Feuerwehr : Problemfall „Erwachsenwerden“

990 Jugendliche engagieren sich im Nordwestkreis bei Freiwilligen Feuerwehren. Doch mit Ausbildungsbeginn wandern viele ab. Ein Problem.
990 Jugendliche engagieren sich im Nordwestkreis bei Freiwilligen Feuerwehren. Doch mit Ausbildungsbeginn wandern viele ab. Ein Problem.

Freiwillige Feuerwehren bekämpfen nicht nur Brände sondern auch den Mitgliederrückgang bei künftigen Auszubildenden.

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23. März 2015, 23:00 Uhr

Stell dir vor, es brennt und keiner geht hin. Das möchte sich niemand wirklich vorstellen. Doch immer mehr Freiwillige Feuerwehren plagen Existenznöte. Auch im Nordwestkreis. Denn viele junge Leute, die heute in ihrer Freizeit noch beherzt zu Wasserpumpe oder Schlauch greifen, gehen spätestens mit dem Beginn ihrer Ausbildung den heimischen Wehren verloren. Das schleichende Ende für die ehrenamtlichen Brandschützer? – der Problemfall „Erwachsenwerden“.

„In Nordwestmecklenburg ist der Zeitpunkt des Wechsels der jungen Leute von der Schule in die Ausbildung tatsächlich ein Problem“, bestätigt Landesjugendfeuerwehrwart Axel Fabig. Deshalb setze die Landesjugendfeuerwehr in punkto Suche nach einem Ausbildungsplatz verstärkt auf landes- und bundesweite Kooperationen mit Handelskammern. Denn einerseits kennen viele Jugendliche nicht das Potenzial der hier ansässigen Ausbildungsbetriebe. Auf der anderen Seite wissen diese wiederum nicht um die motivierten jungen Brandschützer. „Die Suche nach Auszubildenden könnte sich hier gerade für viele Handwerksbetriebe einfacher gestalten. Denn in den hiesigen Jugendfeuerwehren sind viele technikbegeisterte, teamfähige und gut ausgebildete junge Leute vorhanden.“

Eine Problematik, die Ralf Siewert nur bestätigen kann. „Der Wechsel in die aktiven Erwachsenen-Gruppen gestaltet sich tatsächlich als schwierig. Wenn aus unseren Jugendwehren zum Ende der Schulzeit ein bis drei Mitglieder bei uns bleiben, sind wir schon zufrieden. Aber das ist sicher ein gesellschaftliches Problem, mit dem nicht nur wir zu kämpfen haben. Nur gegensteuern können wir vor Ort da kaum“, so der Gadebuscher Amtswehrführer. Dennoch sei die alljährliche Abwanderung zu verkraften, da der Amtsbereich Gadebusch über einen guten aktiven Bestand an Mitgliedern verfüge.

Keine Sorge indes bereitet dem 47-jährigen neuer Nachwuchs in den Jugendwehren. „All unsere Freiwilligen Feuerwehren verfügen auch über eine Jugendwehr. Im Amtsbereich Gadebusch sind auf diese Weise momentan 80 Jugendliche organisiert.“

In Nordwestmecklenburg weist die Statistik im Jahr 2014 insgesamt 3  692 Kameradinnen und Kameraden bei Freiwilligen Feuerwehren aus. Das ist ein Rückgang von 6790 Mitgliedern bei allerdings 378 mehr Einsätzen im Vergleich zum Vorjahr. In 81 Jugendwehren engagieren sich insgesamt 990 Mitglieder. Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 18 Jahren können hier Mitglied werden. Kinder ab sechs Jahren werden in Kinder-Feuerwehren an die Arbeit der Großen herangeführt.

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