Gadebusch : Miese Ernte bringt Bauern in Not

Miserable Erträge und niedrige Preise schaffen eine bedrohliche Situation. Vor allem für jene Landwirte, die Verluste aus der Schweine- und Milchviehproduktion mit guten Erträgen aus der Pflanzenproduktion aufzufangen hofften.  Fotos: Holger Glaner
Miserable Erträge und niedrige Preise schaffen eine bedrohliche Situation. Vor allem für jene Landwirte, die Verluste aus der Schweine- und Milchviehproduktion mit guten Erträgen aus der Pflanzenproduktion aufzufangen hofften. Fotos: Holger Glaner

Zwischenbilanz: Raps, Wintergerste, Weizen sind weitestgehend vom Feld / Doch niedrige Erträge und Preise machen Landwirten zu schaffen

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24. August 2016, 04:45 Uhr

Eigentlich ist jetzt Erntezeit. Weizen, Raps oder Wintergerste wird vom Feld geholt. Doch die Motoren der Erntefahrzeuge der Agrar-Aktiengesellschaft Gadebusch blieben gestern stumm. Mal wieder. Denn mal wieder hat es geregnet. „Dennoch bin ich optimistisch, dass wir bis zum Wochenende die Ernte abgeschlossen haben“, sagt Jörg Haase als Vorstandsvorsitzender der Agrar AG Gadebusch.

1000 Hektar Druschfläche bewirtschaftet das Gadebuscher Unternehmen. Die 70 Hektar Raps seien bereits vom Feld, die 200 Hektar Wintergerste ebenfalls. Der Rest ist Weizen. Und davon stehen lediglich noch 200 Hektar zur Mahd an. Ein Kinderspiel, wenn das Wetter mitmacht. Denn die beiden im Einsatz befindlichen Mähdrescher schaffen mal eben 100 Hektar am Tag.

Die Ernteerträge allerdings treiben dem 55-Jährigen die Sorgenfalten auf die Stirn. Holen die Landwirte im Nordwestkreis in einem durchschnittlichen Jahr pro Hektar bis zu 45 Dezitonnen Raps vom Feld, so werden es in diesem Jahr nur zwischen 25 und 30 Dezitonnen sein. Und das bei gleichzeitig sinkenden Preisen. Gab es vor drei Jahren noch 50 Euro pro Dezitonnen, so sind es aktuell nur 35 Euro. Bei Wintergerste und Weizen sieht es ähnlich schlimm aus.

Wenn dann die Qualität nicht stimme, kommen weitere Einbußen hinzu, beispielsweise für das wegen der feuchten Witterung notwendige Trocknen des Getreides. Wenn der maximale Feuchtigkeitsgehalt beim Verkauf auch noch überschritten wird, sind weitere Verluste die Folge. „Für einen mit 25 Tonnen Weizen beladenen Lkw bezahlen uns die Händler heute ungefähr 4000 Euro. Das ist ein Drittel weniger als noch vor drei Jahren. Wenn der Weizen nun aber nur zwei Prozent feuchter als die maximal erlaubten 14,5 Prozent ist, bekommen wir für diese Lkw-Ladung schon 500 Euro weniger“, rechnet Landwirt Haase vor.

Ursachen für die schlechten Preise gibt es nach Ansicht des Vorsitzenden des Kreisbauernverbands Nordwestmecklenburg aber gleich mehrere. Beispielsweise die Weltwirtschaftskrise, den Russland-Boykott und die niedrigen Ölpreise. Doch was hat der Scheich in Ägypten mit unserer Getreideernte zu tun? „Ganz einfach. Auch die Landwirte in den ölproduzierenden Staaten benötigen Futter für ihre Tiere. Um dieses zu produzieren, benötigen sie Land, so wie die Ölproduzenten aber auch. Also kaufen diese unser Getreide und verschenken es an die Bauern vor Ort, damit sie keine zusätzlichen Flächen für Futtergetreide bestellen müssen“, erklärt Jörg Haase. Dies würde nur die Ölproduktion stören. Doch wegen der niedrigen Ölpreise seien auch die Kassen der Ölscheichs nicht mehr so prall gefüllt wie sonst. Gute Zeiten, volle Tüte. Schlechte Zeiten, leere Tüte. Da gibts dann mal eben keine Geschenke für die Beduinen. Die schauen also aktuell genauso in die Röhre wie die Landwirte im fernen Europa, in Deutschland, in Nordwestmecklenburg.

Miserable Erträge und niedrige Preise – eine bedrohliche Situation. Vor allem für jene Landwirte, die Verluste aus der Schweine- und Milchviehproduktion mit guten Erträgen aus der Pflanzenproduktion aufzufangen hofften.

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