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Internatonale Arbeits- und Kulturprojekte erfolgreich bewältigt : Norwegen, Sibirien und anderswo

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Mehr als 1000 Kilometer nördlich im norwegischen Setesdalen internationale Anerkennung erlangt - Für 19 Jugendliche hat sich in den vergangenen vier Wochen das Leben grundsätzlich verändert.

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erstellt am 03.Jun.2011 | 07:24 Uhr

Gadebusch | 6000 Kilometer fern ab der Heimat das Abenteuer Leben in den Wäldern Sibiriens entdecken. Oder mehr als 1000 Kilometer nördlich im norwegischen Setesdalen internationale Anerkennung erlangen. Für 19 Jugendliche hat sich in den vergangenen vier Wochen das Leben grundsätzlich verändert. Mit dem Verein Alte Schule e.V. und dem Verein Grüner Grashalm starteten die Teilnehmer von Gadebusch aus in ein neues Leben. Junge Menschen, die aus unterschiedlichsten persönlichen und familiären Gründen die Hürden beim Start ins Berufsleben bisher nicht meistern konnten. Dank der internationalen Kontakte der deutschen Vereine gelingt mit Hilfe von "Travel for peace" einem privaten Geldgeber in Norwegen und dem russischen Partner "Gulf stream" und dem EU-Programm "Jugend in Aktion" der Start.

April 2011: Skepsis, ein wenig Angst vor Neuem und Unbekannten macht sich breit, als Horst Laube vom Grüner Grashalm e.V. und Christof Möller vom Verein "Alte Schule" die Idee vom spontanen Aufbruch in die abgelegenen Gebiete Europas und Sibiriens informieren. Die Teams kennen sich nicht, lassen sich aber dennoch auf das Arbeitsprojekt ein.

"Im norwegischen Setesdalen ist das ,Peace Center, eine stillgelegte Lungenklinik, unser Ziel", sagt Möller. Auf Initiative der norwegischen Künstlerin Helga Arntzen entsteht im historischen Gemäuer ein Friedenszentrum mit den Themenschwerpunkten Menschenrechte, Natur und Umwelt. Projekte aus zwölf aktuellen und ehemaligen Krisengebieten der Erde - Afrika, Asien - sowie Themen - europäische Teilung, Holocaust - finden in 100 Ausstellungen in 100 Räumen ihre Berücksichtigung. Ein ehrgeiziges Projekt, das Tatendrang verlangt. "Wenn ihr arbeiten könnt, seit ihr willkommen", sagt Arntzen im April. Die Deutschen lassen sich da nicht lange bitten. Es wird angepackt. Die schrottreife Küche entkernt, Unrat gesammelt, Wanderwege angelegt. Ein deutscher Beitrag zum Friedenszentrum. "Die Wertschätzung spüren wir umgehend. Die Menschen vor Ort interessieren sich für uns und unsere Arbeit", sagt Maike Kähler-Dzudzevic. Die junge Frau zeigt ihre Begeisterung: "Mein Entschluss steht fest.Ich absolviere dort ein Freiwilliges soziales Jahr." Mit etwas Glück startet dies am 1. Juli.

Die Erinnerungen an täglich acht Stunden Arbeit bei Sonne, Wind und Regen bleiben nebensächlich. Internet, Handy - die Errungenschaften der modernen Welt dienen nur noch dem einen Zweck "sich kurz einmal zu Hause zu melden". Dinge anscheinend an Bedeutung verlieren, wenn das Leben ausreichend Abwechslung bietet: "Die Arbeit, alles hat einfach Spaß bereitet. Als Dankeschön gab es eine Wildwasserfahrt in der norwegischen Natur", sagt Nico Kallinantzki.

Eine Motivation, an der Helga Arntzen, die Künstlerin, großen Anteil hat. Zumindest werden einige Teilnehmer dieser Begegnung einen besonderen Stellenwert einräumen. Maike Kähler-Dzudzevic: "Es ist unglaublich, was ein einzelner Mensch alles bewegen kann." Die 70-Jährige sei ein Stehaufmännchen. "Wie kann ein Mensch, der als Kind und Erwachsene zahlreiche Rückschläge einstecken musste, solch eine Energie entwickeln?", fragt sich ebenso Nancy Fett. Nicht runterkriegen lassen, selbst aus Niederlagen Kraft schöpfen, so etwas imponiert auch Teilnehmerin Elizabeta Gushani, die der Norwegerin Respekt zollt. Vorbilder, wie sie die Jugendlichen brauchen, meint Christof Möller. Denn Fahrten und Arbeitseinsätze wie diese, die tragen entscheidend zur Persönlichkeitsentwicklung jedes Einzelnen Teilnehmers bei.

Mit der Eisenbahn nach Sibirien

Dass Berge, Birken, Zedern und Lagerfeuerabende mit Jugendlichen unterschiedlicher Nationalitäten mitten in Sibirien den Blick auf die Welt verändert, schildert Sylvia Rachow in ihrem Erlebnisbericht. Mit der Transsibirischen Eisenbahn führte die Reise gen Osten nach Krasnojarsk, der drittgrößten Stadt Sibiriens. In der weite Russlands pflanzen sie während ihres fünfwöchigen Aufenthaltes Zedern, schlagen für ein Kulturzentrum Brennholz, fertigen Kanus, räumen die Überreste einer abgebrannten Jugendbegegnungsstätte weg und bauen Spielgeräte für eine Kindereinrichtung mit Unterstützung des EU Freiwiligendienstes.

Geld ist nicht ihr Lohn für all die Mühen in der Sibirischen Wildnis. Dafür kehren sie reich an Erfahrungen für ihr junges Leben mit internationalen Kontakten (Norweger, Russen und Japaner) nach Gadebusch zurück.

"In der Abgeschiedenheit bekommt Zeit für die Jugendlichen eine völlig neue Definition", sagt Horst Laube von Grüner Grashalm e.V. Die Teamarbeit abseits des eher hektisch ablaufenden europäischen Alltags sei prägend. Wo sonst sei es möglich, Mitmenschen, egal welcher Nationalität, ausreichend Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Nicht zuletzt entwickele sich Teamgeist in den Jugendgruppen. Somit präsentieren Christian Docks und Manuel Herrmann voller Stolz ihr Foto aus Sibirien. Aufgenommen an einem Fluss in der Wildnis. Christian fügt noch ein Bild von der Moskauer Metro hinzu und sagt: "Das war beeindruckend. Hier ging es 150 Meter in die Tiefe."

Und Nico Kallinatzki bewertet das Erlebnis "andere Kultur" auf einer ganz neuen Ebene. Der neue Blickwinkel lässt für ihn sogar Möglichkeiten erkennen außerhalb von Deutschland sich eine Zukunft aufzubauen: "Es war schön aus Deutschland mal rauszukommen und woanders zu arbeiten."

Ein Reisefazit, wie es Möller und Laube nicht erwartet haben. "Für uns ein Beweis, wie wichtig Reisen dieser Art im Sinne unserer Jugendarbeit sind. Möglicher rechter Gesinnung wird hier jeglicher Nährboden entzogen", so Möller. Vielmehr sei das Leben Abenteuer. Und mit Sicherheit habe das Abenteuer mit der Sibirien-Reise und der Fahrt nach Norwegen erst begonnen.

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