Tierwelt MV : Nandus auf dem Vormarsch

Nandu
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Fast 180 Exoten leben mittlerweile in Nordwestmecklenburg und dürfen nicht bejagt werden

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21. November 2015, 07:00 Uhr

Exoten auf dem Vormarsch: Im Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe hat die Zahl der Nandus einen neuen Rekordwert erreicht. So wurden in diesem Monat 177 Exemplare dieses Laufvogels gezählt. Im Frühjahr waren noch 120 Nandus registriert worden. Sie stellen in Deutschland und Europa eine einmalige Population in dieser Größe dar. Dabei gelten fünf weiß gefierderte Nandus als Exoten unter den Exoten. Die Einfarbigkeit sei auf ein Gendeffekt zurückzuführen, sagte Mario Axel vom Biosphärenreservat gestern in Schlagsdorf.

Dass die ursprünglich in Südamerika lebenden Laufvögel sich in Mecklenburg seit 15 Jahren ausbreiten können, liegt an einem geglückten Ausbruchsversuch aus einem Freigehege bei Groß Grönau (Schleswig-Holstein). Damals gelang ihnen über den Fluss Wakenitz die Flucht gen Osten. Da sie sich seitdem vermehren konnten, sind sie laut Bundesnaturschutzgesetz inzwischen als heimische, wildlebende Tierart zu betrachten. Sie stehen unter Schutz und dürfen weder verletzt noch gefangen werden. Auch Jäger müssen die bis zu 35 Kilo schweren Nandus an sich vorbei laufen lassen.

Feinde gibt es dennoch. So haben es vermutlich Greifvögel und Füchse auf besonders junge Nandus abgesehen. Wildschweine sollen zudem Nandu-Eier als Delikatesse für sich entdeckt haben. Diese sind etwa 20-Mal größer als normale Hühnereier.

Bei zahllosen Beobachtungen konnten Experten kein Aggressionsverhalten der Nandus gegenüber Säugetieren oder Vögeln beobachten. Es gibt allerdings einen dokumentierten (Schein)-Angriff auf einen Hund. Dabei schlug ein brütender Zweibeiner den sich nähernden Vierbeiner in die Flucht. Dieses Verhalten könnte ein brütender Nanduhahn vermutlich auch gegen Fuchs, Dachs und Marderhund an den Tag legen.

Trotz der gestiegenen Zahl der Nandus gilt diese Art nach Einschätzung des Bundesamtes für Naturschutz derzeit nicht als invasiv. Denn bislang sei nicht nachgewiesen worden, dass die Laufvögel negative Auswirkungen auf heimische Arten hätten oder diese verdrängen würden. Klar ist aber auch: Der Bestand steige beständig an und breite sich nun auch in angrenzenden Bereichen aus, sagt Mathias Hippke vom Biosphärenreservat. Das heißt konkret: Auch nördlich der A20, östlich bis Groß Rünz und westlich der Landesgrenze könnten künftig öfter Nandus zu sehen sein.

Mit Sorge verfolgen Landwirte die Bestandszunahme der Nandus. Denn zur bevorzugten Kost der Laufvögel zählt der eiweißreiche Raps. Die Tiere würden für die Nahrungsaufnahme junge Pflanzen samt Wurzeln aus dem Boden ziehen oder junge Triebe fressen. Die Folge: Die Pflanzen vertrocknen oder verfaulen, sagt Nordwestmecklenburgs Kreisbauernpräsident Jörg Haase. In solchen Fällen bleiben Landwirte auf den Schäden sitzen. Denn die Wildschadensausgleichskasse kommt nicht dafür auf. Landwirte dürfen Nandus noch nicht einmal von ihren Feldern vergrämen.

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