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Die dienstälteste Mitarbeiterin geht von Bord : Mit Bücherbus viermal um die Welt

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Endstation für Gabriele Gramenz. Nach 17 Jahren und 185 000 gefahrenen Kilometern ist sie aus dem Bücherbus gestiegen. "Ich muss jetzt nur noch meinen Schreibtisch räumen und dann bin ich im Vorruhestand", erzählt sie.

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erstellt am 30.Mär.2012 | 12:13 Uhr

Brüsewitz | Endstation für Gabriele Gramenz. Nach 17 Jahren und 185 000 gefahrenen Kilometern ist die Diplom-Bibliothekarin nun für immer aus dem Bücherbus gestiegen. "Ich muss jetzt nur noch meinen Schreibtisch räumen und dann bin ich im Vorruhestand", sagt die Dorf Mecklenburgerin. Damit endet eine Ära. Denn mit Gabriele Gramenz geht die dienstälteste Mitarbeiterin der Fahrbibliothek von Bord. Seit 1995 fuhr sie über die Dörfer, brachte Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Lesestoff. 5000 Medien sind im Bus: Bücher, Zeitschriften, Hörbücher, Musik-CDs und Gesellschaftsspiele. Was davon ausgeliehen wurde, ging durch ihre Hände. Auch "Die Päpstin", das meist gelesene Buch der Fahrbibliothek. "Es war so zerlesen, dass schon Seiten herausfielen und wir ein Ersatzbuch kauften", erinnert sich Gramenz.

Auch ohne Gabriele Gramenz wird der Bücherbus vorerst weiter durch Teile des Landkreises Nordwestmecklenburg fahren. Damit ist eine der größten Befürchtungen der Leserschaft vorerst ausgeräumt. 31 von einst 84 Haltestellen werden auch in den nächsten Monaten bedient.

"Gerade wenn junge Muttis mit ihren Kindern zu uns kommen, ist das schön. Das zeigt, dass Kindern auch heute noch etwas vorgelesen wird, beispielsweise eine Gute-Nacht-Geschichte", sagt die Diplom-Bibliothekarin. Und sie verdeutlicht, wie unverzichtbar das Lesen ist: "Es ist wichtig für das Verständnis, den Wortschatz und die Sprache." In manchen Dörfern sei die Freude der Kinder auf die Fahrbibliothek so groß, dass sie sich gleich im Bus auf den Fußboden setzten und eine Geschichte aus einem Bilderbuch erzählten. Gerade in Wittenförden, Seehof und Brüsewitz gebe es besonders viele junge Leser. "Es gibt auch Haltestellen, an denen nur noch ältere Menschen auf die Fahrbibliothek warten, weil dort kaum noch Kinder in den Dörfern leben", bedauert Gabriele Gramenz.

Hinter das Lenkrad des Bücherbusses setzte sich die 60-Jährige kein einziges Mal. Sie vertraute den Fahrkünsten von Reinhard Mehrwald und in den vergangenen Jahren von Ralf Lietz. "Wir waren immer unfallfrei unterwegs. Und die Bücher blieben bei beiden Fahrern während der Touren im Regal", verdeutlicht Gramenz mit einem Schmunzeln. Nur einmal habe es eine Panne gegeben: "Im Winter 1995 blieben wir in einer Schneewehe zwischen Thandorf und Rieps stecken. Herr Mehrwald holte dann Hilfe im nächsten Dorf. Mit einem Traktor wurden wir wieder rausgezogen", erinnert sich die Diplom-Bibliothekarin. Ihr größter Wunsch sei, dass der Bus noch Jahre fahrtüchtig und möglichst vielen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen als Fahrbibliothek erhalten bleibe.

Die Ursprünge des Bücherbusses reichen bis ins Jahr 1992 zurück. Von der damaligen Kreisstadt Gadebusch aus startete die Wissensoase auf vier Rädern zu den Lesern in die Dörfer. 2004 wurde der Standort nach Grevesmühlen verlegt. In den vergangenen Jahren gab es bei der Leserschaft immer wieder Befürchtungen, dass der Bücherbus aus Kostengründen ersatzlos ge strichen werden könnte.

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