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Letzter Experte in MV : Mühlen sind lebendiges Kulturgut

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Martin Zecher ist letzter Mühlenbauer in MV / Der 45-Jährige hofft, einem Wandergesellen Wissen und Können weiter zu geben

von
erstellt am 27.Jul.2015 | 12:00 Uhr

„Wind- und Wassermühlen sind ganz wichtige Denkmäler unserer Geschichte. Sie sind lebendiges Kulturgut, das es zu bewahren gilt“, beschwört Martin Zecher. Der 45-Jährige ist in Mecklenburg-Vorpommern der letzte und einzige Fachmann für die historischen Gebäude, die früher einmal lebenswichtige Aufgaben hatten. Nämlich das Mahlen des bäuerlichen Getreides zu Mehl, um Brot und Kuchen backen zu können.

Von seinem Vater und Meister Hans Jürgen habe er das seltene Handwerk 1986 gelernt, erinnert sich der junge Mann, der zupacken kann. Das beweisen nicht nur die muskulösen Oberarme und der schraubstockartige Willkommensgruß seiner rechten Hand, sondern auch die Liste der Mühlen, an denen er bisher seine Fachkenntnisse unter Beweis stellen konnte. „Ich denke, es waren so um die 50 Wind- und Wassermühlen in ganz Deutschland und Dänemark, an denen ich seit meiner Selbstständigkeit mitgearbeitet habe“, sagt Martin Zecher. Dabei betrage das Arbeitspensum einige Tage bis mehrere Jahre, je nach vorhandenem Geld.

„Der Trend geht wieder dahin, die Mühlen erleb- und nutzbar zu machen. Schau-mahlen ist ganz groß im Kommen“, berichtet der Mühlenbauer im SVZ-Gespräch in seiner Werkstatt, einer Feldsteinscheune am Ortseingang von Harst. „Ersatzteile findet man entweder in alten Ruinen oder bekommt sie bei Abrissarbeiten angeboten. Was aus Holz ist, kann man nachbauen. Meine Metall- und Schmiedearbeiten macht Peter Schrapers aus Wittenburg. Ich arbeite auch noch mit zwei anderen Mühlenbau-Firmen zusammen.“ Kiefer, Eiche, Lärche, Douglasie, Esche und Weißbuche seien die Baustoffe, mit denen er arbeite, zählt Zecher auf. Dass er das historische Mahlwerk der kürzlich sanierten Wittenburger Erdholländermühle wieder flott gemacht habe, erwähnt er ganz bescheiden nur am Rande.

Zu Aufträgen komme er meist über Mundpropaganda, was ja auch für zufriedene Kunden spreche. „Sie sind oftmals in Mühlenvereinen organisiert, so wie ich ja auch Mitglied im Wittenburger Förderverein bin“, berichtet Zecher, der übrigens auch stellvertretender Vorsitzender des Landesmühlenvereins ist sowie im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (DGM) e.V. mitarbeitet. Seit über 25 Jahren bemühe sich dieser rund 3000 Mitglieder zählende Verein um die fachgerechte Erhaltung und Nutzung historischer Mühlen als Zeugen der jahrtausende alten Technikgeschichte.

Ein wenig mit Sorge schaut Martin Zecher schon in die Zukunft, wenn es um die Weitergabe seines Wissens und Könnens geht. Denn Lehrlinge ausbilden, das darf er nicht. „Ich hoffe darauf, dass vielleicht mal ein Zimmermannsgeselle oder Tischler auf Wanderschaft vorbei kommt und bleibt, weil er ebenso wie ich, vom Virus des Mühlenbaus infiziert wird.“

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