14 Millionen Euro für Landesmuseum MV in Wismar reichen wohl nicht : Phantechnikum wird teurer und später fertig

In der Lufthalle sollen mal große und kleine Flugzeuge stehen. Noch karrt ein Bagger Erde raus.
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In der Lufthalle sollen mal große und kleine Flugzeuge stehen. Noch karrt ein Bagger Erde raus.

Es soll eine Technikschau zum Anfassen werden. Ein Museum, das Wissenschaft und Erlebnis verbindet. Doch beim Phantechnikum läuft nicht alles nach Plan. Es wird später fertig als gedacht und mehr kosten als geplant.

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29. September 2011, 07:31 Uhr

Wismar | Es soll eine Technikschau zum Anfassen werden. Ein Museum, das Wissenschaft und Erlebnis verbindet. Doch beim Phantechnikum in Wismar läuft längst nicht alles nach Plan. Das Museum wird später fertig als gedacht und mehr kosten als geplant. Es gibt aber auch gute Neuigkeiten: "Die große Lufthalle ist fast fertig", sagt der technische Leiter, Norman Poschwatta.

Noch karrt ein Bagger Erde aus der Halle, das alte Mauerwerk guckt an einigen Stellen durch den Putz. In zwei Wochen sei das geschafft, sagt Poschwatta. Hier sollen mal große und kleine Flugzeuge stehen. Die Fokker DR I zum Beispiel. Mit dem Jagdflugzeug rasten die Piloten im Ersten Weltkrieg durch den Himmel. Gebaut wurde sie in Schwerin und findet deshalb einen Platz in der Ausstellung. Das Phantechnikum greift die vier Elemente Luft, Wasser, Erde und Feuer auf. In diese vier Bereiche gliedert sich später die Ausstellung.

Das Technische Landesmuseum MV will auf 4000 Quadratmetern Erfinder und Erfindungen aus Mecklenburg-Vorpommern zeigen. Im Mai 2009 begannen die Arbeiten an der alten Kaserne in Wismar. Die Hansestadt ist gemeinsam mit dem Verein Technisches Landesmuseum Trägerin des Projektes und holte die Ausstellung von Schwerin nach Wismar.

20 Jahre hatte der Backsteinbau bereits leergestanden. An einigen Stellen wachsen Birken aus der Dachrinne. Ein Teil der Gebäude wurde abgerissen. Die anderen komplett entkernt. "Es gab viele kleine Räume", erklärt Norman Poschwatta. "Das wurde alles rausgebrochen." Aus Schreibstuben wurden große Räume. Die tragenden Wände werden durch Betonrahmen ersetzt. Es sind aufwändige Umbauarbeiten an dem geschichtsträchtigen Gebäude.

Die alte Bausubstanz war schlechter als erwartet und immer wieder musste nachgebessert werden. Die Lufthalle brauchte verstärkte Fundamente. 600 000 Euro zahlte die Hansestadt dafür - zusätzlich. Über 14 Millionen Euro sollte das Projekt kosten. Diese Summe, so viel scheint klar, wird nicht mehr reichen.

In diesem Jahr das nächste Problem: Über einem Teil des Gebäudes thront eine Betonglocke, die mit Bewährungsstahl verstärkt ist. Diese extra stabile Decke diente als Splitterschutz. "Die Glocke ist so schwer, dass sie die Wände des Gebäudes nach außen drückt", sagt der technische Leiter. Eine spezielle Stützkonstruktion verhindert nun, dass die Kaserne wie ein Kartenhaus zusammenfällt.

Fehler bei den statischen Berechnungen gefährdeten die Standsicherheit des Hauses. Nun muss wieder teuer nachgebessert werden. Rund 919 000 Euro zusätzlich soll das kosten. Wismar trägt davon den Löwenanteil: mehr als 860 000 Euro. In der Bürgerschaft mehren sich die kritischen Stimmen. Der Streit zwischen Architekt, Statiker und der Stadt, wer sich verrechnet hat, ist noch nicht abgeschlossen.

Nicht nur beim Geld wird es knapp. Auch der Eröffnungstermin wurde bereits mehrfach verschoben. Der erste Bauabschnitt sollte 2010 eröffnet werden. Vor kurzem hieß es Juni 2012. Nun wird es wohl Oktober 2012.

Damit nicht genug: Anfang des Jahres brachen Diebe in ein Depot des Landesmuseums ein. Sie ließen alte Schweißgeräte mitgehen. Sie sollten im Ausstellungsteil Feuer zu sehen sein. Einige Exponate tauchten kurze Zeit später auf einem Schrottplatz wieder auf. Die Langfinger hatten es auf das Buntmetall abgesehen. Wertvolle Öllampen aus dem 19. Jahrhundert aber bleiben verschollen.

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