Zarrentin : Projekt Biosphäre

Silberreiher am Röggeliner See: Die Gäste   halten im Klarwasser Ausschau nach Beute. Der See wurde  im vergangenen Jahr renaturiert. Durch den weiträumigen  Schutz der Landschaft soll der Eintrag von Nährstoffen durch Düngemittel gering  gehalten werden. Der periodische Eintrag von Kot durch Wasservögel bleibt.
Silberreiher am Röggeliner See: Die Gäste halten im Klarwasser Ausschau nach Beute. Der See wurde im vergangenen Jahr renaturiert. Durch den weiträumigen Schutz der Landschaft soll der Eintrag von Nährstoffen durch Düngemittel gering gehalten werden. Der periodische Eintrag von Kot durch Wasservögel bleibt.

Landwirte aus Nordwestkreis wünschen sich Überarbeitung der Schutzkategorien

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03. März 2014, 00:00 Uhr

„Die Biosphäre Schaalsee ist gut, Naturschutz ist wichtig“, aber was die Nutzung der Ackerflächen angeht, gibt es für Jörg Haase als Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes Nordwestmecklenburg Gesprächsbedarf. Auslöser sind Konsultationen für einen neuen Gesetzesentwurf der Biosphärenreservate Schaalsee und Flusslandschaft Elbe.

Haase und Hansjörg Rothermann als Landwirt und Vorsitzender des Umweltausschusses des Kreistages NWM, forderten auf der jüngsten Tagung des Gremiums in Zarrentin, die Bewertung von Flächen bei Naturschutzbelangen neu zu regeln. „Es kann aus unserer Sicht nicht zielführend sein, bei Ackerflächen mit hoher Bodenwertzahl der Sukzession – dem natürlichen Bewuchs – freien Lauf zu lassen.“ Jüngste Beispiele seien für ihn Flächen bei Dechow.

Überdimensioniert scheinen für ihn auch die zum Schutz der sensiblen Natur angelegten Grüngürtel um Moore und Seen. Ebenso die Vorgaben zur Anhebung der Wasserspiegel in Mooren und die Vernässung von Wiesen. „Unsere Betriebe sind auf einen hohen Ertrag ausgelegt. Ökologische Landwirtschaft rechnet sich für uns nicht“, sagt Haase. Zu hoch sei der Preisdruck auf dem Weltmarkt. Biosphäre bedeute doch „den Erhalt des aktuellen Landschaftsbildes“, so Haase weiter.

Der Gesprächsbedarf der Landwirte basiert u. a. auch auf den vorgestellten Zahlen zur Landnutzung im Biosphärenreservat Schaalsee durch den größten Landschaftseigentümer, den Zweckverband Schaalseelandschaft.

Dessen Geschäftsführer Armin Benz skizzierte vor dem Kreisausschuss Vorhaben und Ziele: „Wir wollen keine Wildnis, aber naturnahe Flächen und Rückzugsräume für Tiere, wobei der Mensch im Sinne einer eigenen dynamischen Entwicklung der Natur aus den Flächen gehalten werden soll.“ Benz verdeutlicht, dass es sich beim Projekt Biosphärenreservat Schaalsee um ein Vorhaben des Bundes handelt. Der stellte in den zurückliegenden Jahren 23 Millionen Euro zum Ankauf von 580 Grundstücken bereit. „Geld, was wiederum in der Region investiert wurde“, sagt Benz.

Heute umfasst das Biosphärenreservat Schaalsee 30 900 Hektar. „Davon sind nach wie vor 16 300 Hektar Ackerflächen“, so der Chef der Biophärenreservatsverwaltung Klaus Jarmatz. Lediglich 6,2 Prozent der Gesamtflächen seien voll geschützte Kernzone, rund 29 Prozent Pflege- und 65 Prozent Entwicklungszonen. Eine Entwicklung, die, laut Jarmatz, einst „Bürger als auch Landwirte in 15 Arbeitsgruppen bei der Festlegung zum Rahmenkonzept mit angeregt haben“.

Bereits 1986 gab es laut Jarmatz Bestrebungen der beiden deutschen Staaten, ein deutsch-deutsches Naturschutzprojekt am Schaalsee zu initiieren. Am Ende legte die letzte DDR-Volkskammer den Grundstein. „Heute hat sich die Schaalseeregion als Marke über die Landesgrenzen hinaus entwickelt. Gab es 1998 drei Regionalmarkeninhaber, zählen wir heute 80 – darunter Gastronomie, Landwirte und Kunst und Handwerksbetriebe“, sagt Klaus Jarmatz.

Positive Effekte und Ergebnisse, die Rothermann nicht in Frage stellt. Doch für ihn steht der wirtschaftliche Umgang mit den Ressourcen im Vordergrund. Beispiel Roggendorfer Moor: „Die Renaturierung läuft, aber wir überlassen den Holzbestand der Natur, die Bäume sterben ab. Andernorts auf dem Erdball werden Wälder abgeholzt.“ Der Fall Moor Roggendorf ist für Armin Benz ein normaler Vorgang: „Da nur Teile vernässt werden und eine wirtschaftliche Nutzung als unrentabel gilt, wird die Natur sich selbst überlassen“.

Für Tiere und Pflanzen ergeben sich daraus umfangreiche Nutzungsmöglichkeiten. Eine Überarbeitung bzw. Rückkehr zur intensiven Bewirtschaftung halten Klaus Jarmatz und auch Armin Benz angesichts der insgesamt positiven Entwicklung in der Schaalseeregion für nicht zielführend. Hansjörg Rothermann und Jörg Haase wollen dennoch weitere Gesprächsrunden im Sinne eines gemeinsamen Wirkens anregen.


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