Handwerk in not : Ohne Fleiß gibt’s keine Fachkräfte

Handwerker wie Eckard Gauer (links) warnen vor einem drohenden Fachkräftemangel.
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Handwerker wie Eckard Gauer (links) warnen vor einem drohenden Fachkräftemangel.

Die Kreishandwerkerschaft Nordwestmecklenburg-Wismar sucht händeringend Fachkräfte.

svz.de von
06. Dezember 2013, 06:00 Uhr

Orkan „Xaver“ hatte gestern sein Kommen angekündigt – und da blieb vorsichtshalber die Hälfte der rund 20 erwarteten Innungsmeister der Kreishandwerkerschaft Nordwestmecklenburg-Wismar der Mitgliederversammlung in der Hansestadt fern. Aber Dirk Heyden, Chef der Arbeitsagentur Schwerin, war trotzdem ins Haus des Handwerks gekommen, um über die aktuelle Arbeitsmarktsituation zu berichten. Die Innungsmeister wollen auf dem Laufenden bleiben, denn den Handwerks-Branchen weht kräftiger Wind ins Gesicht. Die Auftragslage vieler Firmen sei gut, sagt Antje Lange, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft, aber der Mangel an Fachkräften und Auszubildenden mache sich spürbar bemerkbar. Und damit sich die Lage in den kommenden Jahren nicht noch weiter verschärft, will die Kreishandwerkerschaft ihre Maßnahmen intensivieren, um ihren derzeit 338 Innungsbetrieben so viele Fachkräfte wie möglich zu sichern.

218 – das ist die Zahl der Auszubildenden, die 2013 ihre Lehre bei einem der Innungsbetriebe angetreten haben. Im Vergleich zum Vorjahr, als 234 Azubis ihre Berufsausbildung starteten, sei diese Zahl zwar nicht schlecht, „aber längst nicht ausreichend“, weiß Antje Lange. 50 bis 60 Lehrstellen seinen unbesetzt geblieben. „Mit der Zahl Auszubildender, können wir den Dienstleistungsauftrag, den das Handwerk hat, nicht realisieren“, so Lange.

„In der Heizungs- Lüftungs- und Sanitärtechnik-Branche konnten wir sechs Auszubildende finden. 20 wurden aber gesucht“, sagt Kreishandwerksmeister Eckard Gauer. Viel Arbeit, wenig Auszubildende – das gelte, so Gauer, branchenübergreifend. „Nach Auffassung des regionalen Handwerks sind jetzt alle Akteure in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft dazu aufgerufen, gemeinsam einen aktiven Beitrag zur Fachkräftesicherung für den Wirtschaftsstandort Deutschland zu leisten“, hebt Gauer hervor.

„Bei uns fand vor fünf Jahren ein Umdenken statt. Da waren die Zeiten vorbei, als es mehr Bewerber als offene Stellen gab“, sagt Antje Lange. Mit einer Kampagne sollte das Image der Handwerksberufe aufpoliert werden. Interessante Tätigkeitsfelder, anspruchsvolle Arbeit, vernünftige Arbeitsbedingungen und Entlohnung – das Handwerk – so die Botschaft – ist attraktiv. Das alleine reichte der Kreishandwerkerschaft Nordwestmecklenburg-Wismar aber nicht aus. Passgenaue Vermittlung von Auszubildende an ausbildungswillige Betriebe – hinter dieser sperrigen Formulierung steht die pragmatische Idee, potenzielle Auszubildende zu suchen, zu finden und genau dorthin zu vermitteln, wo sie Betriebe brauchen, fördern und für die Arbeit als zukünftige Facharbeiter fit machen. Für die passgenaue Vermittlung ist Rüdiger Kamps seit rund drei Jahren zuständig. Ob Studienabbrecher oder Förderschüler – „es geht darum, den jungen Leuten Perspektiven und neue Felder aufzuzeigen“, so Kamps.

Für anspruchsvolle Jobs, wie beispielsweise in der Elektrobranche, seien gute Noten nach wie vor unerlässlich. „Aber generell sind die Noten zweitrangig geworden. Der Ausbildungswille ist entscheidend“, so Eckard Gauer. Den Betrieben müsse Mut gemacht werden, so Gauer weiter, auch Schüler mit den Noten drei oder vier einzustellen. „Oft entwickeln diese jungen Leute erst später ihre Persönlichkeit und viel Eifer und zeigen ihre Qualitäten.“ Qualifizierung, Familienfreundlichkeit, Gesundheitsförderung und vernünftiger Lohn – auch das seien alles Aspekte, um einen Betrieb für Azubis und Gesellen interessant zu machen.

Apropos Gesellen: „Auch hier gibt es bei den Firmen großen Bedarf, denn viele Fachkräfte werden bald aus Altersgründen ausscheiden“, sagt Antje Lange.

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