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Lützower Milchbauer schlägt Alarm : Milchpreis bald weit unter 20 Cent

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Milchviehhalter Georg Maas befürchtet, dass in Nordwestmecklenburg weitere Milchbauern den Betrieb aufgeben werden

svz.de von
erstellt am 25.Apr.2016 | 21:00 Uhr

In unserer Ausgabe vom 21. April berichtete Jörg Haase als Vorstandsvorsitzender des Kreisbauernverbands Nordwestmecklenburg in dem Beitrag „Milchbauern fürchten um Existenz“ über Probleme in der Milchviehwirtschaft im Nordwesten. Daraufhin meldete sich Georg Maas, Milchviehhalter aus Lützow mit zirca 600 Milchkühen, zu Wort. Redakteur Holger Glaner unterhielt sich mit dem 63-jährigen Senior-Chef vom Milchhof Maas.

Nach dem Lesen des Beitrags schmeckte Ihnen das Frühstück nicht mehr. Warum?
Weil sich dort Zahlen und Aussagen wiederfinden, die ich nicht nachvollziehen kann.
Konkret?
Da ist die Rede von drei Landwirten, die die Milchproduktion in diesem Jahr bereits aufgegeben hätten. Ich weiß allein von fünf in den vergangenen sechs Monaten. Und die Liste der Betriebsaufgaben wird schon kurzfristig länger. Mit zwei weiteren Bauern habe ich gerade erst telefoniert. Einer wartet auf das erstbeste Angebot, um seine Milchkühe zu verkaufen, der andere spricht von einer sehr schwierigen Situation. Dabei handelt es sich um gut aufgestellte Unternehmen und zwei Fachleute, die ihre Arbeit gut machen.
Das würde bedeuten, dass es noch weit düsterer aussieht, als in dem Beitrag beschrieben. Wie ist die Lage aus Ihrer Sicht?
Wir befinden uns schon jetzt deutlich weiter im Tal als bei der Krise in den Jahren 2008/2009. Die Produktionskosten sind ungefähr sechs Cent höher als damals, u. a. wegen gestiegener Kosten insbesondere beim Futter. Und es gibt deutliche Zeichen aus dem Markt, dass die in diesen Tagen verhandelten Abschlüsse der so genannten „weißen Linie“ zwischen Molkerei und Handel deutlich schlechter ausfallen als bislang.
Geht es wirklich noch schlimmer? Und wenn ja, wie schlimm?
Im Bundesdurchschnitt bekommt der Milchbauer zur Zeit von den Molkereien 26 Cent pro Liter Milch. Der Milchpreis wird noch einmal um mindestens 6 Cent sinken, im Norden werden wir weit unter 20 Cent rutschen. In Nordrhein-Westfalen bekommen die ersten Bauern bereits jetzt nur noch 15 Cent pro Liter Milch.
Viele Bauern konnten in der Vergangenheit schlechte Milchpreise quersubventionieren mit guten Erträgen aus der Pflanzenproduktion. Wie stellt sich das aus Ihrer Sicht aktuell dar?
Ich verstehe nicht, wie Jörg Haase die aktuell schlechten Weizenpreise neben die noch schlechteren Milchpreise stellen kann. Produktionskosten und Erlös liegen beim Getreide eng zusammen, das kennen wir als Bauern doch, dass es Zeiten gibt, in denen wir kein Geld verdienen. Mit echten Problemen hat das nicht ansatzweise etwas zu tun
Doch der Bauernverband will den Milchbauern helfen, führt nach Aussagen von Nordwest-Bauernchef Jörg Haase Gespräche mit den Geldinstituten. Das klingt doch gut.
Ich weiß nicht, was das soll. Als Unternehmer gehe ich zu meiner Bank, wenn es mir schlecht geht. Und ich gehe auch zu meiner Bank, wenn es mir gut geht. Dazu brauche ich garantiert keine Vermittlung des Bauernverbandes. Ein Verband kann niemals Probleme einzelner Unternehmen in einem persönlichen Gespräch mit der Bank lösen.
Welchen Ausweg, welche Alternativen gibt es dann aber in dieser bedrohlichen Situation für die Milchbauern hierzulande?
Stichwort Alternativen: Der Deutsche Bauernverband hat schon lange die Parole „Wachsen oder weichen“ propagiert. Seit Jahrzehnten haben sie auf den Weltmarkt gesetzt und auf steigende Milchproduktion. Die Molkereien haben uns suggeriert, dass das globale Wachstum immer weiter geht. Aber das geht nur mit Augenmaß, wir können doch nicht am Markt vorbeiproduzieren. Vornehmlich wir Europäer fluten den Weltmarkt mit Milch, deshalb gehen die Preise zurück. Da gibt es – wie Landwirtschaftsminister Till Backhaus sagt – nur eine Lösung: Die Milchmenge muss runter.
Wenn der oberste Repräsentant der Bauern im Landkreis den Bauern, die aufgeben müssen, dann sagt, sie sollten sich Landschaftspflegedienstleistungen übernehmen oder in „Urlaub auf dem Land“ machen, da fehlen mir glatt die Worte. Für die Bauern ist es sehr schwer, einen Betrieb aufzugeben. Viele haben sich finanziell verausgabt und stehen mit dem Rücken zur Wand.

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