Gemeinden im Nordwestkreis : Pilotprojekt für Jugendarbeit

Will die Jugend mobil erreichen: Sozialarbeiterin Laura Baier (Mitte) mit Bereichsleiter NWM Andre Betina und Astrid Brumme, Regionalleitung IB NWM.
Will die Jugend mobil erreichen: Sozialarbeiterin Laura Baier (Mitte) mit Bereichsleiter NWM Andre Betina und Astrid Brumme, Regionalleitung IB NWM.

Lüdersdorf, Schönberg und Selmsdorf machen gemeinsame Sache und koordinieren Straßen- und Sozialarbeit.

svz.de von
07. März 2018, 21:00 Uhr

Gruppenbildung, Abschottung, gesellschaftlich nicht integriert – um einer derart dunklen Prognose für „ihre“ Jugendlichen entgegen zu wirken, haben die Gemeinden Lüdersdorf und Selmsdorf sowie die Stadt Schönberg das gemeinsame Projekt „Mobile Jugendarbeit in den Gemeinden Selmsdorf, Lüdersdorf und der Stadt Schönberg“ ins Leben gerufen, dass die Jugend dort abholt, wo man sie trifft: draußen.

Mit dem Aufstellen zweier „Streetworker“ – Sozialarbeiter, die sich speziell um jene kümmern, die nicht in Einrichtungen, sondern auf der Straße anzutreffen sind – setzen die drei Gemeinden einen Standpunkt. „Wir wollen diejenigen erreichen, die nicht in Jugendclubs gehen“, fasst Beate Dellin des Fachdienstes Jugend vom Landkreis Nordwestmecklenburg die Grundidee zusammen. Sie richtet sich speziell an Kinder und Jugendliche, die sich noch in keinem Verein wiedergefunden haben. Viele Heranwachsende engagierten sich in der Jugendfeuerwehr oder Fußballvereinen, aber längst nicht alle. Häufig träfen sich Jugendliche zwar, wüssten aber nicht wohin mit sich. Genau hier sollen die Streetworker ansetzen. „Sie fahren zu den Treffpunkten der Jugendlichen, sprechen sie an und stellten so den ersten Kontakt her“, erklärt Beate Dellin. Dabei wird auch eng mit schon bestehenden Jugendclubs kooperiert – so zumindest die Planung. Denn das Projekt läuft erst seit knapp vier Wochen. „Wir haben hier etwas Einzigartiges geschaffen, ein Modellprojekt: Wir sind daran interessiert, es zu verfeinern.“

Entstanden ist das Projekt laut des Bürgermeisters von Selmsdorf, Marcus Kreft, „aus der Not heraus“. Da die Jugendarbeit in der Gemeinde zum Erliegen kam, begannen Gespräche der Bürgermeister der drei Orte zu dem Thema. „Wir haben über eine Stelle nachgedacht, die wir uns teilen. Jetzt sind es zwei“, freut sich der Bürgermeister. Bei der Gemeinde Lüdersdorf herrsche laut Bürgermeister Dr. Erhard Huzel zwar keine Not, „wir greifen die Idee aber gerne auf, wenn sich dadurch ein Mehrwert für unsere Gemeinde ergeben kann“. Auch Schönbergs Bürgermeister, Lutz Götze, sieht mit dem Einsatz der Streetworker die Chance, vor allem Kinder ab 13 Jahre anzusprechen und zum Beispiel zu Vereinen zu lotsen. Eine der Stellen ist bereits besetzt. Die 24-jährige Sozialarbeiterin Laura Baier trat den Dienst bereits an, ein zweiter Kollege wird derzeit noch gesucht. Man wolle die Stelle jemandem geben, der ambitioniert sei, aber auch wisse, worauf er sich einlässt, so der Grundtenor. So sollten Bewerber einen pädagogischen Hintergrund vorweisen können.

An dieses langfristige Projekt ist die Hoffnung auf Besserung gebunden. „Wir sollten die Erwartungshaltung aber nicht zu hoch ansetzen“, mahnt Beate Dellin. Gefragt werden müsse: „Was erwarten die, die wir noch nicht erreicht haben. Das ist für uns alle eine Herausforderung.“

Das Projekt ist für drei Jahre angesetzt, soll sich bei Erfolg aber langfristig etablieren. Träger ist der Internationale Bund (IB) Westmecklenburg, der 290 000 Euro investiert.

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