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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

24. Oktober 2017 | 11:47 Uhr

Wismar : Möbel nach „Schnittmusterprinzip“

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Jungunternehmerin Lilja Walker kombiniert altes Holz mit modernen Materialien. Werkstatt und Büro sind im Aufbau

svz.de von
erstellt am 21.Jan.2014 | 00:00 Uhr

Babybettchen, Gästebett, Hochbett, Schreibtisch, Schrank, Weinkistenkommode, eine Werkstattbank oder eine ganze Küchenzeile – mit einer ungewöhnlichen Möbelidee macht eine Wismarerin Karriere: Lilja Walker (38).

Was passiert, wenn eine Tischlergesellin Industriedesign studiert und sich entscheidet, in puncto Möbelbau ihre eigenen Wege statt der vorgefertigten zu gehen? „Industriedesign heißt, ein Möbelstück so runter zu kürzen, dass es 700 000 Menschen gefällt“, erklärt diese Tischlergesellin mit dem Designdiplom und dem ungewöhnlichen Namen als Markenzeichen.

Lilja Walker (38) aus Wismar hat gemerkt, dass diese Art des Designs sie nicht reizen würde. Sie hat sich 2006 mit ihrem eigenen Weg des Möbeldesigns selbstständig gemacht, zwischendurch zwei Kinder bekommen und die Zeit genutzt, um ihre Designsprache, ihre Idee weiter zu optimieren.

Das Ergebnis ist ihre „dynamische Kollektion“. Etwas, was sich eigentlich widerspricht. Die Kollektion als preiswerte Massenware aus dem Möbelhaus, das Dynamische, das Kundenspezifische als wertvolles Einzelstück vom Tischler. Die Möbel von Lilja Walker sind irgendwo, irgendwas dazwischen. Sie macht „Schnittmustermöbel“. „Wie ein Textildesigner Kleidung entwirft“, erklärt sie. So ähnlich funktioniert das auch in der Werkstatt von Lilja Walker. Ihre „Kollektion“ sind die Entwürfe im Computer, die nach den Kundenwünschen und -maßen angepasst werden. Eine Fachfirma aus Wismar sägt die Einzelteile materialsparend mit einer CNC-Fräse aus der so genannten Multiplexplatte. „Ein Schichtholz, das kreuzweise verleimt ist“, erklärt die Tischlergesellin und schwärmt von den guten Eigenschaften des Materials, der Langlebigkeit und dem Holzcharakter.

Das Moderne, schlichte des Materials betont sie gerne mit weißer Farbe. Und sie kombiniert es mit altem Holz. Alten Schubladen, alten Bretter aus Haussanierungen. Die Patina des Alten als Gegenpol zur glatten Holzfläche. „Solch ein Holz erzählt immer eine Geschichte“, so die Designerin. Ihr Ansatz in der Formgebung: „Ich versuche, dass es echt und ehrlich ist, das es nichts vortäuscht. Unsere Möbel sind schließlich unsere kleinen Architekturen, zeigen unseren Way-Of-Life, begleiten uns Tag und Nacht.“

In zwei ehemaligen Garagen im Turnerweg 11a steht ihr Werkstattatelier zwischen Tischlerei und Designbüro. Noch baut sie die CNC-gefrästen Einzelteile ihrer Möbel selbst zusammen, gibt den Stücken mit viel Liebe zum Detail per Hand den letzten Schliff. Auch wenn der Kundenstamm wächst, noch könnte sie nicht vom eigenen Einkommen leben. „Ich bin noch in der Entwicklungsphase“, so die junge Unternehmerin. Aber es entwickelt sich.

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