25 Jahre Grenzöffnung : Mit dem Trabi auf Westkurs

Andreas Wagner (2.v.l.) mit Streckenproviant bis zur Party für Daniel Kahns (3.v.r.)
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Andreas Wagner (2.v.l.) mit Streckenproviant bis zur Party für Daniel Kahns (3.v.r.)

Autokorso startet von Schlagsdorf nach Schlutup

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10. November 2014, 00:15 Uhr

Trabant 601 deluxe, mit heizbarer Heckscheibe, ausstellbare Fenster - nach zehn Jahren Wartezeit erhielt ein Arbeiter in der DDR seinen fahrbaren Untersatz mit derartiger Ausstattung. Der Staat ist verschwunden, aber 25 Jahre nach der Maueröffnung hat der Trabant seinen Charme nicht verloren - zumindest für echte Fans des DDR-Kultautos.

Leander Worm aus Gadebusch gehört dazu. Mit Freunden beteiligte er sich am gestrigen Sonntag am Autokorso anlässlich 25 Jahre Mauerfall. „Im Mai 1989 kauften wir den Wagen für 14375 Mark. Heute hat er 34 000 Kilometer auf dem Tacho und ist für mich eine unverkäufliche Erinnerung“, sagt Worm.

Damit steht er nicht allein. Hunderte Schaulustiger feierten bei dem von Daniel Kahns organisierten Trabantkorso mit. Sie erinnerten an die Maueröffnung und an den 12. November 1989, jener Tag an dem, der Grenzübergangs B 208/Mustin öffnete.

Gestern tourten die Trabantfans in Richtung Schlutup zur großen Party anlässlich der Maueröffnung. „Vorwärts immer, rückwärts nimmer“, ruft Kahns in die Runde, weist dabei mit gut sichtbarer Armbinde „Helfer der Volkspolizei“ den Weg. Die Menge applaudiert und startet den Zweitakter-Treck.

Andreas Wagner, Leiter des Grenzhuses, gab dem engagierten Kahn ein wenig Proviant mit auf den Weg. „Nehmt diesen Kuchen und die Flasche Sekt mit zur Feier in Schlutup.“ Eine Geste, die ankommt und für beste Stimmung am Start sorgt.

Den wollen Detlef Wellner, Sohn Christoph, Gerald Neuenhoff und Bernd von Ellen aus Thandorf und Rieps nicht versäumen. Technisch ist jedenfalls alles im Bestzustand. Detlef Wellner spricht von einem optimalen Karosserieschutz und 80 000 Kilometer Laufleistung - das reicht für zweimal um die Welt. „Der Wagen ist Baujahr 1988. Im Herbst ’89 war ich mit meinem Sohn dabei, als sich die Autokarawane über Mustin nach Ratzeburg zog“, so Wellner. Das Gefühl von damals könne er auch heute kaum beschreiben: „Niemand hat an solch einem Tag gedacht.“

Die Wende erlebte Stefan Rudat im Alter von neun Jahren. An Trabant fahren dachte er damals weniger. Heute lenkt er täglich einen Trabi von seiner Wohnung nahe Hamburg in die Metropole. „100 Kilometer täglich und er rollt“, so Rudat. Geboren in Eilenburg (Sachsen), wuchs er in Wismar auf, bevor er 2000 nach Hamburg ging. „Damals brauchte ich ein bezahlbares Auto, da kam der Trabant genau richtig“, so Rudat. Schlagsdorf sei für ihn ein Muss, der Saisonabschluss schlechthin und „einfach cool“.

Eine Resonanz, wie sie Veranstalter Kahns liebt. „29 Fahrzeuge sind angemeldet und begleiten uns.“ Auf der Strecke lenkten weitere Trabantfahrer ein, ähnlich wie im Herbst ’89. Ihr Ziel 2014 heißt Utecht und Schlutup, dort hat die Dorfgemeinschaft bereits den Grill für einen Empfang angeheizt.

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