Archäologisches Landesmuseum gefordert : Museumsdebatte neu entfacht

Etwa 30 Zentimeter tief im Boden entdeckte Olaf Wiegel bei Gadebusch eine Bronze-Fibel aus dem 1. Jahrhundert.  Links im Bild ist ein Siegelstempel aus dem 19. Jahrhundert.Michael Schmidt
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Etwa 30 Zentimeter tief im Boden entdeckte Olaf Wiegel bei Gadebusch eine Bronze-Fibel aus dem 1. Jahrhundert. Links im Bild ist ein Siegelstempel aus dem 19. Jahrhundert.Michael Schmidt

Mit neuen Funden und Aktionen ist in MV die Debatte um ein Archäologisches Landesmuseum neu entfacht worden. Vor allem ehrenamt liche Bodendenkmalpfleger machen Druck und nehmen das Land in die Pflicht.

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03. Mai 2012, 06:41 Uhr

Wakenstädt | Mit neuen Funden und Aktionen ist in MV die Debatte um ein Archäologisches Landesmuseum neu entfacht worden. Vor allem ehrenamt liche Bodendenkmalpfleger machen Druck und nehmen das Land in die Pflicht. Denn was sie im nordöst lichsten Bundesland fänden, müsse gezeigt werden und sei für das Depot viel zu schaden, meint beispielsweise Olaf Wiegel aus Wakenstädt. Der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger entdeckte in der Nähe von Gadebusch eine Bronze-Fibel aus dem 1. Jahrhundert. "Fibeln wie diese waren quasi Vorläufer der Knöpfe, waren Gebrauchsgegenstand und Modeschmuck. Das Besondere hieran ist, dass sie heil geblieben ist", sagt Wiegel.

Bei einer weiteren Suche fand der 51-Jährige einen Siegelstempel aus dem 19. Jahrhundert. Er enthält eine französische Umschrift und eine Sonnenblume. "Der Stempel könnte einem Bessergestellten gehört haben, der Dokumente zu versiegeln hatte", verdeutlicht Olaf Wiegel. Nach seinen Angaben gehen die Funde an das zuständige Landesamt. "Leider verschwinden sie im Depot, was wiederum viel zu schade ist", so Wiegel.

Ähnliche Erfahrungen machen ehrenamt liche Bodendenkmalpfleger seit etwa zwei Jahrzehnten in MV. Denn das nordöstlichste Bundesland ist das einzige, das über kein Archäologisches Landesmuseum verfügt. Das solle sich ändern, fordern immer mehr ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger. Sie starteten aus diesem Grund eine Aktion, bei der Postkarten an Landespolitiker verschickt werden. Auf den Karten abgebildet sind aktuelle Funde, die den Reichtum des Landes an historischen Schätzen dokumentieren. Von diesen Karten gingen 2500 Exemplare mit 24 Motiven in den Druck. "Sie sollen eine nette Erinnerung daran sein, dass es in MV kein Archäolo gisches Landesmusem gibt, in dem die Schätze, die dieses Land birgt, ausgestellt werden können", sagt Dr. Carsten Schmoldt. Der Klützer ist wie der Wakenstädter Olaf Wiegel einer von mehr als 300 ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegern in MV.

Dass der Ruf nach einem Archäolo gischen Landesmuseums lauter wird, verwundert Nordwestmecklenburgs Kreis-Denkmalpfleger Jens Parschau nicht. "Die ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger leisten eine unermüdliche Arbeit. Für sie ist es auch eine Bestätigung ihrer Arbeit, wenn ihre Funde nicht im Landesdepot bleiben, sondern in aktuellen Ausstellungen zu sehen sind", sagt Jens Parschau.

In Depots lagern historische Schätze wie beispielsweise das "Horn von Wismar", bei dem es sich um ein Trinkgefäß handelt. Es war einst beim Torf stechen gefunden worden und ist Bestandteil einer der umfangreichsten Sammlungen zur Bronzezeit im nördlichen Mitteleuropa. Dass MV als Tourismusland auch damit wuchern könnte, ist bei Denkmalpflegern unstrittig. "Man kann sich in anderen Bundesländern anschauen, dass archäologische Ausstellungen eine hohe Anziehungskraft haben", verdeutlicht der Landesarchäologe Dr. Detlef Jantzen.

Wann Mecklenburg-Vorpommerns historische Schätze in einem Archäologischen Landesmuseum präsentiert werden, ist weiterhin offen. Der Sprecher des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Henning Lipski, erklärte gestern auf SVZ-Anfrage: "Konkrete Planungen für ein Archäologisches Landesmuseum gibt es derzeit nicht. Im Entwurf des Doppelhaushalts 2012/2013 sind für eine entsprechende Umsetzung auch keine Mittel vorgesehen." Nach seinen Angaben ist das vorrangige Ziel die Dekontaminierung der archäologischen Funde in Wiligrad. Darüber hinaus sollen in der Schweriner Stellingstraße Werkstätten und Depots gebaut werden, wo die archäolo gischen Funde künftig aufbereitet und sicher gelagert werden können. Ein Architektenwettbewerb zu diesem Bauvorhaben sei im März dieses Jahres ausgelobt worden.

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