Reservat Schaalsee : Nandus unter Beobachtung

Altvögel haben auch in strengen Wintern gute Überlebenschancen. Sie ernähren sich hauptsächlich von Rapspflanzen.
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Altvögel haben auch in strengen Wintern gute Überlebenschancen. Sie ernähren sich hauptsächlich von Rapspflanzen.

Die Tiere gehören zu den Neozoen, zu den „Neuen Tieren“. Ranger dokumentieren ihren Einfluss auf heimische Arten

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27. November 2015, 18:10 Uhr

Zweimal im Jahr werden im Unesco-Biosphärenreservat Schaalsee die Nandus gezählt. Im Herbst, um den Bruterfolg des Jahres zu ermitteln, und im Frühling, um zu sehen wie viele Tiere den Winter überlebt haben.

Damit der Bestand so genau wie möglich erfasst wird, werden Synchronzählungen durchgeführt. Das potenzielle Nandu-Gebiet wird in mehrere Zählbereiche gegliedert, die dann zeitgleich untersucht werden. Wir Ranger erhalten dabei Unterstützung von unseren Kollegen aus der Verwaltung und von ehrenamtlichen Helfern.

In der vergangenen Woche stand die Herbstzählung an. Gemeinsam mit drei Kollegen ging ich auf Nandu-Suche zwischen Thandorf und dem Mechower Holz. Viele Kilometer liefen wir entlang von Ackerkanten, durchstreiften hügelige Grünlandflächen, umrundeten Feldgehölze, durchkämmten kleine Wäldchen – und bekamen doch in unserem Zählgebiet keinen einzigen Nandu zu Gesicht.

Die anderen Zähler hatten mehr Erfolg. Sie entdeckten neben zahlreichen Einzeltieren und kleinen Gruppen von bis zu zehn Tieren auch einen großen Trupp mit 31 Jungtieren. Insgesamt wurde an diesem Tag 177 Nandus gezählt, davon 79 Jungtiere. Eine Population von dieser Größe ist einmalig in ganz Europa.

Ihren Ursprung hat sie in sechs Nandus, die vor 15 Jahren einem Züchter in der Nähe von Lübeck entwischen konnten. Dass es ihnen in Nordwestmecklenburg so gut gefällt, liegt sicher auch daran, dass die weitläufigen Ackerflächen ihrer neuen Heimat der baumarmen Pampa in ihrer angestammten, südamerikanischen Heimat gar nicht so unähnlich sind.

Auch kalte Winter machen den exotischen Vögeln weniger Probleme als zunächst angenommen. Nur im ersten Winter haben die Jungvögel schlechte Überlebenschancen. In langen und sehr kalten Wintern starben bis zu 100 Prozent der Jungvögel. Ist jedoch der erste Winter geschafft, haben sie gute Überlebenschancen.

Da die Nandus sich bei uns über viele Jahre in Freiheit vermehren konnten, sind sie laut Bundesnaturschutzgesetz als heimische, wildlebende Tierart zu betrachten und stehen somit, wie alle anderen Vögel auch, unter Schutz. Der Nandu ist nur eine von vielen Arten auf der langen Liste der „Neozoen“, was nichts anderes heißt, als „Neue Tiere“ und Arten bezeichnet, die nach 1492 (Entdeckung Amerikas) durch direkte oder indirekte Aktivitäten der Menschen angesiedelt wurden.

In Deutschland geht man von mehr als 1000 Neozoenarten aus, unter anderem gehören auch Damwild, Fasan und Regenbogenforelle dazu. Es ist wichtig, solche „neuen Arten“ sehr genau zu beobachten und zu reagieren, wenn sie unerwünschte Auswirkungen auf andere Arten, Lebensgemeinschaften oder Biotope haben, mit anderen heimischen Arten in Konkurrenz treten und diese vielleicht sogar verdrängen.

Beim Nandu im Nordwestkreis konnte ein solches Verhalten bisher nicht nachgewiesen werden.


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