PFLEGEPLANUNG : Mehr tun für „Wohnen im Alter“

 
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Studie belegt, was alle schon lange geahnt haben / Viel Nachholbedarf auch zwischen Lützow-Lübstorf, Gadebusch und Rehna

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18. August 2015, 23:44 Uhr

Die Bevölkerung im Nordwestkreis altert zusehends. Das ist nicht neu. Auch die Tatsache, dass es zwischen Dassow und Poel zu wenig Angebote für „Wohnen im Alter gibt“, ist hinlänglich bekannt. Neu hingegen ist, dass mit der Pflegesozialplanung für den Landkreis Nordwestmecklenburg mit dem Schwerpunkt „Wohnen im Alter“ nun erstmals das Ergebnis einer Studie vorliegt, die all das mit Zahlen belegt. In Auftrag gegeben wurde diese vom Landkreis Nordwestmecklenburg, Auftragnehmer war das Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik GmbH (ISG) in Köln, bezahlt hat das 48  000 Euro-Werk das Sozialministerium Mecklenburg-Vorpommern.

Demnach sind elf Prozent der Menschen im Nordwestkreis heute 75 Jahre oder älter. Bis zum Jahr 2030 werden es sogar 31 Prozent sein. Jeder dritte also. „Ab diesem Alter steigt das Risiko von Pflegebedürftigkeit und Demenz zusehends“, sagt ISG-Geschäftsführer Dr. Dietrich Engels. Darauf gelte es, sich einzustellen. Doch wie wollen Menschen ab einem Alter von 75 Jahren leben? Welche Bedürfnisse haben sie? Wo und wie wollen sie wohnen?

Ergebnis: Der Anteil derer, die in den eigenen Wänden ihren Lebensabend verbringen möchten, ist überwältigend groß. Bei den 65- bis 74-Jährigen sind es 70 Prozent, sogar 79 Prozent der 75- bis 79-Jährigen bevorzugen das eigene Heim und bei den über 80-jährigen Mitmenschen fällt diese Zahl auch nur drei Prozentpunkte niedriger aus.

Problem: Die Hälfte der im Zuge dieser Studie befragten Senioren wohnen aktuell in einer barrierefreien Wohnung, weitere 28 Prozent erfüllen dieses Kriterium nur teilweise. Zwar bestehe bei mehr als der Hälfte die Möglichkeit zum barrierefreien Umbau, doch dies ist nur mit sehr hohem vor allem finanziellen Aufwand verbunden. Und da hilft leider auch das schönste Studienergebnis nichts. Denn: nix Geld, nix Umbau.

Weiteres Problem: Es fehlt eigentlich schon heute überall an entsprechenden Angeboten für die knapp 6500 Pflegebedürftigen und 3300 Demenzkranken. Wohnen im Alter, Tagespflegeangebote, Kurzzeitpflege, stationäre Pflege oder aber betreutes Wohnen – überall muss dringend nachgebessert werden. Auch und vor allem personell.

So gibt es beispielsweise im Einzugsbereich der Ämter Lützow-Lübstorf und Rehna keine Möglichkeit des betreuten Wohnens. Kurzzeitpflegeangebote zur Entlastung der Angehörigen und Aktivierung der Pflegebedürftigen: In Gadebusch komplett Fehlanzeige, in Lützow-Lübstorf und Rehna gibt es immerhin wenigstens jeweils eine darauf ausgerichtete Einrichtung.

Und so kommt die Studie folgerichtig zu dem Urteil, dass sowohl das Pflegeangebot verbessert, als auch der Anteil an barrierefreien Wohnungen erhöht sowie das Fachpersonal aufgestockt werden müsse. „Eine schöne Planung“, sagt die 2. stellvertretende Landrätin Karla Krüger, „die aber nicht vom Landkreis, sondern von privaten Investoren umgesetzt werden muss.“

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