zur Navigation springen

Milchpreise auf Talfahrt : Milchbauern fürchten um Existenz

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Drei Landwirte haben in diesem Jahr in Nordwestmecklenburg wegen fallender Milchpreise schon die Milchproduktion aufgegeben

svz.de von
erstellt am 20.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Nein, liebe Kinder, Kühe sind nicht lila. Sie sind braun, schwarz, schwarz-weiß, braun-weiß, hell- oder dunkelbraun. Und sie geben Milch, viel Milch. Das freut den Menschen, weil das die Milch in den Supermarktregalen billig macht. Doch des einen Freud ist bekanntlich des anderen Leid. Denn die Milchbauern wiederum bekommen für ihre Milch derzeit nicht einmal die Produktionskosten rein. Und das wiederum ist existenzbedrohend. „Drei Landwirte haben in diesem Jahr die Milchproduktion schon aufgegeben“, sagt Jörg Haase.

Mit großer Sorge verfolgt der Vorstandsvorsitzende des Kreisbauernverbandes Nordwestmecklenburg e.V. die Entwicklung auf dem Milchmarkt. Auf 35 Cent belaufen sich die Produktionskosten für einen Liter Milch. Von den Molkereien bekommen die Milchbauern aber nur zwischen 26 und 21 Cent. Tendenz fallend in Richtung 19 Cent. Das erwirtschaftete Minus hat zur Folge, dass finanzielle Reserven der Landwirte aufgebraucht werden müssen. Selbst eine Querfinanzierung durch eine parallele Pflanzenproduktion ist aktuell nicht mehr drin. Auch hier sind die Preise im Keller, kann nicht mehr kostendeckend produziert werden. „Pro Tonne Weizen fallen Produktionskosten von 152 Euro an. Doch momentan gibt es dafür nur 141 Euro“, rechnet Jörg Haase das Dilemma vor.

Guter Rat ist da im wahrsten Sinne des Wortes teuer. Zumal viele Milchviehbetriebe erst vor einigen Jahren im Zuge eines Umweltprogramms zur artgerechten Tierhaltung erhebliche Investitionen zur Steigerung des Tierwohls getätigt haben und nun die Kredite nicht mehr zurückzahlen können. Deshalb spreche der Kreisbauernverband viel mit den Banken, um den Versuch zu unternehmen, die Finanzierung für diejenigen Bauern aufzufangen, die als Landwirt durchhalten und nicht aufgeben wollen.

Alternativ gibt es Bemühungen zur Umstrukturierung. Soll heißen, dass Landwirte beispielsweise Dienstleistungen der Landschaftspflege für die Kommunen übernehmen, als Ranger in Biosphärenreservaten tätig werden oder aber kleine Familienbetriebe künftig auf „Urlaub auf dem Lande“ machen. Tourismus statt Milchwirtschaft. „Doch das ist ein langer Prozess. Da muss man erst einmal im Kopf und auch mit der Familie klar kommen“, sagt Jörg Haase.

Im Kreisbauernverband Nordwestmecklenburg sind derzeit 45 Milchbauern organisiert, die insgesamt 22  216 Rinder halten. Elf Betriebe sind reine Milchviehbetriebe.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen