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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

23. Oktober 2017 | 04:47 Uhr

Faust in Wismar : Premiere in der Kirche

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Sascha Gluth und Mario Ramos sind von heute Abend als Faust und Mephisto bei den Festspielen Wismar zu erleben

Die Proben haben ein Ende, das Schauspiel kann beginnen. In der Wismarer St. Georgenkirche stehen heute Abend 19.30 Uhr die Schauspieler um den ehemaligen Störtebeker-Star Sascha Gluth und Regisseur Holger Mahlich auf der Bühne und führen Goethes Klassiker „Faust I“ auf. Bis zum 24. Juli wird das Stück donnerstags, freitags und samstags gezeigt.

Der Bühnenaufbau ist das, was auch der normale Tageskirchentourist zuerst wahrnimmt. Er stammt aus der kreativen Feder von Bühnenbildner Falk von Wangelin.
Für die beeindruckende Optik sorgt „das Firmament“. Große Ballone hängen über der Bühne, wurden mit kaum sichtbaren Seilen im Kirchenschiff abgespannt. Metallfarben hat der größte einen Durchmesser von fünf Metern und wirkt ähnlich spektakulär wie das Rad der Jedermann-Inszenierung vom Vorjahr. Bühnentechniker Hans Peter Vogt setzt verschiedene Lichtfarben auf die Ballone. „Das entscheidende Element auf der Bühne ist der Faust, der inmitten von riesigen Bücherstapeln agiert“, beschreibt Falk von Wangelin das Bühnenbild. Die Bücher als Symbol des Wissens verschwinden im Laufe des Stücks immer mehr.

Ein schnelles Stück, das von den intensiven Bildern und dem Schauspiel lebt, die Schauspieler müssen den nicht einfachen Text Goethes überzeugend herüber bringen. Sascha Gluth: „Faust macht Spaß! Wir erzählen mit Vergnügen die Geschichte von einem, der mit einem übermenschlichen Maß alles auf der Erde haben wollte. Der Text ist durchaus schwer, vieles ist monologisch. Es muss uns gelingen, die Zuschauer mit den schönen Bildern in St. Georgen mitzureißen, trotz der schwierigen und gleichzeitig sehr schönen Sprache.“

Schon vor der Premiere waren Schüler aus der Region zur Generalprobe eingeladen. Sascha Gluth weiß noch, wie es war, als er selbst den Faust im Schulunterricht hatte. „Ich habe mich gefragt ,Hä?‘, auch wenn es deutsches Kulturgut ist. Nun habe ich ihn mit der Lebenserfahrung eines 45-Jährigen wieder gelesen und weiß, wieso es Kulturgut ist.“

Faust ist die berühmte Geschichte eines Menschen, der „vom Himmel die schönsten Sterne fordert, und von der Erde jede höchste Lust.“ Und der zur Durchsetzung seiner Interessen sogar mit dem Teufel paktiert.

Aus der Volksbuchtradition stammend, auf Jahrmärkten als Puppenspiel aufgeführt, hat dieser Stoff den jungen Goethe so fasziniert, dass er sein Leben lang daran gearbeitet hat. Die totale Umwälzung der Welt durch den modernen Menschen sah er bereits kritisch voraus und verlieh diesem Klassiker eine hochaktuelle Brisanz.

 

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