Schaalsee : Positive Bilanz zum Jubiläum

Amtsleiter Klaus Jarmatz
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Amtsleiter Klaus Jarmatz

Interview mit Klaus Jarmatz, Leiter des Biosphärenreservatsamtes Schaalsee-Elbe, über die Einwicklung in den vergangenen 25 Jahren

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06. September 2015, 23:15 Uhr

Vor 25 Jahren begann die Entwicklung der Schaalseeregion zum heute anerkannten UNESCO-Biosphärenreservat. Der große Biosphäre-Schaalsee-Markt gestern am Pahlhuus und weitere Veranstaltungen stehen im Zeichen dieses Jubiläums. Seit einem viertel Jahrhundert ist Klaus Jarmatz Amtsleiter und hat damit gemeinsam mit seinem Team diese Entwicklung maßgeblich bestimmt. Dieter Hirschmann von der SVZ sprach mit ihm darüber.

Was bedeuten die vergangenen 25 Jahre für Sie persönlich.

Klaus Jarmatz: Zum einen konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, dass ich nach 25 Jahren immer noch hier diesen Job mache. Die Geschichte der Schaalseeregion, und das ist für mich wichtig, ist eine Erfolgsgeschichte. Unser Ausgangspunkt war damals eine Sperrgebietssituation, die gerade aufgehoben war und eine Region, die es nicht gab. In der öffentlichen Wahrnehmung gab es den Schaalsee nicht. Letztendlich ist es uns über das UNESCO-Biosphärenreservat gelungen, eine mecklenburger Schaalseeregion neu zu formieren. Also über den Naturschutz in Deutschland und in Europa eine Region zu schaffen, die es historisch vorher nicht gab mit einem mittlerweile relativ hohen Bekanntheitsgrad. Wenn Sie heute auf die Internetseiten der Städte Rehna, Gadebusch, Wittenburg und Zarrentin schauen, dann bezeichnen sie sich als Eingangstor zum Biosphärenreservat bzw. zur Schaalseeregion.

An welche Höhepunkte erinnern sie sich in Ihrer 25-jährigen Arbeit als Amtsleiter?

Da gehe ich zeitlich etwas zurück. Zum einen zum 12. September 1990, als dieses Gebiet in das Nationalparkprogramm der DDR aufgenommen wurde. Das war schon was. Naturschutz ist das Eine, aber diese Region braucht eine Entwicklung. Deshalb hatten wir damals relativ schnell eine Informationsausstellung auf der Stintenburg in der Baracke eröffnet. Dann ist es uns gelungen mehrere Fördermillionen von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt zu erhalten, um das Pahlhuus zu bauen. Im Jahre 1998 haben wir die Regionalmarke entwickelt. Aus einst fünf Partnerbetrieben hat sich bis heute ein qualitativ hochwertiges Netzwerk entwickelt. Die Beteiligung der Bevölkerung an diesem Projekt Biosphärenreservat war ganz wichtig. Es gab die Roggendorfer Ideenbörse und den Job-Motor Biosphäre, aus dem sich nach Informationen der Agentur für Arbeit mehr als 50 Existenzen gebildet haben, bis hin zu mittelständischen Betrieben wie die Gläserne Molkerei in Dechow. Und dann kam die UNESCO-Anerkennung. Danach fuhren wir über Jahre die „Regionale Agenda 21“ mit 14 Arbeitsgruppen. Daraus haben sich die Leitbilder entwickelt.

Und was war die schwärzeste Zeit als Amtsleiter?

Als gestandener Leiter eines Großschutzgebietes weiß man, dass die Entwicklung nicht gleichmäßig verläuft. Und es gab Zeiten, in denen man sich fragt, was haben wir falsch gemacht. Solche Momente gab es. Naturschutz ist nicht unumstritten. Es gab also Phasen, in den 90-er-Jahren, mit dem sogenannten Live-Projekt, der Wiedervernässung der Neuenkirchener Rinne. Da bekamen wir unerwarteten Widerstand, und wir wussten nicht, wo der sachliche Hintergrund liegt. Und wenn die Fronten verhärtet sind, ist es schwierig eine sachliche Ebene zu finden. An diesen Punkten waren wir zwei Mal. Einmal beim Live-Projekt und dann zwischen den Jahren 2009 und 2011 bei der Debatte über die Wander- und Radwege.

Ist es so, dass sich die öffentliche Wahrnehmung des Amtes im Laufe der Jahre verändert hat?

Es gibt Ergebnisse über die Meinungsforschung, die besagen, dass 80 Prozent der Befragten für das Biosphärenreservat stimmen würden. Selbst auf die Frage, ob Naturschutz hier mit dem rechten Augenmaß passiert, antworteten 64 Prozent der Befragten, dass das hier mit dem richtigen Augenmaß passiert. 14 Prozent meinen, dass es hier zu wenig Naturschutz gibt und zwölf Prozent meinten, es gäbe einen überzogenen Naturschutz.

Auf welche Unterstützung würden Sie nicht verzichten wollen?

Auf die Zusammenarbeit mir den Landkreisen und Kommunen, auf den Förderverein und die Stiftung. Und dann sind da natürlich die rund 100 Netzwerk-Partner, die sich mit dem Biosphärenreservat identifizieren. Uns ist die Zusammenarbeit mit Unternehmen sehr wichtig. Rund 80 Millionen Euro wurden insgesamt seit 1990 hier in unsere Region investiert.

Im Jahre 2009 bekam das Amt den Naturpark Flusslandschaft Elbe hinzu. Wie ist der Stand?

Wir mussten unsere Ressourcen hier im Amt teilen und viel Kraft in die Region Elbe stecken. Jetzt bereiten wir die Evaluierung des Biosphärenreservates Flusslandschaft Elbe vor, die im März 2016 beginnt.

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