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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

19. Oktober 2017 | 05:52 Uhr

Wismar : Mit Knirps und Kinderwagen ins Kino

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Einmal im Monat treffen sich frisch gebackene Mütter in Wismar, um Filme zu gucken – mit ihren Babys

svz.de von
erstellt am 28.Jan.2014 | 14:45 Uhr

Das Wismarer „Kinderwagenkino“ ist längst zum Geheimtipp für Mütter mit Babys geworden, aber auch für Kinofans, die abends keine Zeit haben. Seit 2011 lädt das Wismarer Filmbüro jeden ersten Mittwoch im Monat zum gemütlichen Kinovormittag ein. Ein Angebot, dass in Großstädten wie Hamburg oder Berlin normal ist. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es in Rostock mittlerweile sogar ein zweites Kinderwagenkino.

„Hier braucht man kein schlechtes Gewissen haben, wenn der Lütte mal weint“, so Sidonie Pfifferling aus Neukloster. Die 33-Jährige war mit ihrem acht Wochen alten Sohn namens Bengt schon zum zweiten Mal im Kinderwagenkino. Laut schmatzend ließ der sich gar nicht stören vom Filmgeflacker, während Mama die Abwechslung genoss. „Schade, dass ich das nicht schon mit meiner großen Tochter gekannt habe!“, sagt sie. Sie kommt wieder, solange Bengt von der großen Leinwand noch nichts mitbekommt oder gar schon krabbelnd die Welt entdeckt. Für sie ist das „raus kommen“ wichtig, gleichzeitig freut sie sich über das regelmäßige „Futter für den Kopf“. „Das sind wirklich immer sehr gut ausgesuchte Filme, die ja sonst in Wismar kaum laufen“, so ihr Lob. Gerade hat sie beim preisgekrönten Film „Ich fühl mich Disco“ gelacht und geweint, ein Film, der zeigte, dass man auch ohne „Happy End“ glücklich sein kann. Auf den nächsten Film – siehe Infokasten – freut sie sich schon.

Genauso wie Anne Kautzky. Die 28-Jährige ist extra aus Gadebusch gekommen. „Das ist mein erster richtiger Ausflug alleine mit dem Kleinen“, so die junge Mama. Ihr Albert – sechs Wochen alt – verschlief an Mamas Schulter einen Großteil des Films. Nur eine frische Windel brauchte er zwischendurch – so sind Babys einfach. Aber das, was in normalen Kinos oder selbst in Restaurants oder Cafés oft böse Blicke der Mitmenschen hervorruft, gehört im Kinderwagenkino einfach dazu: Windel vollmachen, Pupsen, ein lautstarkes „Bäuerchen“, Schnarchen. Und auch mal lautstark Weinen. „So ein Kinderwagenkino ist schon etwas besonderes“, so Anne Kautzky. Und wenn die Freundin mit kommt, wird es zum gemütlichen Babyvormittag mit Kultur.

Sabine Matthiesen vom Filmbüro erklärt, wieso das Kino so wichtig ist: „Wir wollen auch jungen Familien den Kinobesuch ermöglichen, ohne immer gleich einen Babysitter organisieren zu müssen.“ Denn neben Schlafentzug gehört auch Kinoentzug zu den Begleiterscheinungen der Elternzeit. Mit Sesseln, die im Zweifelsfalle auch zum Stillen einladen, mit viel Platz für Autobabyschale und Kinderwagen, mit Stilltee, gedämmtem Licht und leiser gestelltem Filmton sorgen die Filmbüromitarbeiter für eine gemütliche Atmosphäre abseits des oft lauten, grellen Hollywoodkinos. So nutzt auch manch ein Rentner, die Schichtarbeiterin oder der Student, der abends anderes zu tun hat, die Chance auf das gemütliche Kino am Vormittag.

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