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Ausstelllung über häusliche Gewalt und Kindesmissbrauch : Opfer brechen ihr Schweigen

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Häusliche Gewalt und sexueller Missbrauch kann jeden treffen. Mit der Ausstellung "Opfer" in Wismar will der Weiße Ring von heute bis zum 4. Februar Menschen wachrütteln und sie zur aktiven Hilfe motivieren.

svz.de von
erstellt am 22.Jan.2012 | 07:24 Uhr

Gadebusch/Wismar | Jeden kann es treffen: Im Landkreis Nordwestmecklenburg und Wismar hat es im vergangenen Jahr erneut Opfer häuslicher Gewalt und sexuellen Missbrauchs gegeben. 18 von ihnen wandten sich an den gemeinnützigen Verein "Weißer Ring". Heike Isbarn von der Außenstelle Nordwestmecklenburg geht davon aus, dass es eine weitaus höhere Dunkelziffer gibt. "Viele Opfer schämen sich, denken, sie sind selber schuld", verdeutlicht Isbarn in Gadebusch.

Mit der Ausstellung "Opfer" in Wismar will der Weiße Ring von heute bis zum 4. Februar Menschen wachrütteln und sie zur aktiven Hilfe motivieren. "Die Ausstellung ist ein einzigartiges, unbequemes und vereinzelt auch gewollt provokantes Projekt. Wir möchten das Thema in den Köpfen der Menschen verankern, weil es noch immer ein Tabuthema ist", sagt Heike Isbarn.

Über die Wirkung der drastischen Ausstellungs-Kampagne macht sich Prof. Holzwarth von der Universität Weimar keine Illusionen. "Damit werden wir keinen Sexualstraftäter zum sensiblen Familienvater bekehren und versuchen das auch gar nicht. Wichtiger ist uns, den Opfern zu zeigen, dass es für solche Verbrechen kompetente Stellen gibt, an die sie sich wenden können", so Werner Holzwarth. Die Ausstellung zeigt Arbeiten von 16 Studentinnen und Studenten der Bauhaus-Universität Weimar. Sie hatten mit Polizeiexperten, Mitarbeitern der Kinderschutzdienste, mit Gleichstellungsbeauftragten und mit Opfern häuslicher Gewalt gesprochen. Sie durchforsteten Internet-Foren, arbeiteten sich durch die Kriminalstatistik, lasen Protokolle, Aussagen von Tätern und Opfern. Dabei kamen die Studierenden an ihre eigenen Grenzen, waren bei Schilderungen geschockt.

Wie wichtig die Hilfe für Opfer ist, verdeutlicht Heike Isbarn vom Weißen Ring: "Viele Opfer sind traumatisiert. Einige verdrängen das, was vor zehn oder 20 Jahren geschah, bis plötzlich alles aus der Bahn läuft, weil sie damals vergewaltigt wurden." Es laste eine riesige see lische Last auf ihnen. "Wir erleben oft, dass sie nicht ernst genommen werden in der eigenen Familie" , sagt Isbarn. Dabei kann gerade das Zuhören für viele Opfer eine erste große Hilfe sein.

In die Ausstellung der Studenten wagten sich bereits ehemalige Opfer. Die Schau gab manchen von ihnen endgültig den Mut, erstmals über das Erlebte zu reden und Hilfe zu suchen. "Vielleicht klingt es ungewöhnlich, wenn ich sage, ich freue mich über diese Ausstellung. Ich freue mich, weil hier ein Thema öffentlich gemacht wird, das gerne unter den Teppich gekehrt wird", schrieb ein Opfer in das Gästebuch.

Die Ausstellung in Wismar wird von heute an bis zum Sonnabend, 4. Februar in der Gerichtslaube des Rathauses zu sehen sein. Der Landkreis ermöglicht Schulen, dass Jugendliche ab Klassenstufe 8 die Schau besichtigen können. Gefördert wird die unter der Schirmherrschaft von Landrätin Birgit Hesse und Bürgermeister Thomas Beyer stehende Ausstellung vom Wismarer Altstadt-Beirat.

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