unsere hilfe für die tafeln : Mittwochs gibt es die Tafel-Kisten

Neue Ware: Dieter Holst (l.) und Uwe Schwiering füllen den Kühlraum auf.
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Neue Ware: Dieter Holst (l.) und Uwe Schwiering füllen den Kühlraum auf.

In Gadebusch packen viele fleißige Helfer mit an, damit Bedürftige Essen auf den Tisch bekommen, das sie sich sonst nicht leisten können

svz.de von
12. Dezember 2013, 00:45 Uhr

Elvira Horst packt mit an. Das macht sie immer so, wenn der Wochentag Mittwoch heißt. Anpacken, das ist für die 63-Jährige Ehrensache. Und so steht die gebürtige Russin an diesem feuchten Dezembertag in einem kalten Raum in einem der grauen Nebengebäude des ehemaligen SED-Kreissitzes in Gadebusch, um Lebensmittel in Kisten zu packen. Die Regale an den betagten Wänden sind voller Kisten, auf denen Namen von Familien stehen, die sich am Nachmittag geduldig in eine Schlange stellen werden, um diese Kisten abzuholen. Ein Euro werden sie pro Kiste bezahlen und sie bekommen dafür Gemüse, Obst und Milchprodukte, die sie sich selbst nicht immer leisten können. Aber es gibt die Schweriner Tafel mit ihrer Außenstelle in Gadebusch, die einmal pro Woche Nahrungsmittel an Bedürftige verteilt. Keinen Job, den haben viele von den Bedürftigen. Oder sie haben eine Arbeit, deren Lohn so gering ist, dass er vom Amt aufgestockt werden muss. Viele Ältere sind dabei, deren schmale Rente sie zur Tafel gehen und sich in die Schlange einreihen lässt.

Die Ware ist da. Ein örtlicher Bäcker hat schon Brot und Kuchen gebracht, einige Privatleute haben ihre Lebensmittelspenden abgegeben. Der Fahrer von der Schweriner Tafel hat am Morgen auch schon angeliefert. Immer montags und mittwochs kommt der Löwenteil, kommt das, was die großen Lebensmittelgeschäfte nicht mehr verkaufen wollen, weil das Verfallsdatum in Kürze erreicht ist oder gerade eben überschritten wurde. „Aber es ist alles noch genießbar“, sagt Uwe Schwiering. Schwiering ist 55 Jahre alt, gelernter Instandhaltungsmechaniker und arbeitet heute als Ein-Euro-Jobber, der die Annahme, Verpackung und Ausgabe bei der Gadebuscher Tafel organisiert. „Hier lagert die Kühlware“, sagt Schwiering und zeigt in einen fensterlosen Raum, an dem sich links Faltkisten mit Salat türmen und rechts Kühl- und Gefrierschränke Milchprodukte oder Fisch frisch halten. Eine Tür weiter sind die Ehrenamtlichen Elvira Horst, Cornelia Holst, Anja Tiede, Cornelia Holst und Christine Jürgens damit beschäftigt, alles so zu portionieren und gerecht zu verteilen, dass für alle der 85 an diesem Tag angemeldeten Familien und Einzelpersonen eine ausgewogene Wochenration dabei ist. Blumenkohl und Salat, Kräuter und Schaumküsse, Marmelade und Joghurt – auch Sylvia Stolte packt die Kisten voll. Sie ist schon ganz früh auf den Beinen gewesen, denn für die Ein-Euro-Jobberin fängt der Tag immer damit an, dass sie in der Förderschule Gadebusch rund 40 Frühstücksstullen schmiert. Förderschule, Mädchentreff und Kindergarten Jarmstorfer Straße – auch sie werden von der Tafel mit Lebensmitteln unterstützt.

Der Geruch von Orangen liegt in der Luft. „Um Weihnachten ist immer viel Obst da“, weiß Uwe Schwiering. Und seit die eigenen Tafelgärten Bohnen, Zwiebeln, Gurken oder Kartoffeln abwerfen, gibt es saisonal sogar auch ganz frisches Gemüse. „Aber einige Sachen sind immer Mangelware“, weiß Tafel-Helferin Anja Tiede. Wurst, Butter oder Fleisch – das reiche nie für alle Kisten. „Deshalb versuchen wir die, die in einer Woche leer ausgehen, in der Woche darauf wieder mit solchen begehrten Sachen zu berücksichtigen“, ergänzt die Ehrenamtliche.

Hunderte Kilo Lebensmittel für rund 270 Menschen sind jetzt verpackt. Sie sind, je nach Anzahl der Familienmitglieder, auch unterschiedlich groß. „Viele, die kommen, sind schon so lange bei der Tafel, wie ich hier arbeite“, sagt Elvira Horst, die seit rund zehn Jahren hilft, weil sie selber gerne unter Menschen ist und die Arbeit der Tafel als wichtig und sinnvoll erachtet. Manchmal sieht sie auch neue Gesichter in der Schlange vor der Ausgabestelle. „Die Zahl der Bedürftigen ist in den vergangenen Jahren gestiegen“, hat auch Uwe Schwierig festgestellt. Der Bedarf an Lebensmitteln auch, damit auch in allen Kisten genug Essen ist.

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