Kreisverwaltung Wismar : Parkplatz vor Kostenexplosion?

Landrätin Kerstin Weiss diskutiert die Parkplatzvarianten im Bauausschuss.
Landrätin Kerstin Weiss diskutiert die Parkplatzvarianten im Bauausschuss.

Statt der geforderten Sparvariante kommt jetzt gleich ein millionenschwerer Neubau am Verwaltungssitz in Wismar ins Gespräch

svz.de von
03. September 2015, 08:00 Uhr

Klotzen statt kleckern: 1,2 Millionen statt 500  000 Euro könnte der Parkplatzneubau für den künftigen Sitz der Kreisverwaltung in Wismar nun kosten. Dies wurde im Rahmen der gestrigen Sitzung des Ausschusses für Bau und Liegenschaften des Kreistages bekannt.

„Der Auftrag der Landrätin lautete, Varianten mit Baukosten von maximal 500  000 Euro Baukosten durch ein Planungsbüro erarbeiten zu lassen. Dieses Ziel haben wir nicht ganz erreicht“, sagte Burghard Bohm als zuständiger Fachdienstleiter Bau und Liegenschaften beim Landkreis. 606  000 Euro brutto reine Baukosten müssten für die Minimalvariante des Parkplatzneubaus an der Rostocker Straße mit 85 statt der geforderten 82 Pkw-Stellplätze aufgerufen werden. Eine zweite Variante mit 97 Stellplätzen würde den klammen Kreishaushalt mit 635000 Euro belasten. Satte 1,2 Millionen Euro sogar würde eine Großvariante mit der Nutzung der circa 3600 Quadratmeter großen Komplettfläche mit 174 Stellplätzen verschlingen. Plus Planungskosten, plus Schrankenanlagen. Summa summarum geschätzte 1,5 Millionen Euro.

Mehr Kosten, als ursprünglich geplant. Wesentlich mehr auch, als die von Kerstin Weiss im November vergangenen Jahres angekündigte Sparvariante von 500  000 Euro. Einsparen wollte die Landrätin hier vor allem an der angeblich nicht notwendigen Versiegelung der Fläche. Ein Fehler, wie sich herausstellte und den sie gestern erstmals öffentlich eingestand. „Das war eine Fehlinformation aus meinem Haus“, so die Verwaltungschefin. Eine klassische Regenentwässerung, so flach wie möglich, müsse nach Aussage von Dr.-Ing. Frank Wobschal vom beauftragten Wismarer Ingenieurbüro realisiert werden. Anders könne der Parkplatz in der vorhandenen Trinkwasserschutzzone nicht gebaut werden. Fazit: Für 500  000 Euro ist das Ding nicht zu haben.

Was nun? Halbe Fläche Parkplatz, halbe ungenutzte Fläche, und das ganze zum halben Preis? „Diesen städtebaulichen Wahnsinn möchte ich der Stadt Wismar ersparen. Ich bin für einen Komplettausbau“, sagte Christian Albeck. Dessen Idee, damit sich das Ganze irgendwann bezahlt macht: Jeder Verwaltungsmitarbeiter zahlt pro tatsächlichem Nutzungstag eine Parkgebühr von einem Euro – der Gerechtigkeit halber aber auch die Kollegen, die an der Malzfabrik in Grevesmühlen parken – dann sei der Parkplatzneubau in 20 Jahren refinanziert. „Wenn wir das jetzt nicht anpacken, dann nie wieder“, so der stellvertretende Kreistagspräsident.

Im Ergebnis beschloss der Bauausschuss, den Finanzausschuss mit der Prüfung eines Nutzungskonzepts für die Parkplätze an den Verwaltungsstandorten in Wismar und Grevesmühlen zu beauftragen. Ziel: Refinanzierung der millionenschweren Großvariante des Parkplatzneubnaus.

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