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Wandergesellen auf Poeler Kogge : Mit der "Wissemara" auf der Walz

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Koggengrüße aus der Ferne in die Heimat sind nichts Ungewöhnliches. Diesmal schon, denn zu den 15 Mitseglern und der elfköpfigen Besatzung der "Wissemara" gesellten sich kurzzeitig zwei Wanderburschen.

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erstellt am 03.Aug.2012 | 11:46 Uhr

Poel | Koggengrüße aus der Ferne in die Heimat sind nichts Ungewöhnliches. Diesmal schon, denn zu den 15 Mitseglern und der elfköpfigen Besatzung gesellten sich kurzzeitig zwei Wanderburschen. Die "Wissemara" befindet sich derzeit auf einer mehr als 500 Seemeilen langen Fahrt mit Kurs auf ausgewählte dänische und schwedische Häfen. "Abgefahren sind wir von unserem Heimathafen mit zwei zusätzlichen Gästen, Handwerker, die sich auf Wanderschaft befinden", so die nicht alltägliche Information. "Wir kamen als Fremde und gingen als Freunde", so das Fazit der beiden mehr als zwölfstündigen Seefahrt. Zuvor hatten weder Philip Grasse (30), genannt Puk und von Beruf Schreiner, noch sein Wanderbruder Tim Brunzendorf (27) und Maurer, nicht ansatzweise geglaubt, dass dies so unkompliziert möglich ist.

Von Hamburg aus direkt auf die Kogge

Nach ihrem letzten Aufenthalt beim Hamburger "MS Dockville" Kunstfestival setzten sie alles dran, um pünktlich im Wismarer Alten Hafen zu sein. Und das hatten sie gerade so geschafft. Zuvor peilten sie bereits ein neues, anspruchsvolles Reiseziel an: Norwegen oder Schottland. Da könnte das stattliche Holzschiff sie vielleicht bis Dänemark mitnehmen. Diese Idee kam ihnen bereits bei der Wismar-Durchwanderung in Richtung Elbestadt, wo sie am Alten Hafen die "Wissemara" entdeckten.

Eine freundliche Besatzung und ein baldiger Abreisetermin ausgerechnet nach Dänemark und Schweden begünstigten dies. Doch solch eine traumhafte Koggen-Kreuzfahrt mit schönen Reisezielen wie Malmö, Halmstad, Grena, Fredericia, Sönderburg war für die beiden nicht zu bezahlen. "Wir mussten da nicht groß überlegen, die beiden einfach so mitfahren zu lassen, denn die machten wirklich einen guten Eindruck und diese Handwerkertradition unterstützen wir gern", erinnert sich Achim Müller. Als Büroleiter und Vereinsvorstandsmitglied hatte er letztendlich die offizielle Reiseregistrierung vorzunehmen. Dass sie an Bord auch nicht hungern mussten, verstand sich von selbst. Als Dankeschön warteten die beiden jungen Leute mit etwas Schiffsnützlichem auf: einer selbst gefertigten Schale aus Mahagoni-Holz. Darin werden künftig die Trauringe zu den Eheschließungen an Bord präsentiert. "Eine nette Geste", freute sich Koggenkapitän Peter Samulewitz, der die Stücke dankend entgegennahm.

"Für uns und die Bordgäste waren Puk und Tim nette und interessante Reisebegleiter", fanden nicht nur Sylvia und Werner König. Das Pädagogenehepaar, welches seit langem der ehrenamtlichen Koggebesatzung angehört, sorgte mit Interviews und Bildern per Internetverbindung dafür, dass dieses besondere Reiseerlebnis auch zeitnah in der Heimat ankam. Dass die beiden Handwerker auf der Walz während der Überfahrt eine interessierte Zuhörerschar auf ihrer Seite hatten, verstand sich von selbst. Schließlich führten sie frühere Wanderstationen bereits bis nach Südostasien und Neuseeland. Interessant wäre für die beiden noch Japan oder die Transsibirische Eisenbahn, ließen sie verlauten.

Damit beantworteten sie unter anderem, ob es nicht dem Ehrenkodex von Wanderburschen widerspricht, mit Fahrzeugen oder per Schiff zu reisen. "Ganz und gar nicht, wenn weder für Reise noch Unterkunft bezahlt wird", so die beiden. Auch zur Verweildauer geben die Wanderschafts-Regeln Auskunft: "Spätestens dann, wenn der Postbote dich beim Namen nennt und der Hund des Nachbarn dich nicht mehr anbellt, musst du weiter ziehen", ließen die beiden humorvoll wissen. Wie lang ihre bisher zurückgelegten Distanzen waren, vermochten sie nicht zu schätzen. Doch die von Wismar bis zum Hafen Klintholm auf der dänischen Insel Moen kennen sie nun: exakt 78,2 Seemeilen oder fast 145 Kilometer. Seebeine sind ihnen auf dem schwankenden Koggendeck jedoch noch nicht gewachsen.

Doch dafür fühlten sie sich sehr gut aufgehoben zwischen dem wuchtigen Holz der Bordwände und einer liebenswürdig gastfreundlichen "Wissemara"-Besatzung. Denn dieses besondere Reise-Flair auf mittelalterlichen Spuren erlebten beide trotz ihrer Weltenbummler-Erfahrung bisher so nicht.

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