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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

25. November 2017 | 05:11 Uhr

Schloss Gadebusch : Münzstadt vor Herkulesaufgabe

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Die Sanierung des ersteigerten Renaissanceschlosses könnte mindestens zehn Millionen Euro kosten.

von
erstellt am 20.Okt.2017 | 20:45 Uhr

Nach der gewonnenen Bieterschlacht um das Gadebuscher Schloss haben Einwohner der Stadt und umliegender Orte an historischer Stätte die Korken knallen lassen. Sie stießen während eines kulinarischen Stadtrundgangs auf dem Schlossberg mit einem Gläschen Sekt an und waren froh, dass die Stadt dieses Denkmal im Zuge einer Zwangsversteigerung zurückeroberte.

Die Sanierungskosten werden auf mindestens zehn Millionen Euro geschätzt. Trotz dieser Summe sind Einwohner der Stadt zuversichtlich, dass ihr Schloss einmal in neuem Glanz erstrahlen könnte. „Man muss irgendwann anfangen und Visionen entwickeln. Erste Ideen gibt es für dieses Schloss“, sagt der Gadebuscher Gerhard Schotte. Engagierte Menschen in anderen Orten hätten einst auch Visionen wahr werden lassen.

Dass die Münzstadt Eigentümerin des jahrhundertealten Renaussanceschlosses wurde, stimmt auch den Carlower Manfred Nagel positiv. „Mit traurigem Auge haben wir lange genug ansehen müssen, wie das Schloss verfallen ist“, sagt Nagel. In den 1970er-Jahren hatte er vier Jahre lang als Internatsschüler darin gelebt. Genauso wie die damalige Stoverin und heutige Gadebuscherin Gerda Kobel. Es sei wunderbar, dass endlich etwas mit dem Schloss passiere. Der Bülower Manfred Görtz hofft, dass das Schloss nicht nur die Stadt, sondern eine ganze Region voranbringen könnte. „Richtig angepackt, könnte es zu einem Wirtschaftsfaktor werden“, meint Görtz. Ein erstes, grobes Nutzungskonzept existiert bereits.

Trotz positiver Reaktionen gibt es auch kritische Stimmen. „Ich freue mich nicht, dass wir das Schloss haben“, sagt der Gadebuscher Hartwig Meyer. Aus seiner Sicht sei dies eine Nummer zu groß für Gadebusch. „Selbst wenn das Land die Sanierung mit 90 Prozent fördern würde, bleiben immer noch zehn Prozent Eigenmittel für die Stadt“, sagt Meyer. Außerdem müsse das Schloss künftig wirtschaftlich unterhalten werden. „Mir wäre es daher am liebsten gewesen, wenn das Land dieses Schloss gekauft hätte und es nach einer Sanierung wie Schloss Bothmer betreiben würde“, so Meyer.

Für 220 100 Euro wurde die Stadt bei einer Zwangsversteigerung in Grevesmühlen Eigentümerin des Schlosses, das seit Jahren leer stand und immer mehr verfiel. Bürgermeister Ulrich Howest kündigte an, Notsicherungsmaßnahmen an dem Gebäude vornehmen lassen zu wollen. Schäden gebe es teilweise an Fenster und Türen, am Westgiebel regne es zudem rein. „So hätte es auf keinen Fall weitergehen können“, verdeutlicht Howest. Die Stadt wolle erreichen, dass das Schloss zu einem Denkmal von nationaler Bedeutung werde. Sie setzt zudem auf Fördermittel.

Im 12. Jahrhundert diente die Burg, an deren Stelle sich heute das Schloss befindet, mecklenburgischen Fürsten als Residienz. Im 16. Jahrundert wurde das Hauptgebäude der Burganlage zu einem Renaissanceschloss nach Vorlage des Wismarer Fürstenhofs und Teilen des Schweriner Schlosses umgebaut. Es verfügt unter anderem über Terrakottaschmuck an Fassaden, Giebeln und im Innern des Schlosses. Dieser war im 16. Jahrhundert von dem Lübecker Ziegelbrenner Statius von Düren geschaffen worden.

Der Gadebuscher Kulturausschussvorsitzende Klaus Leuchtemann betont: „In diesem Schloss wurde Geschichte geschrieben. 1675 verhandelten hier der dänische König Christian V. und der Kurfürst Friedrich Wilhelm aus Brandenburg ein Bündnis gegen die Vorherrschaft der Schweden im Ostseeraum. Im 19. Jahrhundert diente das Schloss als Amts- und Gerichtsgebäude mecklenburgischer Herzöge und Großherzöge.“

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