zur Navigation springen
Gadebusch-Rehnaer Zeitung

22. Oktober 2017 | 01:23 Uhr

Dorfläden : Nähe und Service als Erfolgsrezept

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Seit mehr als 20 Jahren gibt es in Mühlen Eichsen und Carlow Lebensmittelläden

svz.de von
erstellt am 17.Feb.2015 | 23:44 Uhr

Auf dem Lande machen mehr und mehr Geschäfte dicht und erschweren besonders älteren Menschen einen schnellen Einkauf. In Carlow und Mühlen Eichsen sowie in wenigen anderen Orten sind seit mehr als 20 Jahren Ladenverkaufsstellen hingegen fester Bestandteil in den Gemeinden.

Neben den alltäglichen Bedarfs- und Lebensmitteln bietet der kleine Mühlen Eichsener Markt seit 22 Jahren von der Stecknadel über Sektflaschen zum Kohlenanzünder fast alles. „Und wenn wir etwas nicht haben, dann besorgen wir es. Wir erfüllen Kundenwünsche nach Bedarf“, sagt Verkäuferin Edeltraud Ruthenberg. Die Nähe zum Kunden und der Service, den die drei Verkäuferinnen in Connys Hauswaren bieten, seien das Erfolgsrezept für die langjährige Beständigkeit.

Doch selbstverständlich ist die nicht, wie Geschäftsinhaber Gerald Fichtner erklärt. Im vergangenen Oktober übernahm er „Seidels Fundgrube“ in Mühlen Eichsen und Grevesmühlen und führt sie seitdem unter neuem Namen fort. „Wir sind froh, dass wir das Geschäft schon mit neuem Dach übernommen haben, denn weitere Investitionen sind notwendig“, erklärt der 53-Jährige. So seien die zehn Kühltruhen und die Kassentechnik im 200 Quadratmeter großen Laden nicht mehr zeitgemäß und müssten bald durch neue ersetzt werden. Investitionsvolumen: eine mindestens fünfstellige Summe.

Der Röbeler Unternehmer habe zwar Bedenken, die Kosten mit dem Verkauf von Milch und Butter wieder einzunehmen, doch Stärkung bekommt er von seinen Mitarbeiterinnen. „Es wäre schade, wenn die Verkaufsstelle einschlafen würde, denn die Bürger setzen darauf. Unsere Kunden sind immer zufrieden“, so Edeltraud Ruthenberg. Sie und ihre Kollegen seien nicht nur einfach Verkäuferinnen, sondern mitunter Seelentröster. „Man kennt sich eben hier im Dorf“, sagt die 57-Jährige.

Mit einem Discounter sei der Laden zwar nicht zu vergleichen, marktübliche Preise locken dennoch den Bürger von nebenan. „Zusätzlich bieten wir einen Paketshop, verkaufen Briefmarken, nehmen Lottoscheine an und kopieren für unsere Kunden“, erklärt Verkäuferin Ruthenberg.

„Arbeiten, arbeiten, arbeiten“, lautet auch das Geheimrezept der Betreiber Daniel und Heidelinde Friedberg vom Edeka Frischemarkt in Carlow. Seit 1994 gibt es den 220 Quadratmeter kleinen Dorf-Supermarkt, schon 1978 betrieb ihn Heidelinde Friedberg als Konsum. „Doch die Kaufkraft ist seitdem stark gesunken“, sagt sie. So würden viele Menschen auswärts arbeiten und dort auch ihre Besorgungen erledigen. „Vor allem junge Menschen fahren lieber nach Rehna zum Einkaufen. Und die älteren Menschen werden immer weniger“, erklärt die Markt-Inhaberin.

Besondere Einbußen habe ihr Geschäft erlebt, als 2011 die ortsansässige Bank samt Geldautomat in Carlow aufgelöst wurde. „Dann fahren die Leute zum Geld holen in die nächste Stadt – und gehen dann dort auch ihre Lebensmittel besorgen“, erklärt Friedbergs Sohn Daniel.

Der 36-Jährige wünscht sich, dass mehr Bewohner Carlows den ortsansässigen Markt besuchen würden. Zwar hätte der Frischemarkt mit seinen 6000 Artikeln einen gewissen Kundenstamm, die nutzen den Dorf-Laden aber „nur für das Vergessene“. Laufkundschaft gäbe es zudem kaum, außer im Sommer, wenn Klocksdorfer Urlauber auf den Dorf-Supermarkt aufmerksam werden.

Um weiterhin Bestand zu haben, setzt die Familie Friedberg auf Service: Kommissionsware, Post- und Lottogeschäft, Plattenservice und die Möglichkeit, ab einen bestimmten Einkaufswert Bargeld abzuheben.

Obwohl einige Kunden immer wieder meinen, der Markt dürfe auf keinen Fall schließen, prophezeit Heidelinde Friedberg dem Dorfladen-Geschäft keine rosige Zukunft: „Das wird aussterben.“

Zu hohe Investitionssummen, um die Betriebstechnik modern zu halten, würden neue Kredite bedeuten, die mit weiter sinkenden Kundenzahlen nicht getilgt werden könnten. Waren würden vorfinanziert, dazu kommen Reparaturkosten, Strom, Steuern und und und... Ein Teufelskreislauf, meint die 62-Jährige. Doch Aufgeben sei keine Option. Noch in diesem Jahr möchte sie den Supermarkt auf Sohn Daniel überschreiben. Auf die ältere Generation setzt er schon heute: „Weil die Älteren kaum mehr gehen können, bieten wir einen Bestellservice an. Den Einkauf bekommen sie dann geliefert.“  

 

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen