Neue Saison : Musik von Welt im Kloster Rehna

Viel Beifall gab es für „Samson Schmitt and Friends“ in Rehna. Fotos: Patricia Lösche
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Viel Beifall gab es für „Samson Schmitt and Friends“ in Rehna. Fotos: Patricia Lösche

Moderne Sintiklänge mit „Samson Schmitt and Friends“ eröffnen das neue Musikjahr

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17. Februar 2014, 00:15 Uhr

Mit Sinti-Swing und Jazz von „Samson Schmitt and Friends“ eröffnete der Klosterverein Rehna das neue Veranstaltungsjahr. Das Konzert beginnt mit einer Hommage an Django Reinhardt, dem großen Virtuosen und Urvater moderner Sinti-Musik. Es folgen Stücke aus Musicals wie „Hello Dolly“ und es endet furios in einer spontanen Jam-Session mit Meny Wappler aus Lübeck, die die Besucher im gefüllten Gerichtssaal des Klosters zu Standing Ovations von den Sitzen reißt. In den zwei Stunden, die dazwischen liegen, entführen Weltklasse-Gitarrist Samson Schmitt (Sologitarre), Nini Winterstein (Rhythmusgitarre) und Christian Schwaß (Kontrabass) die Zuhörer in ihre mitreißend-rhythmische Klangwelt.

Schmitts Sologitarre erzählt Geschichten: Mal im Plauderton, sanft, schmeichelnd, zuweilen melancholisch und sinnlich-verträumt, dann plötzlich zornig, temperamentvoll, fast wütend. Schmitts Augen sind meist geschlossen, es ist, als würde er Bilder an sich vorüber ziehen lassen, während seine Finger über die Saiten seiner Akustik-Gitarre hüpfen und springen, gleiten, wandern oder sprinten, je nachdem, welche Geschichte er erzählt. Manchmal scheint er zwei, drei Instrumente gleichzeitig zu spielen. Rhythmusgitarre und Kontrabass folgen sensibel, bestätigen die Erzählungen in ihrer Weise, fragen nach, ergänzen, nur gelegentlich unterstützt durch eine kurze Vokaleinlage von Kontrabassist Schwaß.

Gerade noch sitzen die Zuhörer dabei an einem lauen Sommerabend in Gedanken versunken unter Bäumen. Sekunden später wandern sie den Klängen der Musik folgend im Sturm die Küste entlang, schlendern über eine Blumenwiese oder rasen im Ferrari über die Rennbahn: Sinti-Musik ist Erzählmusik, Traditionsmusik, Küchentisch-, Kneipen- und Konzertsaal-Musik gleichzeitig. Sie ist Alltag und Lebensinhalt, Musik, die in der Familie von Generation zu Generation weitergereicht wird wie ein wertvolles Erbstück. Lernen von den Vorvätern wird bei den Sintis groß geschrieben.

„Ich kann keine Note lesen, ich spiele nur nach Gehör“, sagt Samson Schmitt in gebrochenem Deutsch. Seine Muttersprache ist Französisch, trotz des deutschen Namens. Als Sechsjähriger bekam er vom Vater Dorado, ebenfalls ein bekannter Musiker, seine erste Gitarre. Im Familienkreis saß man zusammen und machte Musik, der Sohn sah dem Vater auf die Finger, während der spielte. „Von ihm habe ich alles gelernt. Jetzt gebe ich es an meine Kinder weiter.“ Auch sein Sohn spielt Gitarre, die achtjährige Tochter singt.

Sinti-Musik lebt von der Improvisation. Sie transportiert die Tagesform, übersetzt die Atmosphäre, die Spieler sprechen über ihre Instrumente miteinander. Ein kleiner Spickzettel mit den Namen der Stücke liegt auf dem Boden, gelegentlich ein Blick, ein Nicken: Mehr braucht es nicht für die Verständigung. Dann nehmen die Dinge während des Spiels ihren Lauf, Fragen und Antworten, reden und zuhören werden zu Musik.

Es war bereits das zweite Mal, dass „Schmitt und Friends“ in Rehna auftraten. „Ich war schon im letzten Jahr hier“, erzählt Marten Reibert aus Rehna mit leuchtenden Augen. Fasziniert folgt er den Fingern von Schmitt über die Saiten. Mit seinen elf Jahren ist er der Jüngste im Saal. Seit fast fünf Jahren spielt er Gitarre, „aber klassisch“. Sein Berufsziel: Musiker. Er ist nicht der einzige „Wiederholungstäter“ unter den Zuhörern. Am Ende fasst es Eva Doßmann, Vorsitzende des veranstaltenden Klostervereins, zusammen: „Die große, weite Welt hat Rehna gestreift.“




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