Werkstatt für Tierpräparation in Wismar : Präparator plant "Zoologie-Galerie"

<fettakgl>Schau mir in die Augen, Kleine! </fettakgl>Präparator Klaus-Dieter Jost mit einer Lachmöwe.
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Schau mir in die Augen, Kleine! Präparator Klaus-Dieter Jost mit einer Lachmöwe.

Klaus-Dieter Jost eröffnet in der Kreisstadt Wismar seine Werkstatt für Tierpräparation, Jagdtrophäen und Figurenbau. Er plant zudem eine „Zoologie-Galerie“ und will Präparate aus ganz Deutschland zeigen.

svz.de von
21. Januar 2013, 10:21 Uhr

Wismar | Klaus-Dieter Jost zieht die Gummihandschuhe an, bevor er die Haut des Marders aus der Spirituslösung holt. "Den Geruch bekommt man sonst so schnell nicht von den Fingern", lacht er. Kein Job für Zimperliche. Zum Geruch kommt der Anblick des Marderfells, aus dem langsam das Fleisch und die Fettschicht mit den Knochen ausgelöst werden. Wirklich nichts für schwache Mägen.

Der Marder bekommt ein neues "Inneres". Aus Polyurethanschaum beispielsweise schnitzt Klaus-Dieter Jost den Körper passgenau, befestigt die umwickelten Knochen der Extremitäten wieder an den Kunstkörper, um dann irgendwann das haltbar gemachte Fell aufzukleben. Tieranatomie gehört zur Ausbildung dazu, wissen, wo welcher Muskel verläuft, wie die Tiere sich bewegen, wie sie gucken. Um mit Feingefühl, gutem Handwerk und der nötigen Erfahrung die Tiere einerseits künstlich haltbar, andererseits natürlich zu gestalten. Ein Tierpräparat, sauber, anatomisch korrekt und ein bisschen lebendig. Beseelt von Klaus-Dieter Jost und seinen geschickten Händen als Präparator.

Der 56-Jährige hat schon viel gemacht in seiner beruflichen Laufbahn. Seit 1976 ist er Präparator, hat erst Polsterer gelernt und ist über seine Liebe zur Ornithologie und der Erwachsenenqualifizierung zu DDR-Zeiten zur Ausbildung gekommen, hat danach studiert und sogar seinen Ingenieur als Präpar¬tor gemacht. Ein aussterbender Beruf. "Der Beruf ist nicht geschützt, heute kann jeder so etwas machen", schüttelt er den Kopf. Bis zur Wende hat er in Museen gearbeitet, dann kam die Selbstständigkeit. Klaus-Dieter Jost hat Arbeiten bis nach Dänemark geliefert. In Museen in ganz Deutschland stehen seine Präparate, Modelle, Dioramen und Replikate. Für das Wismarer Museum hat er zum Beispiel eine Nachbildung des Schwedensteins gemacht.

Es gab Zeiten im heimatlichen Goldbeck bei Waren, da mussten Auftraggeber bis zu drei Jahre warten, bis ihre Tiere tiefgefroren an die Reihe und in die Werkstatt von Klaus-Dieter Jost kamen.

Der Neuanfang in Wismar fällt schwer. Aber der gebürtige Niederlausitzer sprüht vor Ideen. Mitte Februar will er seine "Zoologie-Galerie" in der Weberstraße 8 in der Wismarer Altstadt eröffnen. Jost will dort eigene Präparate, aber auch die von Kollegen aus ganz Deutschland zeigen. Dazu Kunst rund um die Natur und Tiere. Auch eigene wie seine dreidimensionalen Bilder aus Strandfundstücken. Dann können Interessierte einem Marder, Lachmöwen, einem jungen Habicht, Buntspechten oder sogar einen Hermelin in die Augen schauen.

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