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Karneval im Norden : Piraten, Polonaise und Kanzler-Parade

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Auf unterschiedliche Art feierte der Nordwestkreis gestern den Rosenmontag

svz.de von
erstellt am 16.Feb.2015 | 23:26 Uhr

Leckere Berliner, lange Polonaisen von Piraten, Hexen und Clowns und eine auf die Schippe genommene Kanzlerin durften gestern zum Faschingsauftakt in unserer Region nicht fehlen.

In Schlagsdorf wurde die Sporthalle der Grundschule zum Spieleparadies für die 100 kostümierten Kinder. „Fasching gehört für unsere Schule zur Tradition“, sagt Lehrerin Susann Bannow. Statt Mathe und Deutsch, standen gestern Bogenschießen, Hüpfburg erklimmen und Heiraten auf dem Plan. „Seit Jahren können sich die Kinder auf unserem Faschingsfest vermählen – mit Plastikringen und zertifizierter Fasching-Hochzeitsurkunde“, erklärt Lehrer Manfred Stanko, der als Indianer verkleidete Standesbeamte.

Als Rapperin verkleidet, nutzte die zehnjährige Frieda die Gelegenheit, im neongrün geschmückten Trauraum ihrer besten Freundin, Zigeunerin Greta, das „Ja-Wort“ zu geben. „Die Kinder wissen, dass das natürlich nicht echt ist, aber es macht ihnen so viel Spaß“, sagt Stanko und überreicht dem „Ehepaar Götze von Müller“, so nennen sich die Freundinnen, orangene Plastikringe und den himmelblauen „Trauschein“.

Als erste „Ehehandlung“ stürmten die beiden anschließend das Waffel-Buffet. Eltern unterstützten die Schule bei ihrer Veranstaltung und ließen die Waffeleisen glühen. Das Gadebuscher Spielmobil vom Kinder und Jugendfreizeit e.V. organisierte für die Erst- bis Viertklässler eine Hüpfburg sowie eine Mal- und Bastelstation.

An der brannten die Schüler Blumenmuster in kleine Holzkisten. „Die verwende ich dann für meine Mal-Sachen“, erzählt Aurelia Jabs in ihrem feuerroten Flamenco-Kostüm. Das habe sie sich mit ihren Eltern im Internet ausgesucht. Bei den Jungs waren besonders Cowboy-und Piraten-Verkleidungen angesagt. „Pi-Pa-Po-Piraten ist auch unser Motto in diesem Jahr“, erklärt Susann Bannow.

Ebenso klamaukig wurde der Rosenmontag auch in der Volkssolidarität Gadebusch begangen. „Liebe Narren – heute darf ich euch ja so nennen“, begrüßte Marianne Hußfeldt Gäste und Bewohner in der Begegnungsstätte. Regenbogenfarbene Hawaii-Kettchen, Partyhüte oder Voll-Kostüme im Stil der 60er und 70er Jahre – die Volkssolidarität setzte auf bunt. Nicht nur das sorgte bei den 50 Gästen für Lacher, denn „Stimmung, Gags und gute Laune“ verbreitete auch das Schweriner Duo Mafu und Gogo mit seinem gleichnamigen Programm.

Dass Fasching nicht laut und knallig sein muss, darauf setzte der Kultur- und Sportverein Kneese. „Wir treffen uns einmal im Monat und jetzt haben wir den Rosenmontag genutzt, um gemütlich beisammen zu sein“, sagt Liane Kleinfeldt, die den Rentner-Treff im Dorfgemeinschaftshaus organisiert. Dafür sponserte der Kultur- und Sportverein mit Marmelade gefüllte Berliner, denn die dürften zum Fasching ja nicht fehlen, wie Annelie Reich vom Kneeser Verein meint.

„Das bunte Treiben schau ich mir sonst im Fernsehen an, das reicht ja“, sagt Heinz Strathmann, der aber selbst nicht ganz auf Verkleidung verzichten mag und mit Hansa-Schal und -Mütze geschmückt, den Rosenmontag zum Plaudern mit Freunden nutzte. Heiß diskutiert: Wie Politiker in der Narrenzeit auf die Schippe genommen werden. „Ich bin auch mit vielem nicht einverstanden, aber wie dann schlecht über die Politiker geredet wird und sie durch den Kakao gezogen werden, finde ich nicht in Ordnung“, beschwert sich eine Dame aus der Kaffee-Runde.

Gegen Parodien jedoch habe sie nichts und verwies auf den wohl kleinsten Rosenmontag-Umzug Norddeutschlands. Dass Ernst Schönherr die Kanzlerin und den griechischen Präsidenten mit seinem Pappmaché-Wagen auf die Schippe nehme, sei bis nach Kneese gedrungen. Ganz soweit hat es der 76-jährige Bestenrader mit seinem Faschingsumzug gestern aber nicht geschafft: Seine Parade führte ihn, Politikerin „Angi“ und den griechischen Regierungschef von Bestenrade ins ein Kilometer entfernte Demern.

Wenn schon nicht der knallgelbe Wagen mit der Merkel-Figur die Anwohner zum Staunen brachte, dann wurden sie spätestens durch den tosenden Lärm der Tröte vom Ein-Mann-Zug Schönherrs aufmerksam. Es dauerte nicht lange, bis Autos langsam neben Schönherr und seiner Kavallerie vorbei schlichen, die Fenster runter kurbelten und den einzigartigen nordwestmecklenburgischen Solo-Umzug bestaunten.

Zehn Tage habe Ernst Schönherr für den Bau seiner Umzugswagen samt Figuren gebraucht, mit denen er den Schuldenstreit um Griechenland parodiert.

Neckischer Humor gehöre eben auch im Norden der Republik zum Faschings-Repertoire, genau so wie Kostüme, Leckereien und gute Stimmung.  

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