Zeitungsschau : Milchkutscher auf der Flucht

Wilhelm Dierk hat die Zeitungsseiten   gut aufbewahrt.  Fotos: mxhe
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Wilhelm Dierk hat die Zeitungsseiten gut aufbewahrt. Fotos: mxhe

SVZ-Leser stellen ihre alten Zeitungsausgaben und immer skuriller werdende Fälle vor

svz.de von
04. März 2014, 00:00 Uhr

Ein Milchkutscher, der mit 600 Mark Lohngeldern flüchtig war; ein Unfall, bei dem sich ein Auto in Rehna „auf der glatten Chaussee“ überschlug und im Graben liegen blieb; die Bilanz der Treibjagd in Kaeselow – 42 Hasen, zwei Fasanhähne; der Unfall eines Arbeiters beim Baumfällen; und nicht zuletzt die Hauptversammlung des Männer-Turn- und Sport-Vereins Gadebusch – es war, blickt man auf die Titelseite der Gadebusch-Rehnaer-Zeitung vom 8. Januar 1929, allerhand los in der Region zu dieser Zeit.

Die wichtigsten Nachrichten aus dem „Anzeiger für die Stadt und Amtsgerichtsbezirk“ standen damals gleich auf der Titelseite: in drei Spalten folgte Nachricht an Nachricht, eng gedruckt, in kleiner altdeutscher Schrift. „Die Zeitung war damals wirklich ganz anders“, sagt Wilhelm Dierk. Wie viele andere ist der Gadebuscher dem Aufruf der SVZ gefolgt – und hat gemeinsam mit Ehefrau Gisela seine historischen Zeitungs-Schätzchen in die Redaktion gebracht. Das älteste Fundstück des 82-Jährigen, der die Ausgaben wiederum von seinen Eltern hat, stammt aus dem Jahr 1926: Eine Beilage zur Gadebusch-Rehnaer-Zeitung anlässlich des „Gauturnfest des Obotritengaues und Einweihung des Sportplatzes“. Auf eineinhalb Seiten werden die Begrüßungsfeier in der Turnhalle, der Festzug und die Weihe des Sportplatzes sowie die Freiübungen beschrieben. „Ein sonnenheller Festhimmel strahlt über dem 700-jährigen Gadebusch, als der Nachmittagszug mit einer größeren Zahl der teilnehmenden Turner und Turnerinnen einläuft. Die festesfrohen Gadebuscher haben sich zahlreich am Bahnhof eingefunden und begrüßen ihre Gäste mit jubelndem Zuruf“, heißt es im Text.

Auch ein weiterer Ausschnitt der damals drei Mal wöchentlich erscheinenden Zeitung, den Dierk aufbewahrt hat, handelt vom Turnen: Ein großer Text, der zum 70-jährigen Bestehen des Männer-Turn- und Sportvereins Gadebusch am 1. August 1931 erschienen ist. Die Bürger der Stadt wurden gebeten, „durch recht zahlreichen Besuch der Veranstaltung sowie durch den Flaggenschmuck ihrer Häuser ihrer Anteilnahme an dem Fest der Turner Ausdruck zu geben“, hieß es in der Zeitung. Er habe selbst 25 Jahre in der Männerriege geturnt und viele Jahre die Mädchenriege trainiert, berichtet Dierk, deshalb hätten ihn die Artikel über den Turnverein besonders interessiert. Zwischen den Seiten des Buches „100 Jahre Turnen in Gadebusch“ bewahre er die zwischen 85 und 90 Jahre alten Ausschnitte und Seiten auf. „Man guckt doch immer mal wieder rein“, so Dierk.

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