Landwirte zwischen Neuendorf und Ventschow : Milchbauern verhalten optimistisch

Anke Dobbehaus liebt ihre Tiere und meint, eine artgerechte Haltung kostet nun mal Geld.  Fotos: Peter Täufel
Anke Dobbehaus liebt ihre Tiere und meint, eine artgerechte Haltung kostet nun mal Geld. Fotos: Peter Täufel

Einige Landwirte sehen Licht am Ende des Tunnels und hoffen auf steigende Milchpreise. Motto: Viel weniger geht ja nicht mehr

svz.de von
28. Juni 2016, 04:45 Uhr

450 Milchkühe stehen in der Anlage der Tantzen-Dobbehaus GbR. Die geben rund 4,3 Millionen Liter Milch im Jahr. Anke Dobbehaus und ihr Mann Hayo Tantzen-Dobbehaus. sowie zehn Angestellte leben davon – aufgrund des Milchpreises derzeit mehr schlecht als recht. „Die Hoffnung besteht, dass es bald aufwärts geht. Schwankungen hat es immer gegeben, auf die man sich einstellen muss. Aber das mit dem Milchpreis ist ein grundsätzliches Problem“, sagt Anke Dobbehaus und meint damit die Marktmacht von Molkereien und Einzelhandel.

Als es noch die Milchquote gab, habe es diesen Preisverfall nicht gegeben und dass zu viel Milch auf dem Markt sei, hänge von unzähligen Faktoren ab. Zum Beispiel dem Embargo gegen Russland, ein Grund, dass bei uns nun ein Überangebot bestehe. Trotzdem sind in den Augen von Anke Dobbehaus 17 Cent je Liter Rohmilch, die laut ihren Angaben von Molkereien derzeit zum Teil nur gezahlt würden, jenseits von Gut und Böse. „Überstehen kann man das nur, wenn man Rücklagen gebildet oder noch weitere Einnahmequellen hat“, sagt die Landwirtin, die 1991 aus Niedersachsen hierher kam. Bei ihrem Betrieb ist es die Biogasanlage, die den Verlust bei der Milch derzeit etwas abpuffert.

Mitte dreißig Cent pro Liter, so die Meinung einiger von uns befragten Bauern in der Region, sei die unterste Grenze, für die man Milch kostendeckend produzieren kann.Einige haben aufgrund des lang anhaltenden Tiefpreises bereits aufgegeben, wie die Agrargenossenschaft Obere Maurine e.G. in Carlow. Die hat die Milchviehhaltung Anfang des Jahres eingestellt und konzentriert sich jetzt auf andere Geschäftsbereiche. Ganz verschwunden sind die Kühe deshalb aber nicht, Mutterkuhhaltung und Kälberaufzucht werden weiterhin betrieben.

Anders ist es dagegen in Ventschow: Die Agrarprodukte e.G. Kleekamp baut gerade einen neuen Stall, einschließlich Melkstand. Investitionssumme: etwa 1,7 Millionen Euro. „Wir haben schon überlegt, ob wir den Bau abbrechen. Aber dann haben wir uns entschlossen, doch weiterzubauen, weil wir denken, dass die Talsohle erreicht ist und unsere Kalkulationen ergeben, dass wir für 33 Cent je Liter Milch produzieren können“, erklärt Vorstandsvorsitzender Dieter Gebhardt. Im Oktober soll der Stall dann fertig gestellt sein - etwa fünf Jahre nach Einreichen der Genehmigungsanträge. Bis dahin, so hoffen die Milchbauern, sollte die Tendenz beim Milchpreis wieder nach oben zeigen.

„Wir müssen uns in der Gesellschaft im Klaren sein, welchen Wert Lebensmittel haben und was ihre Herstellung kostet. Notfalls muss eben eine Untergrenze festgelegt werden“, meint Anke Dobbehaus.

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