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Erika Koal feiert ihren 75. Geburtstag : Poeler Wetterfee fast 50 Jahren im Dienst

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Die Poeler Wetterfee Erika Koalseit feierte am vergangenen Sonntag ihren 75. Geburtstag. Die Wetterbeobachterin ist jetzt fast 50 Jahre im Dienst. Sie kann aber nicht ganz ablassen und hat weiterhin die Nase im Wind.

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erstellt am 24.Apr.2012 | 11:05 Uhr

Kirchdorf/Poel | Gäste, Grüsse, Gratulanten waren am vergangenen Sonntag im Hause vom Erika Koal in der Kirchdorfer Schulstraße angesagt. Nicht nur ihre Angehörigen gratulierten ihr. Auch Freunde, Bekannte, Vertreter der Gemeinde und vom Deutschen Wetterdienst gehörten zu den Gratulanten. "Ja, ich darf heute ein besonderes Jubiläum feiern, leider, die Zahl 75 ist ganz schrecklich", meinte die Jubilarin. Doch ihre Stimme klang gut aufgelegt, denn es war allgemeine Feierlaune zu bemerken. Zumindest verriet dies ein aufgeregtes Stimmengewirr alter und junger Gäste im Hintergrund. "Wichtig ist aber, dass es einem weiterhin gut geht und dass man fröhlich und lustig bleibt". so die Poelerin. Deshalb kann es fürs Gemüt nicht schaden, sich ruhig mal jüngere Fotos anschauen findet sie, wenn sie sich an etliche Berichte und Reportagen über sie erinnert. Sie selbst machte in all den Jahren kein Aufheben über ihre Arbeit als Wetterbeobachterin.

Bewegt hat die engagierte Frau dennoch so manches zum Allgemeinwohl. Und das sind immerhin 47 ehrenamtliche Dienstjahre, die für eine kontinuierliche Wetterbeobachtung im wahrsten Sinne des Wortes zu Buche stehen. Dies ist ganz zweifellos ein beachtlicher Zeitraum zugunsten der Gesamtheit der Poeler Wetterstation. Denn von dort aus gelangen jetzt seit 160 Jahren die Daten in das Gesamtnetz des zum Meteorologischen Dienstes. Damit gehört die Klimastation Kirchdorf, seit Bestehen im Jahre 1852 nach der in Schwerin zur zweitältesten Einrichtung in Mecklenburg. Jahrzehntelang hatte Erika Koal täglich dreimal und stets zur selben, festgelegten Zeit, das Treppchen erstiegen und die Wetterstation an dem stets schattenfreien Platz in ihrem Garten geöffnet. Zu notieren und anschließend weiterzugeben waren die Daten von Luftdruck- und Feuchtigkeit, sowie Temperatur und Windrichtung. Auch der Regenmesser war ständig zu kontrollieren. Jedes Mal folgte der abschließende, prüfende Blick zum Himmel, um bestimmte Wettererscheinungen, sowie Bedeckungsgrad und Art der Bewölkung zu beschreiben. Das tat sie seit dem 1. Oktober 1965. Damals gab ihr 85-jähriger Großvater, Hans Schild, Lehrer im Ruhestand, das Ehrenamt an sie weiter. Erster Wetterbeobachter im Jahre 1852 war übrigens Pastor Hempel. Die Nachfolge übten unter anderen aus: Pastor Witte, Organist Büsch und der Postagent Schröder.

Das stete Wirken der "Poeler Wetterfee" blieb indessen nicht unbemerkt. Am 25. September würdigten leitende Meteorologen aus Potsdam und Offenbach mit einem feierlichen Empfang im Kirchdorfer Gemeindehaus das Wirken der "Poeler Wetterfee" anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Poeler Klimastation. Am 20. Januar 2006 erhielt sie für ihr unermüdliches Ehrenamt in der Schweriner Staatskanzlei aus den Händen des damaligen Ministerpräsidenten, Harald Ringstorff die Verdienstmedaille des Verdienstordens der BRD. Gebraucht werde sie jetzt zwar auch noch, aber dies habe sich quasi auf dass Messen der Schneehöhe reduziert. Bereits seit einigen Jahren wurde die klassische Messtechnik, die Jahrzehntelang ihren Garten zierte, mehr und mehr demontiert und durch vollelektronische Datenerfassungsanlagen ersetzt, die selbsttätig allen notwendigen Angaben über den ganzen Tag verteilt, direkt zum Deutschen Wetterdienst senden.

Aber ganz ablassen kann sie noch immer nicht und hat weiterhin täglich die Nase im Wind. "Wichtig ist, dass man immer noch was Sinnvolles bewegen kann", so die lebenslustige und engagierte Frau.

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