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Streit um Messverfahren : Nitrat belastet Grundwasser

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Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Ab 2017 tritt eine neue Düngeverordnung in Kraft. Die EU droht mit Strafen wegen zu hoher Werte. Jetzt wehren sich Bauern gegen die Vorwürfe.

svz.de von
erstellt am 14.Jul.2016 | 04:45 Uhr

Die Agrargenossenschaft Köchlestorf eG ist eine der größten Landwirtschaftsbetriebe der Region Sie bewirtschaftet knapp 4000 Hektar Acker- und Grünland, hält 2000 Rinder, davon 750 Milchkühe, und betreibt eine Biogasanlage.

„Bei uns sind die Nitratbelastungen deutlich unter dem Grenzwert. Ich hasse es, dass immer alle über einen Kamm geschoren werden und ständig pauschalisiert wird“, echauffiert sich Reinhard Drews.

Der Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführer des Unternehmens hat die Zahlen vor sich: 0,5 Milligramm Nitrat pro Liter steht dort, bei erlaubten 50 Milligramm. Gemessen am eigenen Brunnen auf dem Gelände, inmitten der Rinderställe. „Unser Grundwasser hat Trinkwasserqualität“, sagt der Mitte Sechzigjährige, gibt aber zu, dafür auch etwas zu tun. So sorge sein Betrieb dafür, dass die Gülle nach ihrer Nutzung in der Biogasanlage, die Feststoffreste aus den geernteten Pflanzen, wie Mais, Raps und Getreide, auch dezentral wieder als Dünger ausgebracht werden. Möglichst dort, wo sie zuvor gewachsen sind und geerntet wurden. Übermäßige Düngung gebe es längst nicht mehr, alles müsse ja sowieso schon mengenmäßig protokolliert werden. Aber er räumt ein, dass es drei bis fünf Prozent Schwarze Schafe unter den Landwirten gibt. „Die müssen dann aber auch deutlich härter bestraft werden, schließlich wollen die Generationen nach uns auch noch eine bewohnbare Erde vorfinden“, wird der Landwirt deutlich.

Auch die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Nordwestmecklenburg, Petra Böttcher, sieht im Landkreis keine Probleme mit einer erhöhten Nitratbelastung des Grundwassers und weist damit die Einstufung von zwei Grundwasserleitern in den Bereich Rot durch das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern (LUNG) zurück. „Unserer Meinung nach haben wir einerseits zu wenig und andererseits zum Teil an falschen Orten solche Messstellen“, kritisiert die Verbandschefin. Es könne nicht sein, dass zum Beispiel der Grundwasserleiter von Köchelstorf nach Roggenstorf an drei Messpunkten mit 1,33 Milligramm Nitrat völlig intakte Grundwasserkörper hat und nur, weil in Roggenstorf bei einem Messpunkt in einer Kiesgrube im Mittel ein Wert 204 gemessen wurde, der komplette Leiter als übermäßig belastet gilt. Das Gleiche träfe auch für den Bereich Losten bis Groß Flöten zu. Hier stach Losten durch seinen Schweinemastbetrieb mit 175 Milligramm im Jahr 2009 heraus, fünf Jahre später lag der Wert nur noch bei 70. Gewertet würden aber sieben Jahre. Es müsse bei den Messmethoden dringend nachgebessert werden, und das, bevor man Sanktionen gegen die Landwirte beschließt. Darüber sind sich Petra Böttcher und Reinhard Drews einig.

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