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Lankower Holz mit 15 Tonnen schwerer Forstmaschine durchforstet : Mit Spezialtechnik gegen Waldsterben

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Durchforstung lautet die Aufgabe von Jan Büttner im dichten Wald im Lankower Holz. Dabei werden kranke oder beschädigte Bäume mit einer 15 Tonnen schweren Forstmaschine entnommen, um den Bestand zu schützen.

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erstellt am 14.Dez.2011 | 10:18 Uhr

Dechow | Es dauert gerade mal ein paar Sekunden, bis der Baum zerlegt ist: Wie die Finger einer riesigen Hand packen die Greifer am Kranarm des "Harvesters", einer 15 Tonnen schweren Forstmaschine, den Stamm, bevor er von der integrierten Kettensäge abgesägt, mit einer Geschwindigkeit von vier Metern pro Sekunde durch den Fällkopf geschoben und schließlich direkt auf die richtige Länge zugeschnitten wird.

Zwei Bäume pro Minute schafft Jan Büttner vom Forstunternehmen Thomas Meyer, der gleichzeitig mit mehreren Tastaturen und Steuerungseinheiten sowohl die Forstmaschine als auch den computergesteuerten und hoch technisierten Fällkopf bedient, auf diese Art und Weise. Durchforstung lautet seine Aufgabe im dichten Wald im Lankower Holz. "Dabei werden kranke oder beschädigte Bäume oder solche, die wiederum andere Bäume bedrängen, entnommen, um den Bestand zu schützen", erklärt der Woitendorfer Revierförster Thomas Krüger. Mit pinker Farbe hat er im Vorfeld des Einsatzes von Büttner und seinem Harvester jene Bäume markiert, die gefällt werden sollen. "Es geht darum, die so genannten Zukunftsbäume, gesunde Bäume mit einem entsprechenden Stammdurchmesser, zu schützen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich zu entwickeln." Das Wichtigste dabei sei, dass die Krone des Baumes nicht von anderen bedrängt werde. "Ein ungepflegter Baumbestand ist instabiler als ein gepflegter", verdeutlicht der Förster. "Sind die Zukunftsbäume in einer bestimmten räumlichen Anordnung verteilt, dann stehen sie auch stabil."

Für den Landeswald wird die Durchforstung deshalb turnusmäßig nach einem konkreten Plan durchgeführt. Anders sieht es jedoch bei Privatwäldern aus. "Zwar ist es laut Waldgesetz Recht und Pflicht der Besitzer, ihr Waldstück ordnungsgemäß zu bewirtschaften. Zur Durchforstung sind sie allerdings nicht verpflichtet", erklärt Krüger. Er weiß aus seiner täglichen Arbeit, dass vielen Privatwaldbesitzern, die während DDR-Zeiten keinen Zugriff auf ihre Grundstücke hatten, die Bindung zu ihrem Stückchen Wald verloren gegangen ist. Doch die Folgen einer Vernachlässigung des Baumbestandes können massiv sein, verdeutlicht Revierförster Krüger und weist auf das Areal eines Privatwaldbesitzers, in dessen Mitte nach dem Durchforsten nun eine große Lücke klafft. "Hier war der Borkenkäfer drin", erklärt Krüger. Er werde vom Geruch absterbender Bäume angelockt. "Weil die Bestände hier sehr dicht sind, besteht jedoch die Gefahr, dass die Borkenkäfer auch auf gesunde Bäume übergehen, wenn die absterbenden Bäume vorher nicht entfernt werden", warnt der Förster. In einer solchen Situation darf er die Durchforstung auch anordnen. Dennoch appelliert Krüger lieber an das Verständnis und die Einsicht der Privatwaldbesitzer. Zumal die Konditionen, wie er betont, gerade im Moment günstig sind: "Die Durchforstung kann nicht nur kostendeckend, sondern bei den derzeitigen Preisen gewinnbringend durchgeführt werden. Davon profitieren die Besitzer in jedem Falle mehr, als wenn sie ihr Holz selbst verfeuern, was beispielsweise bei Fichtenbeständen auch absolut nicht sinnvoll ist."

Durchforstung alle vier bis fünf Jahre sinnvoll

Alle vier bis fünf Jahre empfehle er eine Durchforstung, sagt Krüger. Sie würde in aller Regel im Winterhalbjahr durchgeführt. "Damit sich der Einsatz des Harvesters überhaupt lohnt, muss eine bestimmte Menge an Holz vorhanden sein", erklärt er weiter. Deshalb sei die Durchforstung nur durchführbar, wenn Privat- und Landeswälder in einem bestimmten Areal gemeinsam bearbeitet werden. "Die Besitzer schließen dann mit dem Förster einen Vertrag über eine fallweise Betreuung, in dem genau festgehalten ist, was geschehen soll." Waldbesitzer, die sich über die Durchforstung informieren oder ihren Wald durchforsten lassen möchten, können sich an ihren zuständigen Revierförster wenden.

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