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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

19. November 2017 | 04:28 Uhr

Carlow : Neu, neugierig, Pastorin

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

SVZ-Interview mit Ulrike Kurzweg, der Nachfolgerin von Bernhard Kähler in der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde

svz.de von
erstellt am 22.Dez.2015 | 18:08 Uhr

Sie ist nicht von hier. Sie war verheiratet, geschieden. Und sie ist Pastorin – Ulrike Kurzweg ist die Neue in Carlow. Am 1. Dezember hat die aus der niedersächsischen Roswithastadt Bad Gandersheim stammende Dienerin Gottes die Nachfolge von Bernhard Kähler angetreten, der sich in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet hat. SVZ-Redakteur Holger Glaner traf sie und fragte, was viele schon immer über Pastorinnen wissen wollten.

Was, um alles in der Welt, treibt eine junge Frau, Pastorin zu werden?

Ulrike Kurzweg: Das ist nicht so leicht zu beantworten. Ich hatte schon ein Germanistik-Studium angefangen, als ein Schulfreund mir erzählte, dass er Theologie studiere. Das hatte mich auch schon immer interessiert. Also orientierte ich mich dann noch einmal neu.

Doch wie hat es Sie ausgerechnet ins beschauliche Carlow gespült?

Ich klebe nicht so sehr an meiner Scholle. Als ich im Sommer vertretungsweise in der Kirchenregion Boizenburg-Wittenburg unterwegs war, musste ich viele Beerdigungen vorbereiten und durchführen. Da habe ich in den Vorbereitungsgesprächen sehr viel über die Menschen und ihr Leben in der ehemaligen DDR erfahren. Das hat mich neugierig gemacht. Darüber hinaus hat mir die schöne Landschaft gefallen. Auch die Nähe nach Hamburg spielte eine Rolle bei meiner Entscheidung, mich in Carlow zu bewerben.

Was hat die Entscheidung für Carlow mit der Weltstadt Hamburg zu tun?

Dort leben meine mittlerweile erwachsenen Söhne und mein Lebensgefährte. Und eine Wohnung habe ich dort momentan auch noch, pendle zwischen Hamburg und Carlow derzeit also viel hin und her.

Kinder, Lebensgefährte, wilde Ehe – darf eine Pastorin so etwas?

In der Evangelischen Kirche hat sich vieles gelockert. Ich war schon mal verheiratet, wurde geschieden und dürfte sogar erneut heiraten. Früher konnte es schon passieren, dass man in der einen oder anderen Gegend wegen einer Scheidung strafversetzt wurde. So etwas gibt es in der neuen Nordkirche nicht mehr.

Was macht eine Frau Gottes in diesem Beruf eigentlich den lieben langen Tag?

Das kommt ganz auf die Gemeinde an. Ich weiß noch nicht, wie sich das in Carlow entwickeln wird. Kaffee trinken, Zeit haben für die Menschen, Gottesdienste, Beerdigungen, Hochzeiten vorbereiten. Auch in die Gemeinde-Nachmittage möchte ich mich künftig einbringen. Momentan schnacke ich auch viel mit Handwerkern, die noch bis voraussichtlich Ende April nächsten Jahres das Pfarrhaus sanieren.

Haben Sie als Pastorin einen besonders guten Draht nach oben?

Da haben andere vielleicht eine bessere Verbindung nach oben als ich. Nur Kraft meines Amtes muss meine nicht unbedingt besser sein.

Hochzeiten oder Beerdigungen, was ist einfacher?

Beerdigungen sind leichter vorzubereiten. Die Hinterbliebenen freuen sich, dass jemand Zeit für sie hat und begegnen mir mit großer Offenheit und guten Gesprächen. Da kommen viele Erinnerungen wieder. Schön ist es für mich, wenn die Menschen während einer Trauerfeier wieder lächeln können.

Aber eine Trauung ist doch der schönere Anlass?

Das stimmt, Trauungen sollen immer schön aussehen, das geistliche Bedürfnis bleibt da manchmal aber leider etwas zurück. Ich sehe das immer etwas zweigeteilt. Ich habe Verständnis für romantische Wünsche, tue mich manchmal schwer mit Erwartungen, die von Filmen und Fernsehshows geprägt sind, und lasse mich von der Überzeugung leiten, dass das Abenteuer Ehe den Segen gut gebrauchen kann.

Weihnachten steht vor der Tür. Sie haben noch immer einen Koffer in Hamburg. Wo verbringen Sie das Fest?

In Carlow, hier habe ich mich von Anfang an wohlgefühlt. Hier ist jetzt mein Zuhause.

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