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Dampfer "Bussard" : Mit Dampf durch die Wismar-Bucht

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Es ist nicht das erste Fahrzeug, welches noch unter der Kraft des Dampfes durch die Wismarbucht navigiert. Aber die "Bussard" gehört zu den nostalgischen Berühmtheiten der einstigen Dampfschifffahrt.

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erstellt am 27.Aug.2012 | 09:21 Uhr

Wismar | Es ist nicht das erste Fahrzeug, welches noch unter der Kraft des Dampfes durch die Wismarbucht navigiert. Aber die "Bussard" als ehemaliger Tonnenleger gehört zu den nostalgischen Berühmtheiten der einstigen Dampfschifffahrt. Mit 107 Jahren unter dem Kiel, davon 73 Jahre im aktiven Dienst und seit 2006 dank zahlreicher Freunde, Förderer und Sponsoren wieder in Fahrt, macht die Mitfahrt auf diesem maritimen Denkmal zu einem besonderen Erlebnis.

Kommen sie ruhig an Bord, sie stören nicht", so der erste Kontakt von der Pier über die Reling in Richtung Hafenbesucher. Die "Bussard" hatte gerade vor betagter Kulisse im Wismarer Alten Hafen festgemacht und fand sogleich Beachtung. Man saß gemütlich beim Feierabendbier auf dem Achterdeck und nicht zu übersehen waren jene, deren schweiß- und rußverklebte Gesichter eher an Kohlenträger oder klassische Schornsteinfeger erinnern. Aber ohne sie, die Heizer und die Maschinisten, dreht sich nichts auf dem dampfbetriebenen Tonnenleger.

Die 18-köpfige Besatzung zieht ehrenamtlich ein Stück Seefahrt wie in frühesten Zeiten nach. Dafür ist das Zusammenleben an Bord mehr als anderswo geprägt von Kameradschaft und Teamgeist. "Fahren sie doch einfach die nächste Gästetour mit und erleben sie unsere alte Lady in Aktion", so das freundliche Angebot von Olaf Köppen (47), der erste Mann an Bord. Seit der Jungfernfahrt ist er dabei und im richtigen Leben Schlepperkapitän in Kiel. Sein zweiter Mann auf der Brücke ist Thomas Dietrich, ansonsten Lotse im Revier des Nord-Ostsee-Kanals.

Die Pause ist um. Ein gellender Pfiff mit Dampfwolke aus dem Signalhorn kündet weit hörbar vom Ablegen des maritimen Zeitzeugen. Kommandos dringen durch die geöffnete Tür von draußen in das Ruderhaus mit gepflegtem Holz. Der blank geputzte Maschinentelegraf quittiert mit lautem Klingeln die Manöver, "Ganz langsam voraus", bedient vom Rudergänger, der das hölzerne Steuerrad rotieren lässt.

Seefahrt zum Anfassen, nicht nur auf der Kommandobrücke, sondern auch an der dampfenden Basis, können die zahlreich mitfahrenden Gäste ohne Einschränkung miterleben. Im Maschinenraum hält sich der Lärm in Grenzen, obwohl sich die Kurbelwellen der Dreifach-Expansionsmaschine mit 540 PS bei voller Drehzahl bewegen. "Bei vollere Drehzahl benötigen wir pro Stunde Fahrt etwa 500 bis 600 Kilo Kohle", erklärt der Vereinsvorsitzender Marco Josefus (42). 235 Mitglieder gehören derzeit dem Verein an, zu denen etwa 40 Aktive gehören. Doch der repräsentiert an Bord nicht im schicken Zwirn, sondern ist selbst in Arbeitskluft im Maschinenbereich anzutreffen. Im richtigen Leben ist er im Werft-Garantiewesen bei Blohm & Voß in Hamburg tätig. Knallhart ist der Job direkt vor den beiden Feuerluken, um mit Kohle schippen den Dampfdruck von mindestens zehn Atmosphären zu halten.

Einer von ihnen ist Eberhard Lanz (60). Seit 2008 ist er in diesem Job dabei, den der bei der Denkmalpflege in Bamberg tätige Fotograf als Berufung ansieht. "Wem es vor dem Kessel nicht gut geht, der sollte es bleiben lassen", so sein Spruch. Angeleitet zum Heizer wurde er übrigens von einem echten Fachmann, dem Oberheizer im Ruhestand Franz Baumann (77) an Bord des Dampfeisbrechers "Stettin". Vereinsmitglied Baumann fuhr noch bis in den 1960er-Jahren in dieser Funktion zur See. Für ihn war die Zeit der Dampfschifffahrt Zeit der ruhigen Schiffe und der guten Laune. Doch er weiß auch nur allzu gut: " Ein Dampfkessel ist ein gutmütiges Wesen. Doch ärgert man ihn, rächt er sich." Er wünscht sich und dem Dampfer "Bussard", der seinen Stammliegeplatz an der Museumsbrücke des Kieler Schifffahrtsmuseums hat, noch lange Jahre "Allzeit gute Fahrt."

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