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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

24. August 2017 | 05:15 Uhr

Thandorf : Nandu erschossen und zerstückelt

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Spaziergänger entdeckten einen getöteten Laufvogel im Wald. Die Tiere sind streng geschützt und dürfen nicht gejagt werden.

Das einst so eindrucksvolle Tier liegt dreckverschmiert im Laub: ein Einschussloch in der Brust, die Beine professionell abgetrennt. „Das ist einfach eine Sauerei“, sagt Annette Herbing. Am ersten Weihnachtsfeiertag haben sie und ihre Tochter Alina den toten Nandu beim Spaziergang im Thandorfer Gemeindewäldchen gefunden. Unweit des Wanderweges zwischen Thandorf und Schattin hat ihr Hund den erschossenen Laufvogel entdeckt. „Es war offensichtlich, dass die Beine mit einer scharfen Klinge abgeschnitten wurden“, sagt Annette Herbing, in der Brust habe sie ein Einschussloch festgestellt. „Der Mensch, der das getan hat, konnte schießen. Ich gehe davon aus, dass der Nandu in einem nahegelegenen Rapsfeld erschossen und dann in den Wald gezogen wurde“, so Herbing. Die Thandorferin ist sauer: „Das war ein gesunder, kräftiger, großer Nandu. Diese Tiere sind geschützt. Das ist einfach nicht zu verstehen.“ Denn Nandus stehen gleich zweifach unter Schutz: Sie unterliegen dem weltweit gültigen Washingtoner Artenschutzabkommen, und dürfen als sogenanntes „nicht jagdbares Wild“ nach dem Jagdgesetz nicht geschossen werden.

Für Matthias Hippke, Sachgebietsleiter für Arten und Biotopschutz beim Amt für das Biosphärenreservat, hat dieser Fall damit eine ganz neue Qualität: „Wir hatten bereits Fälle, in denen illegal Nandu-Eier entnommen wurden. Aber dass ein Nandu geschossen wurde, habe ich noch nicht gehört. Das ist Wilderei.“ Für Nandus, die innerhalb der Grenzen des Biosphärenreservats tot aufgefunden werden, ist grundsätzlich das Amt für das Biosphärenreservat zuständig. Tote Nandus sollten hier unmittelbar gemeldet werden. „Einem solchen Fall würden wir selbstverständlich nachgehen und bei Polizei und Unterer Jagdbehörde anzeigen, damit versucht wird, den Täter zu ermitteln“, so Hippke. Verendete Nandus würden ins Berliner Institut für Zoo- und Wildtierforschung geschickt, wo sie beispielsweise auf Parasiten untersucht würden, aber auch geprüft werde, wovon sich die Nandus ernähren. Um tote Nandus, die außerhalb des Biosphärenreservats gefunden werden, kümmert sich die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises. Wird – wie beim aktuellen Fund in Thandorf – eine Straftat vermutet, kann zusätzlich noch vor Ort auch die Polizei informiert werden. „Ein geschütztes Tier, das erschossen wurde, wäre kein Einsatz, den wir ablehnen würden“, so André Falke, Sprecher der Wismarer Polizeiinspektion. Es gebe dann die Möglichkeit, eine Strafanzeige gegen Unbekannt zu erstatten.

Laut der letzten Nandu-Zählung der Biosphäre im November vergangenen Jahres leben 70 Alt- und 34 Jungtiere in Nordwestmecklenburg. „Damit haben wir einen relativ hohen Bestand an erwachsenen Tieren, während die Anzahl der Jungen abnimmt. Jungtiere hatten wir in der Vergangenheit auch schon zwischen 80 und 90 pro Jahr.“ Die hier lebenden Nandus sind Nachkommen dreier Nandu-Paare, die vor 13 Jahren aus einem Privatgehege bei Lübeck ausgebrochen und über die Wakenitz nach MV gekommen sind. Annette Herbing hat indes einen schlimmen Verdacht: Bereits zwei Mal hat sie im vergangenen Jahr verendete Nandus im Wald gefunden. „Diese Tiere waren allerdings schon so weit verwest, dass man nicht mehr viel erkennen konnte. Ich hoffe nicht, dass auch sie erschossen wurden.“

 

 

 

 

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erstellt am 09.Jan.2014 | 00:00 Uhr

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