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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

23. November 2017 | 01:15 Uhr

Petrijünger trotzen jedem Wetter

vom

svz.de von
erstellt am 17.Apr.2012 | 07:20 Uhr

Wismar | Langweilig ist es derzeit nicht, den Sportanglern zuzuschauen. Denn manchmal dauert es nur Minuten, bis wieder etwas am Angelhaken zappelt. Und so füllt sich manche Pütz mit Hering relativ schnell, zum Beispiel an den Kaikanten des Westhafens.

Während an Rügens Küste und im Greifswalder Bodden die Heringssaison endet, scheint sich das "Silber des Meeres" in der Wismarbucht noch ausgiebig zu tummeln und zeigt sich sogar in den Hafenbecken der Hansestadt. "Na klar, wir müssen ja auch noch welche abkriegen", heißt es aus der Masse der regenkapuzenbedeckten Angler-Köpfe. Das Jagdfieber scheint hartgesottene Petrijünger gegen Kälte, Sturm und Regen absolut immun zu machen, allerdings nur Dank wetterfester Kleidung. Zu denen darf sich ganz sicher Peter Cieslak zählen. Extra aus Sternberg angereist, will der fast 70-jährige Petrijünger mindestens noch einen halben Tag am Westhafen verbringen. "Schon wegen der Benzinkosten", so sein Argument. Der Erfolg scheint ihn zu inspirieren. Denn der Boden seines Plastik-Eimers ist nach kurzer Zeit schon mehr als gut bedeckt. Ob es ein Geheimnis sei, welchen Köder er verwendet, so die Frage an ihn. "Absolut nicht, das ist ein Heringspaternoster, da hängen mit etwas Glück gleich mehrere Fische dran." Braten und sauer einlegen, darauf schwört der Ruheständler, der schon gut 40 Jahre diesem Freizeitausgleich frönt, wo es meist um viel Zeit, Geduld aber auch um erholsame Entspannung geht.

"Ich bin schon seit 1962 dabei", wirft der Nebenmann ein, ebenfalls im Ruhestand. Angeblich soll beim Angeln nicht viel erzählt werden, das lenke ab, im richtigen Moment den Haken zu ziehen, heißt es. Doch in diesem Fall scheint es anders. Denn von den kleinen Heringen, die nicht wirklich als Trophäe angesehen werden, wendet sich das Gespräch dem Thema Anglerglück zu, nicht zu verwechseln mit "Anglerlatein". Da hat wieder Peter Cieslak das Wort. Am liebsten gehe er auf Hecht oder superdicke Karpfen. Und kommt er gar auf die Dorschangelei in der Wismarbucht zu sprechen, fangen seine Augen richtig an zu glänzen. Denn im Jahre 2000 galt er als Dorsch-Angelkönig der ganzen Küstenregion. Doch keine Behauptung ohne Beweise, denn sonst wäre es ja wieder besagtes Latein.

So dauert es etwas, bis er alle Reißverschlüsse und Knöpfe seiner wärmenden Dreifachkleidung geöffnet hat. Endlich gelangte er an all seine mitzuführenden Dokumente in der hintersten Brusttasche. Zwischen Angelerlaubnis und Fischereischein zieht er einige Bilder und einen oft gelesenen Zeitungsabschnitt hervor. Und dort steht es in einer Ausgabe vom 15./16. Januar von 2000 noch immer schwarz auf weiß: "25 Pfund schweren Dorsch gefangen" mit der Unterzeile: "Vor Rerik ging der Karvenzer an den Haken."

"Eigentlich ist Angeln für mich Erholung, doch so wie damals, kann daraus richtig Stress werden", erinnert er sich noch gut. Denn hängt schon mal so ein kapitaler Bursche am Haken, will man die Jagdtrophäe nicht wieder verlieren. Sein damaliger Köder war übrigens ein 100 Gramm schwerer Pilker in exo tischen Farben, dem der Riesendorsch offensichtlich nicht widerstehen konnte. Für den Anglersenior soll dieser Freizeitausgleich weiterhin ein gesundes Hobby an frischer Luft bleiben, um sich so weiter fit halten zu können. Das Wetter war für ihn noch nie ein Thema. Schon deshalb nicht, weil er früher als Mitarbeiter der Schweriner Wasserwirtschaft an der frischen Luft mit Seen, Teichen und deren Wehre zu tun hatte.

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