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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

15. Dezember 2017 | 20:35 Uhr

Rettungsdienst : Nordwestkreis: Notärzte in Not

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Gericht kippt bisherige Vergütungspraxis für den Rettungsdienst. Landkreis fürchtet deutlich steigende Kosten

svz.de von
erstellt am 17.Feb.2016 | 06:15 Uhr

Im Rettungsdienst in Nordwestmecklenburg könnte es bald zu wenig Notärzte geben. Grund ist ein Urteil des Landessozialgerichts (SVZ berichtete). Danach dürfen Notärzte im Rettungswesen nicht mehr auf Honorarbasis beschäftigt werden. Sie müssen vom Betreiber einer Rettungswache angestellt werden. Für den Gadebuscher Allgemeinmediziner und Notarzt Hans-Peter Knapp heißt das: „Dann höre ich auf.“

Knapp arbeitet neben seiner Praxis in Gadebusch auch drei bis sechs Mal im Monat als Notarzt in der Gadebuscher Rettungswache. „Für mich ist das ein gut bezahltes Hobby“, sagt der 64-Jährige.

Doch damit könnte bald Schluss sein, denn die Deutsche Rentenversicherung prüft, ob Honorarärzte wie Knapp scheinselbstständig sind. Der Vorwurf: Auf den ersten Blick sind die Honorarärzte selbstständig, in Wahrheit aber gleicht ihre Tätigkeit einem regulären Beschäftigungsverhältnis, für das keine Sozialabgaben wie Kranken- und Rentenversicherung gezahlt werden.

Viele Rettungswachen werden mit Honorarärzten besetzt. Sie haben entweder wie Hans-Peter Knapp eine eigene Praxis, arbeiten hauptberuflich im Krankenhaus oder heuern als so genannte Freelancer, also Freiberufler, an. Nach dem aktuellen Urteil müssten Betreiber wie das DRK sie anstellen und Sozialabgaben zahlen.

Das DRK könnte die Honorarärzte nun anstellen. Doch für Allgemeinmediziner Knapp kommt das nicht in Frage. „Ich habe meine Praxis. Die gebe ich nicht auf.“ Ob andere niedergelassene Mediziner sich darauf einlassen, ist fraglich. Das Problem schreckt auch den Kreistag auf. Der Sozialausschuss beschäftigt sich heute mit der Situation – und die ist prekär.

„Wenn die Honorarärzte nicht mehr so weiterbeschäftigt werden können, wird der Rettungsdienst deutlich teurer“, sagt Florian Haug vom Eigenbetrieb Rettung des Landkreises. Das heißt in diesem Fall grob geschätzt bis zu 30 Prozent teurer. Zwei Millionen Euro kostet den Eigenbetrieb Rettung die Bereitstellung von Notärzten jährlich. Die zusätzlichen Kosten, die entstehen könnten, müssen die Krankenkassen und damit jeder Versicherte bezahlen.

Sechs Rettungswachen, die mit Notärzten ausgestattet sind, gibt es im Nordwestkreis: zwei in Wismar, jeweils eine in Gadebusch, im Krankenhaus Grevesmühlen, Schönberg und Züsow. Sie werden von unterschiedlichen Betreibern unterhalten. In Wismar ist es das Krankenhaus, in Gadebusch das DRK. Aktuell laufen beim Eigenbetrieb gerade wieder die Ausschreibungen für die Wachen.

Bezahlt werden die Honorarnotärzte direkt vom Betreiber der Wache. Mit ihm verhandeln sie das Honorar. Deswegen mache er das nicht, sagt Hans-Peter Knapp. „Ich komme gut lang mit meiner Praxis.“ Ihn treibe die Verbundenheit mit dem Rettungsdienst. Seit 1971 ist er schon aktiv. Knapp will nun erst einmal abwarten, ob das Urteil des Landessozialgerichts rechtskräftig wird. Das DRK prüft, ob und wie es dagegen vorgehen kann.

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