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Spielzeit droht ins Wasser zu fallen : Piraten auf dem Rückzug

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Die diesjährige Spielzeit des Grevesmühlener Piraten Open Air Theaters ist gefährdet: Die Adventure Production Grevesmühlen GmbH zog ihr Angebot zur Übernahme des insolventen Piratentheaters überraschend zurück.

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erstellt am 16.Feb.2012 | 06:48 Uhr

Grevesmühlen | Gerade erst haben die Piraten einen vermeintlich sicheren Kurs eingeschlagen, da stecken sie schon wieder in schwerer See: Die Adventure Production Grevesmühlen GmbH unter Leitung von Matthias Sievert hat ihr Angebot zur Übernahme des insolventen Piraten Open Air überraschend zurückgezogen. Erst Ende Januar hatte die Stadtvertretung in einer Sondersitzung mehrheitlich für das Konzept Sieverts gestimmt. Nun ist rund um die Zukunft der Grevesmühlener Freibeuter alles wieder offen - und auch die diesjährige Spielzeit ungewiss.

"Wir haben unser Angebot zurückziehen müssen", erklärte gestern Intendant Peter Venzmer, der zur Gruppe um Matthias Sievert gehört. Sievert selbst war für ein Gespräch nicht zu erreichen. Als Hintergrund der Entscheidung nennt Venzmer eine Auflage im neuen Pachtvertrag, die eine Einigung zwischen Betreibern und Anwohnern voraussetzt - die Konsequenz eines seit Jahren schwelenden Rechtsstreites, in dem die Anwohner den Theater-Machern unter anderem Lärmbelästigung vorwerfen.

"Diese Einigung war nicht zu erzielen. Die Anwohner haben Gespräche abgelehnt und keine Bereitschaft signalisiert, dass sich etwas bewegen lässt.", so Venzmer. Zugleich seien sie mit Blick auf die diesjährige Spielzeit gezwungen, in die konkrete Planung und Organisation zu gehen. "Natürlich kann man mit dem Abschließen von Verträgen oder der Werbung auch 14 Tage später beginnen. Aber das geht alles zu Lasten der Wirtschaftlichkeit." Sie seien bei Einreichen ihres Angebotes davon ausgegangen, dass es bezüglich der Nachbarn die Möglichkeit gebe, "wie vorher" weiter zu arbeiten. "Bisher gab es die Vereinbarung, dass wir bis zu einer bestimmten Lautstärkegrenze bis 22 Uhr spielen dürfen. Wenn man darauf zurückkommt, ist das Problem einfach zu lösen", erklärt Venzmer. Er zeichnet ein düsteres Bild, falls die Spielzeit, die am 22. Juni beginnen soll, in diesem Jahr gestrichen werden muss: "Alleine aus finanziellen Gründen wäre das vermutlich das Aus für das Piratentheater." Die Anwohner lassen sich von einem Grevesmüh lener Rechtsanwalt vertreten. Er war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. "Das läuft alles über unseren Anwalt, deshalb kann ich dazu nichts sagen", teilte ein Anlieger mit.

"Die Situation ist sehr ernst. Die Zeit rinnt uns durch die Finger", sagt der Grevesmühlener Bürgermeister Jürgen Ditz. Er hofft, dass die Tür noch nicht ganz zugeschlagen sei. "Matthias Sievert hat trotz der Rücknahme seines Angebotes deutlich gemacht, dass er offen ist für weitere Gespräche", so Ditz.

Der Bürgermeister will die Hoffnung auf eine Lösung für das Piratentheater, nach mehreren Gesprächen mit den Anwohnern, bei denen unter anderem auch ein Mediator zugegen war, noch nicht aufgeben. "Grundsätzlich ist dieses Problem lösbar. Ich kann aber nicht beurteilen, wie verhärtet die Fronten sind", sagt Ditz. Er macht zugleich deutlich, dass es ohne die Einigung mit den Anwohnern schwierig werden wird, Pläne umzusetzen. "Ich gehe nicht davon aus, dass die Stadtvertreter von dieser Auflage abrücken." Er rechnet damit, am kommenden Montag weitere Informationen vom Anwalt der Anwohner zu bekommen. Am Montagabend werden sich auch die Stadtvertreter in ihrer Sitzung mit den Piraten befassen. "Wir müssen uns positionieren und überlegen, wie es weitergeht. Falls es keine Einigung gibt, müssen wir die Nutzung nochmal ausschreiben. Dann ist alles wieder offen", so Ditz.

Eine Situation, in der auch die Gruppe um Alfons Kujat wieder ins Rennen kommen könnte. Sie hatte sich ebenfalls für den Betrieb des Theaters interessiert, wegen fehlender verbindlicher Zusagen von Geldgebern jedoch kein Angebot abgegeben. "Wir sondieren jetzt", erklärt Frank Markwardt, der zur Gruppe um Kujat gehört. "Wir werden Kontakt mit den Anwohnern aufnehmen. Wir wollen sehen, welche Hinderungsgründe es für die Einigung gibt und ob es mit uns möglich wäre, diese Einigung herbei zu führen."

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