Kein Messestand für AfD in Wismar : Misstöne auf der Hanseschau

In Halle 1 präsentieren sich SPD, CDU, FDP und Die Linke mit eigenen Informationsständen.
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In Halle 1 präsentieren sich SPD, CDU, FDP und Die Linke mit eigenen Informationsständen.

Alternative für Deutschland buhlt draußen um die Wählergunst und sorgt für reichlich Gesprächsstoff

svz.de von
03. März 2016, 21:00 Uhr

Bei Temperaturen knapp über Null stehen Christoph Grimm und Dr. Heide Nespital vor dem Eingangsbereich der Hanseschau und verteilen Prospekte der Partei Alternative für Deutschland. Knapp 100 Meter weiter sind SPD, CDU, FDP und Die Linke ebenfalls auf Wahlkampftour für die Landtagswahlen in MV im September. Doch die großen Vier haben einen eigenen Stand in Halle 1 der gestern eröffneten Verbrauchermesse. Ein Plätzchen im Warmen, das die AfD auch gern gehabt hätte, das ihnen vom veranstaltenden „Agenturhaus“ aus Lübeck aber nicht genehmigt wurde.

„Einerseits sehe ich das sportlich, dass wir jetzt hier draußen stehen. Andererseits wäre es im Sinne der Demokratie gewesen, wenn man uns einen Messestand genehmigt und somit ein breiteres Spektrum der Parteienvielfalt abgebildet hätte“, sagt der AfD-Kreisvorsitzende Grimm aus Damshagen. „Wir haben eben einfach keine Demokratie mehr in Deutschland“, klagt seine Mitstreiterin Dr. Heide Nespital aus Perlin.

Auf der Messe selbst sorgt die Aktion für jede Menge Gesprächsstoff und Diskussionen. „Der Veranstalter ist ein wirtschaftliches Unternehmen, dem es doch völlig freisteht, seine Hallen zu vermieten und auch an wen“, sagt der SPD-Landtagsabgeordnete Tilo Gundlack, der unermüdlich Kugelschreiber und Schaumküsse an die Passanten verteilt und diese am rot-weißen Glücksrad drehen lässt.

Am Stand nebenan versucht Die Linke beim Wähler zu punkten und hat auch in Sachen „Ihr da draußen, wir hier drinnen“ eine klare Meinung. „Man sollte diese Partei inhaltlich entlarven und nicht draußen stehen lassen“, sagt Simone Oldenburg, die ihre Genossen als bildungspolitische Sprecherin im Landtag vertritt. Genau da will der CDU-Politiker Thomas Grote erst noch hin und findet es schade, dass Grimm & Co vor der Messehalle stehen müssen. „Der Demokratie hätte es gut getan, wenn sie dabei gewesen wären“, so der Christdemokrat. „Aussperren ist nicht der richtige Weg“, findet Daniel Bohl, der als FDP-Kreisvorsitzender ebenfalls um ein Landtagsmandat kämpft.

Die beiden AfD-Aktivisten haben ihre Aktion übrigens schon am frühen Nachmittag beendet. „Unsere Flugblätter waren alle. 700 Exemplare der Kurzfassung unseres Wahlprogramms hatten wir dabei, die waren im Nu weg“, so Christoph Grimm. Zahlreiche Interessenten hätten ihm Mut zugesprochen und ihn aufgemuntert. „Die Menschen sind reif genug, zu erkennen, dass hier einem politischen Mitbewerber Unrecht geschieht“, so Grimm.

Das Schlusswort soll an dieser Stelle Landrätin Kerstin Weiss gebühren: „Grundsätzlich bevorzuge ich inhaltliche Auseinandersetzungen. Ob man dafür allerdings diese Messe benutzen sollte, dahinter stelle ich mal ein dickes Fragezeichen.“

Kommentar: Missbrauch
Verbrauchermesse, Verkaufsschau oder Wahlkampfarena? Von allem wohl irgendwie etwas. Leid tut mir dabei nur der Veranstalter. Der konnte eigentlich nur alles verkehrt machen. Hätte er die AfD zur Hanseschau reingelassen, hätte es  genauso Schelte gegeben wie jetzt, wo er sie draußen stehen lässt.    Fakt  ist,  die Hanseschau  wird in diesen Tagen zum Wahlkampf missbraucht. Mal sehen, was die Neuausgabe im Jahr 2017 bringt. Dann stehen zumindest keine Wahlen an.
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