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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

18. November 2017 | 19:00 Uhr

Grevesmühlen : Neue Ermittlungen im Fall Möllin

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Abgefangener Brief aus der Untersuchungshaft könnte ein Fall für den Generalbundesanwalt werden.

von
erstellt am 22.Jan.2015 | 20:45 Uhr

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Todesfahrer von Möllin könnte weitere Kreise ziehen und sogar den Generalbundesanwalt auf den Plan rufen. So prüft die Staatsanwaltschaft Schwerin einen möglichen Terrorverdacht nach Bekanntwerden eines abgefangenen Briefes aus der Untersuchungshaft. Darin soll der wegen fahrlässiger Tötung angeklagte Mohammed Ahmed H. geschrieben haben: „Es ist Chaos in Syrien und wir müssen hin und Krieg führen.“

Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Schwerin erklärte gestern auf SVZ-Anfrage: „Wir prüfen diesen neuen Sachverhalt und ob der Fall möglicherweise an den Generalbundesanwalt abgeben wird.“ Dieser ist im Bereich des Staatsschutzes die oberste Strafverfolgungsbehörde der Bundesrepublik.

Auswirkungen auf das laufende Verfahren im Grevesmühlener Amtsgericht sollen die neuen Erkenntnisse nicht haben. Seit Mittwoch muss sich dort der 22-jährige schwedische Staatsbürger mit türkischen Wurzeln wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung verantworten. Er soll am 2. September 2014 unter „akuter Beeinflussung“ durch Drogen mit einem Audi A4 auf einen VW Golf III in Höhe des Abzweigs Möllin aufgfahren sein. Bei dem Unfall kam die 60-jährige VW-Fahrerin ums Leben.

Kurz zuvor soll Mohammed Ahmed H. trotz Sperrlinie ein anderes Fahrzeug überholt haben. „Ich habe mich derart erschrocken, dass ich zusammenzuckte. Es war eine brachiale Geschwindigkeit“, erinnert sich ein Zeuge. Sekunden später sah er, wie der Audi A4 gegen den VW Golf stieß. Anschließend lief der Zeuge zu dem Wagen, um der Fahrerin zu helfen.

Auch weitere Menschen wollten Hilfe leisten, andere nicht – wie Mohammed Ahmed H.. Er stand nach Aussage einer Zeugin an dem Audi A4 und tat „Nichts!“. Sein Beifahrer habe hingegen mit geholfen, berichtet die Zeugin, die während ihrer Schilderung im Gerichtssaal in Tränen ausbrach.

Vorgeworfen wird Mohammed Ahmed H. auch ein möglicher Tankbetrug an der A20-Rasttätte „Schönberger Land-Süd“. Das Gericht will anhand eines möglichen Tankstellen-Videos klären, ob der Beschuldigte dafür verantwortlich ist. Er streitet diesen und weitere Vorwürfe bisher ab, wie den des Fahrens ohne Fahrerlaubnis und des Missbrauchs von Ausweispapieren und von Kennzeichen.

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Todesfahrer von Möllin soll im Februar im Amtsgericht Grevesmühlen mit weiteren Zeugenbefragungen fortgesetzt werden. Bis dahin bleibt der Angeklagte aufgrund von Fluchtgefahr in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Bützow. Es wird befürchtet, dass der Mann sonst illegal ausreisen könnte. Denn auch in Schweden droht dem 22-Jährigen ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung. Dort war im März 2014 ein US-Staatsbürger bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen.  

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