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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

22. November 2017 | 00:22 Uhr

Lützow : Milchbauern fürchten um Existenz

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Seit mehr als 24 Monaten fallen die Milchpreise. Erste Höfe in Nordwestmecklenburg ziehen die Notbremse und geben auf

svz.de von
erstellt am 22.Dez.2015 | 17:56 Uhr

Nach monatelanger Talfahrt der Milchpreise ziehen Landwirte die Notbremse und haben bundesweit eine Protestaktion gestartet. Dabei stellten Milchviehhalter wie in Lützow Plakate mit dem Spruch „Merkel, Schmidt & Hogan wollen lieber Milchbauern ruinieren, als die Milchmenge reduzieren!“ Sie wollen damit ein Zeichen setzen – gegen eine ihrer Meinung nach untätige Politik. Bundesregierung und auch Bundeslandwirtschaftsministerium sowie EU-Kommission würden mit ihrer bisherigen Verweigerungshaltung massiven Schaden bei den Milchbauern anrichten.

Allein im Landkreis Nordwestmecklenburg mussten in diesem Jahr mindestens vier Milchhöfe ihren Betrieb aufgeben, darunter Grambow. Landesweit sollen es 58 gewesen sein. Georg Maas vom gleichnamigen Lützower Milchhof befürchtet, dass dies erst der Anfang gewesen sei und weitere Höfe in 2016 ihren Betrieb einstellen müssen. „Die Krise ist noch nicht auf dem Höhepunkt. Das ist enorm bitter“, sagt Maas.

Seit mehr als 24 Monaten fallen deutschlandweit die Milchpreise. Aktuell liegt der Erzeugerpreis bei 24 Cent je Kilogramm. Mindestens 40 Cent sind nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter notwendig, um kostendeckend wirtschaften zu können.

Dem Preisverfall standen in den vergangenen Monaten steigende Futterkosten, Ausgaben für die Bestandsergänzung sowie für Erhaltungs- und Neuinvestitionen, die Altersvorsorge, Sozialversicherungskosten gegenüber. Viele Milchviehhalter wüssten nicht mehr, wie sie ihren finanziellen Verpflichtungen nachkommen sollen. „Wer auf die Selbstheilungskräfte des freien Marktes setzt, baut darauf, dass irgendwann eine Markterholung schon dadurch eintreten wird, dass Milchviehhalter ihren Betrieb einstellen müssen“, warnt der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter, Romuald Schaber. Dies sei unverhältnismäßig und menschenverachtend. Der Verband befürchtet, dass in MV auch Agrarunternehmen ihren Betrieb einstellen müssten, in die zuvor Fördermittel geflossen sind.

Bereits in den vergangenen Monaten hatten Milchviehhalter auf die prekäre Lage aufmerksam gemacht. Alle Überlegungen, die Milchmarktkrise an der Ursache zu packen, nämlich an der deutlichen Ausweitung der Milchproduktion in Deutschland und Europa, seien von Bundesminister Christian Schmidt mit Rückendeckung der Kanzlerin und auf EU-Kommission mit Hinweis auf den freien Markt verhindert worden. 

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