Rögnitz : Mit Pioniergeist in die Zukunft

Professor Henning Bomberg regte die Diskussion an.
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Professor Henning Bomberg regte die Diskussion an.

Das Leben auf dem Lande: Bürger diskutieren in Rögnitz über Chancen und Möglichkeiten

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24. November 2014, 23:16 Uhr

„Gemeinsam geht’s – Leben in der südöstlichen Schaalseeregion“, was selbstverständlich klingt, ist angesichts des demografischen Wandels für die Zukunft von Bedeutung. Die Gemeinde Rögnitz hatte zu einem Workshop mit der „Schule der Landentwicklung“ eingeladen. 35 Gäste aus den Dörfern der Region kamen. Initiatorin Dietlind Frieling eröffnete die Veranstaltung mit den Worten: „Es ist schon jetzt anders als geplant, also lassen wir uns überraschen, wohin der Tag uns führt“.

Doch anders als gedacht, kamen nicht nur Interessenten der drei Gemeindeteile Rögnitz, Bentin und Woldhof, sondern auch viele aus den umliegenden Dörfern wie Neuhof, Drönnewitz, Stöllnitz und Neuenkirchen. Auch sie beschäftigen die Themen: Mobilität in der Region, Miteinander der Generationen und Selbstbestimmt Altern – Lebensqualität in der zweiten Lebenshälfte. „Das Leben auf dem Dorf gestaltet sich nicht nur wegen der vorgestellten Idylle oder dem Gemüse aus dem eigenen Garten ganz anders als in der Stadt“, stellt Professor Henning Bomberg von der Universität Rostock, einer der beiden Referenten des Tages, fest. Der unmittelbare Einfluss jedes Einzelnen auf das gesellschaftliche Leben sei viel größer; vor allem vor dem Hintergrund der Veränderungen des dörflichen Lebens, die bereits stattgefunden haben und sich aufgrund der Auswirkungen des demografischen Wandels weiter bemerkbar machen werden.

Professor Bomberg stellte jede Menge Zahlen vor, die prognostizieren, dass nicht nur der Anteil der älteren Menschen in Deutschland immer größer wird, sondern dass es auch immer weniger Menschen gibt. Kleine Kommunen schrumpfen schneller als größere, und weniger Einwohner bedeuten weniger Steuergelder. Das wiederum wirkt sich unter anderem direkt auf die Finanzlage der Gemeinden aus. Zudem entwickelt sich Mecklenburg-Vorpommern vom jüngsten Bundesland der Wendezeit zum ältesten. Vor allem viele junge Frauen seien abgewandert und haben ihre Kinder woanders bekommen und diese Kinder bekommen ihre Kinder jetzt ebenfalls woanders.

Dorfleben hat auch positive Seiten. Das unterstrich Dr. Ute Fischer-Gaede, Regionalplanerin und Landschaftsarchitektin, in ihrem Vortrag: das Heimatgefühl, die Zugehörigkeit, die Nachbarschaft, das Miteinander. Sieglinde Schröder, Wirtin des Gasthauses zum See in Neuenkirchen, jedoch löst einen Erfahrungsaustausch aus, der zunächst in eine ganz andere Richtung führt. Sie merkt an, dass die Dörfer der Region aus der besonderen Situation heraus im Grenzgebiet oder sehr nahe am Grenzgebiet gewesen zu sein auch zu einer ganz anderen Dorfgemeinschaft seit der Wende führte. So war etwa Neuenkirchen zu DDR-Zeiten eine Sackgasse mit nur ein paar Häusern. Die Grundstücke waren nichts wert, weil sie im Sperrgebiet lagen. Heute sieht es dort ganz anders aus. Neue Häuser wurden gebaut und viele Hinzugezogene kommen aus den alten Bundesländern. Gemeinsam hätten Anfang der 1990er-Jahre alle Dorfbewohner, einheimische wie zugezogene, viel bewegt.

Ähnlich ergeht es anderen Dörfern. Die jungen Menschen ziehen für die Ausbildung in die Stadt, und von den neuen Bewohnern stammen viele aus „dem Westen“.

Willkommen und gut in die Nachbarschaft aufgenommen, fühlten sich alle, die von ihren Erfahrungen berichteten. Das Gesicht der Region veränderte sich jedoch nach der Wende aufgrund der besonderen Lage anders als in dörflichen Regionen, die weiter östlich in MV liegen.

So kommt auch Professor Bomberg nicht umhin zu bemerken: „Der Pioniergeist, der bei den Anwesenden allein hier im Saal mitschwingt, muss bewahrt werden. Das spürt man nicht oft und gemeinsam geht’s vorwärts.“



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