftensammlung in Dragun, Initiative lehnt Ausbau der Massentierhaltung ab

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26. August 2015, 21:00 Uhr

Die Gemeinde Dragun erhält eine Lagune. Direkt am Schönfelder Weg entsteht ein Auffangbecken für Gülle. Die Namensgebung sorgt für reichlich Irritation in der Gemeinde. Statt glitzernden blauen Wassers im Sonnenlicht erwartet die Draguner ein offenes Auffangbecken mit Tierexkrementen. „Solch eine Wortschöpfung für das Bauwerk hat nichts mit Südsee gemein“, sagt Werner Zierke.

Der Drieberger ist Initiator einer Bürgerinitiative, die Unterschriften gegen die in Bau befindliche Gülle-Lagune sammelt. 150 Unterschriften liegen bislang vor, 800 sollen es werden. Mit dieser Aktion wolle die Initiative ein deutliches Signal gegenüber der Bauaufsicht des Landkreises setzen. Die hatte nach anfänglichem Rechtsstreit die Gülle-Lagune genehmigt.

Gegenüber der SVZ schreibt der Draguner Dieter Rothe: Die Gemeinde hat alle ihre Rechtsmittel ausgeschöpft. Dieses Projekt belaste die Umwelt. Unverständlich findet er: „Trotz sinkender Milchpreise expandiert das Unternehmen.“

Beim landwirtschaftlichen Betrieb handelt es sich um Landwirt Jacob Poortinga, der bei Vietlübbe eine moderne Milchviehanlage betreibt und diese von derzeit rund 800 Kühen auf 1600 erweitern möchte. Das macht den Bau der Lagune notwendig, betonte er im Januar auf einer Gemeindevertretersitzung. Auf Anfrage der SVZ wollte sich Poortinga gestern nicht äußern. Am Telefon bedauerte die Familie die Haltung der Gemeinde.

Im Januar lehnte die Kommune das Lagunen-Bauwerk ab. Kurze Zeit später versagte die Bauaufsicht des Landkreises das Projekt: „Bei der Prüfung der Unterlagen wurde festgestellt, dass die erforderlichen landwirtschaftlichen Flächen nicht ausreichend für eine Privilegierung waren und der Antrag wurde abgelehnt“, so Petra Rappen, Sprecherin der Kreisverwaltung. Zum Ausbringen von Gülle fehlten vertraglich gesicherte Ackerflächen. Im Rahmen des Widerspruchsverfahrens habe der Antragsteller die erforderlichen Unterlagen vorgelegt. Die Baugenehmigung wurde erteilt, so Rappen.

Zierke bleibt skeptisch: „Wollen wir Urlaubsland werden oder die Agrarindustrie weiter fördern?“ Er kritisiert die Massentierhaltung, stuft solche vom Land geförderten Projekte als kontraproduktiv für den Umweltschutz ein. Für ihn bedeute ein Mehr an Gülle in der Draguner Landschaft, dass der Verbindungsbach Cramoner See-Vietlübber See mit Stoffen belastet wird. Zierke legt Berichte mit Aussagen von Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus vor, in denen er Ende 2014 Obergrenzen in der Nutztierhaltung forderte und von „800 Milchkühen pro Standort“ sprach. Aber genau das Gegenteil passiere.

„Es stinkt zum Himmel“ lautet der Slogan von Zierkes Flugblatt: „Darauf habe ich Argumente vom Regierungsportal zusammengefasst, wo von einem bewussteren Umgang mit der Ressource Boden, im Einklang mit der Natur die Rede ist.“ In diesem Sinne wolle man in Dragun eine Abkehr von der Massentierhaltung erreichen.

Laut SVZ-Informationen hat die Gemeinde den Klageweg beschlossen. „Alle Bemühungen sind gescheitert. Der Anwalt von Herrn Poortinga hat uns mitteilen lassen, dass kein Gesprächsbedarf besteht“, sagt Gadebuschs Bauamtsleiterin Rommy Elßner. Das sei bedauerlich, denn die Achslast der Güllewagen überschreitet womöglich die zulässigen 40 Tonnen, schätzt das Bauamt. Das könnte Auswirkungen auf die teils schmale Seefeldstraße und dem Schönfelder Weg mit Wohnbebauung haben.

Ein Baustopp dürfte schwer erreichbar sein. Nach Ansicht des Kreises kann Dragun Klage beim Verwaltungsgericht einreichen. Die Kriterien für eine Genehmigung regelt aber das Baugesetzbuch. Danach dürfen land- oder forstwirtschaftliche Betriebe im Außenbereich bauen. Werner Zierke: „Sicherlich muss ein Betrieb existieren können. Ich bin davon überzeugt, dass dies auch mit weniger Tieren möglich wird. Hier muss die Politik handeln.“ 

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