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Vietlübbe/Schwerin : Motoren-Verbot verärgert Angler

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Die Petrijünger am Vietlübber See bei Dragun sind verärgert. Denn der Einsatz umweltfreundlicher Elektro-Motoren auf Gewässern in Nordwestmecklenburg kann für Sportangler in Zukunft teuer werden.

svz.de von
erstellt am 24.Jun.2013 | 07:00 Uhr

Vietlübbe/Schwerin | Die Petrijünger am Vietlübber See bei Dragun sind verärgert. Ein Fischereiaufseher hat unter der Androhung, die Polizei holen zu wollen, Angler bei der Ausübung ihres Hobbys unter Druck gesetzt. Streitpunkt war der Einsatz von Elektroboots-Motoren. Auf diese müssen nicht allein die Angler im Nordwestkreis verzichten.

Eigentlich ist das nicht neu, aber seitdem der Landesanglerverband Mecklenburg-Vorpommern (LAV) in seiner neuen Satzung explizit auf den Gesetzestext hinweist, gibt es im Nordwestkreis verstärkte Kontrollen. So wird der Einsatz der als umweltfreundlich geltenden und kaum hörbaren Motoren nicht weiter stillschweigend hingenommen, sondern verfolgt. Das bekamen die Mitglieder des Angelvereins Vietlübbe zu spüren. Gewässerwart Mathias Sowada berichtet von einer verbalen Auseinandersetzung: "Am 1. Juni wurde einem Mitglied nahegelegt, nicht mit einem E-Motor abzulegen." Jetzt herrscht Verunsicherung, denn über Jahre gab es keine Einschränkung am See, der ohnehin nur mit Booten von Vereinsmitgliedern befahren werden darf.

Bei einem Vor-Ort-Gespräch ist Vereinschef Reno Gottschalk aufgebracht: "Hier muss etwas im Sinne der Sportangler geschehen." Er hält Kontakt zur Bürgermeisterin Sabine Schirrmeister. Die wiederum sucht nach Antworten und Lösungsmöglichkeiten beim Landesanglerverband und bei der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Nordwestmecklenburg. Bislang ohne Erfolg.

Die Lösung des Problems scheint schwierig. Mario Voigt als stellvertretender Geschäftsführer beim LAV kennt das Problem: "Wir haben den Hinweis zu den Bootsmotoren nicht aus Böswilligkeit aufgenommen." Man wolle in erster Linie informieren, denn in den Köpfen habe sich "der Irrglaube festgesetzt, dass die E-Motoren generell umweltfreundlich und frei verwendbar sind". So unterscheidet der Gesetzgeber nicht zwischen Verbrennungs- und E-Motoren. Im Gesetzestext heißt es: "Das Befahren von Gewässern mit Motorfahrzeugen bedarf der Genehmigung durch die Wasserbehörde." Eine Ausnahme bilden die Bundeswasserstraßen. Dort dürfen seit Herbst ver gangenen Jahres Touristen und Angler führerscheinfrei Verbrennungsmotoren bis 15 PS einsetzen. Der E-Motor am "Haussee" bleibt zum Ärger der Einheimischen verboten. Aus Vietlübber Sicht ein Widerspruch.

Der LAV mit seinen 43 000 Mitgliedern will vermitteln und überreichte auf seiner Landeskonferenz ein Positionspapier an das zuständige Umweltministerium. Voigt: "Unser Vorschlag beinhaltet die begrenzte Nutzung von Motoren bis 1000 Watt." Der LAV setzt dabei auf die bevorstehende Novellierung des Wassergesetzes in MV und die Unterstützung durch das Ministerium. Man habe an das Umweltministerium und Minister Till Backhaus appelliert, "an die Menschen in MV zu denken". Voigt kündigte zudem Gespräche mit dem Tourismusverband an. Angler, die mit E-Motoren auf Seen unterwegs sein wollen, müssen somit den Weg zur Unteren Wasserbehörde des Landkreises aufnehmen. "Dort besteht die Möglichkeit auf eine Ausnahmegenehmigung", sagt Voigt.

In Wismar und Gevesmühlen berufen sich die Verwaltungsmitarbeiter auf den Gesetzestext. So erhielt bereits im Januar ein Angelverein aus Warin eine Absage. In einem der SVZ vorliegendem Schreiben stehen für die Untere Naturschutzbehörde "naturschutzrechtliche Anforderungen" einer Genehmigung entgegen. Sie bezeichnet das Anliegen als "nicht erforderlich und verhältnismäßig" zumal es sich um ein "Landschaftsschutzgebiet Seengebiet Warin Neukloster im Naturpark Sternberger Seenland" handelt. Die Behördenmitarbeiter befürchten zudem "Störwirkungen" und bei einer Allgemeinverfügung eine "erhebliche Zunahme und Ausdehnung des Bootsverkehres".

Der Vietlübber Vereinschef Reno Gottschalk kann da nur den Kopf schütteln. " Auf unserem See dürfen ohnehin nur Vereinsmitglieder mit dem Boot fahren. Außerdem ist die Zahl der Mitglieder begrenzt." Von den gemeldeten 50 Booten liegen lediglich 20 an den Steganlagen. "Wenn es hoch kommt, dann sind maximal zehn Boote auf dem See unterwegs", sagt Gottschalk.

Auf Anfrage der SVZ reagiert die Untere Wasserbehörde des Nordwestkreises ähnlich wie im Fall Warin mit Formulierungen aus dem Wassergesetz mit dem Hinweis auf Ausnahmegenehmigungen in begründeten Fällen. Sprich: Antrag ausfüllen, Skizze vom Gewässer mit Bootssteg eintragen und vorhandene ärztliche Atteste beilegen, die sich für eine Fahrt mit E-Motoren unterstützend auswirken können.

Auf die Möglichkeit der Allgemeinverfügung weist auch das Umweltministerium gegenüber der SVZ hin. Macht aber deutlich, dass bei "regelkonformer Anwendung der Bestimmung durch die Untere Wasserbehörde auch kein Ermessungsspielraum für eine Besserstellung von Elektroantrieben gibt". Welche Priorität das Anliegen des LAV im Tourismusland MV hat, bleibt unbeantwortet. In puncto Novellierung des Landeswassergesetzes teilt die Pressestelle

mit, dass ein "Entwurf sich in der Hausabstimmung befindet". Aus Sicht der Petrijünger heißt es nun auf "breiter Front weiterrudern", statt mit Elektrobootsmotoren übers Wasser zu gleiten.

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