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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

26. September 2017 | 02:21 Uhr

Gadebusch/Rehna : Plakataktion sorgt für Wirbel

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

„Gemeinsam gegen den Wind“ weitet Protest aus. SPD: Jeder Mist darf plakatiert werden

von
erstellt am 07.Sep.2017 | 05:00 Uhr

Sie stehen nicht auf den Stimmzetteln, machen aber trotzdem Wahlkampf. Die Rede ist von den Mitgliedern der Interessengemeinschaft „Gemeinsam gegen den Wind“. Hunderte DIN A1-Plakate ließen sie drucken. Hinzu kommen großflächige Aufsteller, die zwischen Gadebusch und Rehna zu sehen sind. Die Botschaft der Interessengemeinschaft lautet: „Jedem Touristen ein Windrad, danke SPD.“

Mit der Plakataktion will die Interessengemeinschaft ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck bringen. So verfolgt Silke Hansen von der Interessengemeinschaft dieses Ziel: „Die festgefahrenen Strukturen unserer Landesregierung aufzubrechen, um endlich eine vernünftige und zukunftsorientierte Energiepolitik zu schaffen.“ Für IG-Mitglied Elli Brusch geht es darum, „die Zerstörung unserer Heimat zu verhindern und die Geschichte der ,Schlacht bei Wakenstädt 1712‘ für unser Nachfeld zu erhalten.“ Sie und weitere IG-Mitglieder befürchten, dass im Bereich bzw. in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Schlachtfeldes sich in Zukunft die Flügel mehrerer Windkraftranlagen drehen könnten.

Der SPD dürften diese Plakate ein Dorn im Auge sein. Denn sie steckt mitten im Bundestags-Wahlkampf und setzt in dieser Region auf die Direktkandidatin Martina Tegtmeier. Auch ihr ist die Plakataktion nicht entgangen. Die SPD-Frau meint dazu: „Es ist in der Bundesrepublik Deutschland von der Meinungsfreiheit gedeckt, auch den größten Mist, auch ohne Wahrheitsgehalt, zu plakatieren und mehr oder weniger offen Wahlkampf für nicht verbotene Parteien zu machen.“ Damit könnte sie die Alternative für Deutschland meinen, deren Landesvorsitzender Leif-Erik Holm bereits bei der Interessengemeinschaft vor Ort gewesen ist.

Gesetzt den Fall, dass – wie von der IG propagiert – für jeden Touristen ein Windrad errichtet würde, müssten im Urlaubsland MV irgendwann sieben Millionen solcher Anlagen stehen. Denn mehr als sieben Millionen Gästeankünfte zählte der Tourismusverband im vergangenen Jahr in MV. Zum Vergleich: Bundesweit gab es Ende 2016 insgesamt 27 270 Windenergieanlagen an Land, davon 1837 angeschlossene Anlagen in MV (Stand 30. Juni 2017). Hinzu kommen 947 Anlagen vor den Küsten Deutschlands, davon 102 in der Ostsee vor MV. Diese Zahlen stammen vom Bundesverband WindEnergie und dem Schweriner Enegieministerium.

Rechtlich können die Gegner der Plakataktion kaum etwas unternehmen. Denn die IG positionierte die großflächigen Aufsteller auf Privatgrundstücken an viel befahrenen Bundesstraßen oder Kreuzungen. Und in Gemeinden des Amtsbereiches Gadebusch wurde das Anbringen dieser DIN A1-Plakate an Straßenlaternen amtlich genehmigt.

Die Zahl der Plakate könnte sich in den nächsten Tagen noch erhöhen. Denn einige private Grundstückbesitzer hätten sich bereits bei der Interessengemeinschaft gemeldet und wollen ebenfalls einige dieser Exemplare haben – und diese über den Wahlsonntag am 24. September hinaus aus Protest hängen lassen. 

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