Gadebusch : Nach Schicksal kam Meeresrauschen

Die Gäste: Josef Weber, Armin Reuter, Martin Ollinger (v.l.) und Josef Hoffmann sowie Reinhold Ollinger bedankten sich bei Gadebuschs Bürgermeister Ulrich Howest.  Fotos: Katja Müller (2)
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Die Gäste: Josef Weber, Armin Reuter, Martin Ollinger (v.l.) und Josef Hoffmann sowie Reinhold Ollinger bedankten sich bei Gadebuschs Bürgermeister Ulrich Howest. Fotos: Katja Müller (2)

Von 1939 bis 1940 war Gadebusch ein neues Zuhause für Saarländer. Die Evakuierten erzählen noch heute von der Herzlichkeit

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09. Dezember 2014, 00:50 Uhr

Auf dieses Wiedersehen haben Martin Ollinger und seine saarländischen Freunde 75 Jahre gewartet. Denn genau so lange ist es her, dass er und einige der Herren das letzte Mal in Gadebusch waren. Und weil diese Zeit damals trotz der widrigen Umstände so herzlich war, haben sie sich auf den Weg gemacht. „1939 wurde unsere Heimat zur Kriegszone erklärt, wir konnten damals nur das Nötigste mitnehmen und mussten fast alles zurücklassen. Wir wurden evakuiert“, bringt Martin Ollinger es auf den Punkt. Bewusst erinnern kann er sich an diese Zeit nicht. „Ich war damals zehn Monate alt. Aber die Menschen in unserem Ort Büschendorf erzählen noch heute von der Zeit in Gadebusch“, sagt Martin Ollinger. „Wir kamen ja damals nur mit den Sachen, die wir teilweise auf dem Leib hatten. Doch die Menschen haben uns hier in Gadebusch sehr freundlich aufgenommen. Alle waren sehr herzlich“, erzählt Josef Hoffmann. Auch seine Erinnerungen sind sehr blass. „Deshalb wurde es höchste Zeit, dass wir endlich einmal dort hinfahren, wo man uns vor so vielen Jahren so lieb aufgenommen hat. Und ein Dankeschön verjährt zum Glück nicht.“ Und Danke gebe es für vieles zu sagen: Die größte Freude sei für die Evakuierten ein Ausflug an die Ostsee gewesen. „Viele hatten noch nie das Meer gesehen und konnten durch dieses Schicksal nun echtes Meeresrauschen hören.

Das haben sie nun getan und kamen nicht mit leeren Händen. Denn ihren Plan, einmal Danke zu sagen für das eine Jahr vom September 1939 bis zum Spätsommer 1940, untermauerten sie mit einer Urkunde ihrer Heimatgemeinde und einem Wappenteller. So bleibe künftig nicht nur Gadebusch ein Thema im saarländischen Büschendorf, sondern auch ein Stück Saarland im hiesigen Rathaus. Ob sich daraus eine Städtepartnerschaft entwickelt? Der Bürgermeister kann es nicht sagen. Aber eines ist für Ulrich Howest klar: „Das ist einer der schönsten Termine. Das hat man wirklich nur ganz selten, wenn nicht sogar nur einmal“, sagt er noch immer völlig überrascht und gerührt zugleich.

Ein paar Namen sind in den Erzählungen der vergangenen Jahrzehnte immer wieder aufgetaucht: „Es wurde von einer Familie Ahlers gesprochen, die hatten einen Kohlenhandel. Sie waren sehr freundlich“, erzählt Martin Ollinger beim Sichten der alten Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Die gibt es auch aus dieser Zeit. „Leider können wir nicht mehr alle Namen zuordnen. Diese schöne Gadebuscherin, deren Namen kennen wir beispielsweise leider nicht“, sagt Ollinger und zeigt auf eine junge Dame mit kartiertem Rock.

Ob die Herren noch einmal aus dem nordwestlichsten Zipfel des Saarlandes nach Gadebusch kommen, ist offen. „Wir sind nicht mehr die Jüngsten, kommen aber sehr gern mal wieder“, sagt Martin Ollinger.

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