Große Unterstützung : Melodien der Hoffnung

Fetziges spielte Hildes Dorforchester aus Dechow. Insgesamt 15 Musiker und der Chor Carlow unterstützten das Benefizkonzert für die Familie. Fotos: Patricia Lösche
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Fetziges spielte Hildes Dorforchester aus Dechow. Insgesamt 15 Musiker und der Chor Carlow unterstützten das Benefizkonzert für die Familie. Fotos: Patricia Lösche

Carlower Benefizkonzert für Klocksdorfer Familie mit 200 Gästen. 15 Musiker und der Chor Carlow bieten Balladen und Instrumentales.

svz.de von
01. Dezember 2014, 23:32 Uhr

Auf dem Dorf zu wohnen, bringt Nachteile: Schulbesuch, Einkauf und Freizeitaktivitäten sind schwieriger als in der Stadt. Auf dem Dorf zu wohnen, das heißt aber auch: Dichter dran sein – am Nachbarn, am Schicksal, am Menschen. „Niemand im Kulturkreis und in der Kirchengemeinde Carlow hat darum auch nur eine Sekunde gezögert, als der Vorschlag für ein Benefinzkonzert zugunsten von Familie Schümann kam“, erzählt Pastor Bernhard Kähler, der alle vier Kinder taufte.

Am 15. Oktober hatten Daniela Schümann und ihre vier Kinder (12, 13,16 und 19 Jahre alt) aus Klocksdorf unerwartet ihren Mann und Vater André verloren. „Er stand morgens auf und fiel einfach tot um“, erzählt die Witwe. Ursache war ein Lungenemphysem.

Hilfe war gefragt. Ein Benefizkonzert sollte organisiiert werden. Schnell war klar, wer dafür in Frage kommt.. Plakate wurden gedruckt und in Windeseile verteilt. „Bei 40 Chormitgliedern kommt schnell ein großer Verteiler zusammen“, meint Mitorganisator Klaus Bergmann.

„Wir helfen Menschen“ hatte auf dem Plakat gestanden. Nächstenliebe wörtlich genommen. Wie passend dazu der Altarspruch „Siehe ich bin bei Euch alle Tage…“ (Matthäus 28). Auch am ersten Adventssonntag war auf die Gemeinde von Bernhard Kähler Verlas. Warmer Lichterglanz empfing die Besucher in der adventlich geschmückten Carlower Dorfkirche, die trotz des kurzfristigen Termins am Ende fast voll war. Ein buntes Kaleidoskop aus Rock, Blues, Balladen, Kletzmer, Folk und Chansons bekamen die Besucher zu hören: Es war andächtig und sanft, dann wieder rockig rau, ernst und nachdenklich, am Ende fröhlich-fetzig und voller Hoffnung.

Es begann mit geistlicher Musik, gesungen durch den Kirchenchor. Erstes Gänsehaut-Feeling gab es beim „Hallelujah“, einem der bekanntesten Songs des Kanadiers Leonard Cohen, dem die markante Stimme des Carlower Kochs Günter Weinberg einen direkten Zugang zu den Herzen der Gäste verschaffte. „Das war ergreifend und wunderschön“, meinte Daniela Schümann nach dem Konzert. „Mir kamen die Tränen.“

Nach der Vielstimmigkeit des Chores folgten zunächst die leisen, fast meditativen Töne von Markus Pütters Akustik-Gitarre. Dann füllten von Weinberg gesungene Rock-Balladen die Kirche aus. Viele summten mit, als sie erklangen: A Whiter Shade of Pale (Original Procol Harum) wurde begleitet von der Kirchenorgel, Blueberry Hill (u.a. Fats Domino), Hit the Road Jack (Ray Charles) und Sweet Home Chicago (u.a. Eric Clapton) – alles alte Bekannte. Vor den Originalen brauchten sich diese Versionen nicht zu verstecken. Begleitet wurde Weinberg unter anderem von Klaus Bergmann an den Keyboards.

Bergmann hatte mit Karla Böhringer und Carmen Buck zwei seiner Schülerinnen zum Mitmachen bewegen können. Böhringer schaffte es trotz klammer Finger und dicker Winterjacke den Keybords fließend zarte Töne zu entlocken: Yann Tiersens Musik aus „Fabelhafte Welt der Amélie“ und passend zur Jahreszeit und zu den Temperaturen in der Kirche den „Wintersong“, der an die Version von Sara Bareilles und Ingrid Michaelson erinnerte. Carmen Buck sang anspruchsvolle Chansons wie Klaus Hoffmanns „Blinde Katharina“ und Annett Louisans „Die Katze“.

Nach leisen, nachdenklichen Stücken wärmten die fetzigen Kletzmer- und Folk-Klänge von Hildes Dorforchester noch einmal so richtig durch, bevor es nach draußen ging. Nachdem sein Haus abgebrannt war, hatte Orchester-Mitglied Willi Winter selbst einmal die Spendenbereitschaft der Carlower Gemeinde auf seiner Seite gehabt. „Was für ein ergreifender Abend“, meinte Daniela Schümanns Mutter Karin Evers im Anschluss. Viele hatten beim Hinausgehen schon einen Umschlag mit ihrer Spende parat. Manchmal ist das Dorfleben zwar schwieriger, aber wenn es drauf ankommt, rücken die Menschen zusammen. Sie sorgten so für die finanzielle Hilfe in Höhe von 2000 Euro, die es Daniela Schühmann ermöglicht, einen Führerschein zu machen.






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